Arnis. In dieser charmanten Kleinstadt, die malerisch an der Schlei gelegen ist, genießen die Einwohner und Touristen derzeit den Herbst, während die Segelboote friedlich im Hafen schaukeln. Doch ein Blick zurück lässt erahnen, welche katastrophalen Ereignisse die Stadt vor einem Jahr erschütterten. Damals verwandelte ein Deichbruch das beschauliche Leben der 260 Menschen in eine dramatische Krise.
Die Erinnerungen an den Tag, als das Wasser in die Häuser drang, sind für viele noch frisch. Ralf Timm, ein Anwohner des Lindenweges, erinnert sich genau, wie sein Parkettboden in den Ofen geschoben wurde, um das Chaos der Überschwemmung zu bewältigen. „Das Wasser stand uns Brusthoch in den Häusern“, berichtet er. Möbel waren in den Gärten verstreut, während unermüdlich Pumpen das Wasser abzuleiten versuchten.
Arnis erhebt sich aus den Trümmern
Die Solidarität der Gemeinschaft und die Unterstützung von außerhalb waren entscheidend für den Wiederaufbau. Ralf Timm schätzt, dass etwa 70 Helfer aus der Region zur Stelle waren und das Geschehen nicht nur mit Taten, sondern auch mit Freundschaft bereicherten. „Viele der Leute, die uns halfen, sind mittlerweile zu Freunden geworden“, erzählt er dankbar. Eine ältere Dame, selbst einst Flutopfer im Ahrtal, spendete sogar eine großzügige Summe an die Betroffenen in Arnis.
Der Wiederaufbau begann nach der Flut, und große Anstrengungen wurden unternommen, um das zerstörte Eigentum zu restaurieren. Trotz aller Bemühungen war jedoch kein Cent von den Versicherungen bei Ralf und Carmen Timm eingegangen. „Ohne die Spenden wären wir verloren gewesen“, betont Carmen Timm, während sie auf die umfassenden Reparaturen hinweist, die notwendig waren, um ihr Zuhause wieder bewohnbar zu machen.
Spenden werden gerecht verteilt
Um sicherzustellen, dass die erhaltenen Spenden fair verteilt werden, wurde einen Ausschuss gebildet, der bereits kurz nach der Flut seinen Dienst aufnahm. Der Spendenausschuss aus Bürgermeister, zwei Stadträten und zwei weiteren Mitgliedern des Bürgerrats hat sich bewährt und fast 500.000 Euro an Unterstützungen gesammelt. Die Gelder stammen aus vielfältigen Quellen, darunter private Spendenaktionen, kulturelle Veranstaltungen und Online-Initiativen. Von insgesamt 22 eingereichten Anträgen auf Unterstützung wurden bereits viele bearbeitet und die Hilfen ausgeteilt.
Aktuell plant der Ausschuss, seine Arbeit bis zum Jahresende fortzusetzen, da es noch Mittel gibt, die anrestliche Betroffene verteilt werden sollen. Michelle Dieckmann, die stellvertretende Bürgermeisterin von Arnis, betont, dass man aus dieser Erfahrung gelernt hat. „Wir würden das wieder so machen“, sagt sie und zeigt sich zuversichtlich, dass der Ort wieder vollständig zusammenwachsen wird.
In den kommenden Monaten wird auch auf politischer Ebene nach Lösungen gesucht. Die Forderung, die Verantwortung für den Erhalt der Regionaldeiche an die Landesregierung zu übertragen, wird lautstark erhoben. Die Katastrophe hat in der Regionen nicht nur einen materiellen, sondern auch einen sozialen Wandel bewirkt. „Die Flut hat Arnis zusammengeschweißt“, fasst Ralf Timm seine Beobachtung abschließend zusammen, während sich die Stadt langsam aber sicher aus den Schatten der Vergangenheit erhebt und auf eine gemeinsame Zukunft hofft.
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