In der kleinen Stadt Biberach, wo die Welt der Forschung und Entwicklung auf das pulsierende Leben der Region trifft, hat sich ein bemerkenswerter Fortschritt vollzogen. Das Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim hat vor Kurzem das TÜV-Siegel für den Regelbetrieb seiner neuen Helium-Rückgewinnungsanlage erhalten. Nach dem Ende des Testbetriebs kann nun offiziell mit der Helium-Rückgewinnung begonnen werden. Dieses Projekt, das 2022 ins Leben gerufen wurde, markiert einen bedeutenden Schritt in der ressourcenschonenden Hightech-Forschung und gehört zu den ersten Anlagen dieser Art in Europa. Helium, das in der modernen Forschung, besonders in der NMR-Spektroskopie, eine zentrale Rolle spielt, wird hier auf innovative Weise zurückgewonnen.
Die Anlage, ein neu errichtetes Gebäude von 9×6 Metern und einer Höhe von 7 Metern, ist das Ergebnis eines aufwendigen Genehmigungsprozesses, der mit großen Bauvorhaben vergleichbar ist. Helium ist eine wertvolle Ressource, die nicht chemisch hergestellt werden kann und derzeit nur als Nebenprodukt bei der Erdgasförderung gewonnen wird. Politische, technische und logistische Herausforderungen beeinträchtigen den Abbau und Export, was zu einer globalen Verknappung und steigenden Preisen führt. Umso wichtiger ist es, dass Einrichtungen wie die in Biberach die Rückgewinnung fördern. Die neue Anlage hat eine Rückgewinnungsquote von über 90%, mit dem Ziel, diese auf 95% zu steigern.
Technische Details und interdisziplinäre Zusammenarbeit
Die Helium-Rückgewinnungsanlage ist nicht nur ein technisches Meisterwerk, sondern auch ein Beispiel für interdisziplinäre Zusammenarbeit. Forscher, Betriebsingenieure und die Partnerfirma Bruker haben Hand in Hand gearbeitet, um dieses Projekt zu realisieren. Zwei Gebäude mit NMR-Spektroskopen sind über ein 400 Meter langes Rohrleitungssystem an die Rückgewinnungsanlage angebunden. Verdampftes Helium wird in einem Sammelballon mit einem Fassungsvermögen von 30 Kubikmetern gesammelt. Sobald der Füllstand 80% erreicht, wird das Helium in 24 Gasflaschen mit einem Druck von 200 bar gepumpt.
Der jährliche Heliumbedarf am Standort beläuft sich auf etwa 4000 Liter, wobei die Rückgewinnungsanlage eine effektive Möglichkeit zur Senkung der Betriebskosten in einem automatisierten Kreislaufsystem darstellt. Die Rückgewinnungsanlagen arbeiten mit Druckbereichen bis zu 350 bar und Volumen bis 200 m³. Der Prozess der Rückgewinnung erfolgt, indem das Helium in Trocknern von Verunreinigungen wie Sauerstoff und Stickstoff befreit wird. Dazu wird es auf beeindruckende -270 Grad Celsius gekühlt. Am Ende dieses Verfahrens erhält man 99,9% reines Helium, das für die NMR-Spektroskope benötigt wird.
Eine nachhaltige Zukunft für die Forschung
Das innovative Projekt in Biberach zeigt nicht nur, wie wichtig die Rückgewinnung von Helium für die Forschung ist, sondern auch, wie diese Technologie dazu beitragen kann, die Industrie und Forschungsstandorte nachhaltig zu fördern. Angesichts der Tatsache, dass Helium schneller verbraucht wird, als es regenerieren kann, ist die Rückgewinnung eine notwendige Maßnahme, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Die Anlagen bieten eine effektive Lösung, um die Herausforderungen der globalen Heliumknappheit zu bewältigen.
Ein weiterer interessanter Aspekt ist die Amortisationszeit solcher Anlagen, die lediglich 1,5 bis 2 Jahre beträgt. Bei steigenden Preisen und einer wachsenden Nachfrage nach Helium wird die Rückgewinnung immer wichtiger. Angesichts der globalen Trends, die den Heliumverbrauch in die Höhe treiben und gleichzeitig den Erdgasverbrauch senken, könnte die Rückgewinnung von Helium zu einer Schlüsseltechnologie für die Zukunft werden.
In Biberach zeigt sich, wie durch innovative Ansätze in der Forschung und Technik nicht nur die Industrie unterstützt wird, sondern auch ein nachhaltiger Umgang mit wertvollen Ressourcen gefördert wird. Es bleibt abzuwarten, welche weiteren Fortschritte in der Helium-Rückgewinnung in den kommenden Jahren erzielt werden, aber eines ist sicher: Die Entwicklung in Biberach könnte ein bedeutendes Beispiel für die gesamte Branche sein. [Schwäbische Zeitung]