Die geplanten Änderungen in der Fördermittelverteilung für die Kinder- und Jugendarbeit in Bremen sorgen für erhebliche Unruhe, insbesondere im Stadtteil Obervieland. Ab dem Jahr 2027 wird die Vergabe der Fördermittel zentral vom Amt für Soziale Dienste übernommen, was zur Folge hat, dass die Stadtteile nicht mehr eigenständig über die Mittelverteilung entscheiden können. Dies hat bereits zu massiven Protesten und einem einstimmigen Beschluss des Obervielander Beirats geführt, der die neuen Regelungen ablehnt und die vollständige Finanzierung bestehender Einrichtungen fordert.

Besonders betroffen von den Veränderungen ist die Kinder- und Jugendfarm Habenhausen, die laut den Vorschlägen der Sozialbehörde ihre institutionelle Förderung verlieren könnte. Der Obervielander Beiratssprecher Klaus Möhle äußerte sich empört über die vorgeschlagenen Änderungen und kritisierte die Finanzierung der Kinder- und Jugendförderung. Auch Cornelia Gorhold von der Jugendfarm stellte fest, dass ihre Arbeit fälschlicherweise als nicht förderfähig angesehen wird. Die Entscheidung über die neue Mittelverteilung wird voraussichtlich im Juni getroffen.

Zentrale Änderungen und neue Mindeststandards

Für die Stadtteile Obervieland, Neustadt, Woltmershausen und Huchting sind im kommenden Jahr insgesamt knapp 2,7 Millionen Euro vorgesehen, was einen Anstieg von etwa 12% im Vergleich zu 2025 darstellt. Obervieland soll dabei etwa 817.000 Euro erhalten. Allerdings müssen die Einrichtungen neue Mindeststandards erfüllen: Mindestens zwei Mitarbeiter, darunter eine Fachkraft, müssen während der Öffnungszeiten anwesend sein. Der Jugendclub Kattenturm der Arbeiterwohlfahrt (Awo) wird als einzige Einrichtung seine institutionelle Förderung behalten, während andere, wie der Awo-Funpark und die Kinder- und Jugendfarm Habenhausen, aus der institutionellen Förderung herausfallen.

Die betroffenen Einrichtungen erhalten zwar Projektgelder, jedoch fehlt ihnen die Planungssicherheit für feste Mitarbeiter. Einzelgespräche zwischen dem Amt für Soziale Dienste und den Einrichtungen sind derzeit im Gange, und am 30. April findet eine Planungskonferenz mit allen Einrichtungen Obervielands statt, um weitere Lösungsansätze zu erarbeiten.

Neue Richtlinien für die Förderung

Die neuen Richtlinien für die Förderung der stadtteilbezogenen Kinder- und Jugendarbeit in Bremen, die seit dem 1. November 2023 in Kraft sind, basieren auf dem § 11 des Bremischen Kinder-, Jugend- und Familienförderungsgesetzes (BremKJFFöG). Demnach können örtliche Träger der freien Jugendhilfe sowie gemeinnützige Eltern- und Bürgerinitiativen Zuwendungen zur Finanzierung von Maßnahmen und Einrichtungen beantragen. Diese Zuwendungen sind jedoch abhängig von den verfügbaren Haushaltsmitteln.

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Für Anträge über 50.000 Euro oder bei hauptberuflichem Personal sind detaillierte Wirtschaftspläne notwendig, die Ausgaben und Einnahmen auflisten. Die Bewilligungsbestimmungen richten sich nach den §§ 23 und 44 der Landeshaushaltsordnung und den Allgemeinen Nebenbestimmungen. Zudem müssen Verwendungsnachweise gemäß den Bewilligungen eingereicht werden, wobei für Jugendclubs und soziale Gruppenarbeit vereinfachte Nachweise gelten.

Ein Ausblick auf die Zukunft

Die geplanten Änderungen in der Fördermittelverteilung und die neuen Richtlinien für die Kinder- und Jugendarbeit in Bremen werfen Fragen über die Zukunft der bestehenden Einrichtungen auf. Während die Stadtteile mehr Verantwortung abgeben müssen, stellt sich die Frage, ob dies tatsächlich zu einer besseren Versorgung der Jugendlichen führen wird oder ob wichtige Angebote gefährdet sind. Der Obervielander Beirat fordert weiterhin, dass die bestehenden Einrichtungen vollumfänglich finanziert werden, um eine qualitative Betreuung der jungen Menschen zu gewährleisten.

Die kommenden Monate werden entscheidend sein, um zu klären, wie sich die neue Mittelverteilung auf die Kinder- und Jugendarbeit in Obervieland und darüber hinaus auswirken wird. Die Entwicklungen werden mit Spannung verfolgt, insbesondere von den betroffenen Einrichtungen und den Jugendlichen, die auf diese Angebote angewiesen sind.