Am 7. Mai 2026, dem Internationalen Tag der Museen, wird in Böblingen ein ganz besonderes Kunstwerk eröffnet. Der Künstler Marinus van Aalst präsentiert seine Installation in den Kellerräumen der Friedhofskapelle des alten Friedhofs. Diese Installation ist nicht nur ein weiteres Kunstprojekt; sie trägt eine schwere, aber wichtige Botschaft. Sie erinnert an die Opfer des verheerenden Bombenangriffs auf Böblingen in der Nacht vom 7. auf den 8. Oktober 1943. Zudem thematisiert sie die Zwangsarbeit während des Zweiten Weltkriegs für das nationalsozialistische Deutschland und lässt uns über die dunkle Vergangenheit nachdenken.
Die künstlerische Intervention von van Aalst soll die Geschichte der NS-Zwangsarbeit in den öffentlichen Raum bringen. Mit vergänglichen Materialien und gedimmtem Licht schafft er eine Atmosphäre, die sowohl Erinnerung als auch Vergessen erfahrbar macht. Das Ziel? Einen emotionalen Zugang zu diesem Kapitel deutscher Geschichte zu schaffen und das Bewusstsein für die gegenwärtigen Opfer und Verbrechen zu schärfen. Van Aalst wird bei der Eröffnung anwesend sein, was sicherlich für viele Besucher ein zusätzlicher Anreiz sein wird.
Die Erinnerungsräume und ihre Geschichte
Interessanterweise ist Marinus van Aalst nicht nur der Künstler, sondern auch die treibende Kraft hinter den „Erinnerungsräumen“ in Böblingen. Diese Installation hat eine Geschichte, die bis vor zehn Jahren zurückreicht, als das Flugfeld als Stadtentwicklungsgebiet bebaut wurde. Van Aalst verwendete alte Materialien aus den Gebäuden des Flugfelds, um seine Kunstwerke zu schaffen. Die Erinnerungsräume sind ein überregionaler Besuchermagnet und ziehen trotz ihrer begrenzten Öffnungszeiten – einmal im Monat von März bis November – bereits etwa 2000 Besucher an.
Apropos Öffnungszeiten: Die Räume sind am ersten Sonntag im Monat von 15 bis 17 Uhr geöffnet, mit zusätzlichen Terminen an Feiertagen. Wer mehr über die bewegende Geschichte erfahren möchte, kann sich direkt an das Kulturamt Böblingen wenden – die Telefonnummer ist (0 70 31) 669-1611. Und die Räume selbst? Sie bergen Objekte, die an Relikte aus Konzentrationslagern erinnern und sogar an die einstige Lagerung von Leichnamen in den Kellerräumen – die Originalaufschrift „Zelle“ an den Türen ist dabei besonders eindrucksvoll.
Ein wichtiger Teil der Erinnerungskultur
Ein beschädigtes Videoband aus den 1980er Jahren zeigt Erinnerungen an die Bombennacht, die auch heute noch eine Gänsehaut hervorrufen kann. Die Auseinandersetzung mit der Geschichte der NS-Zwangsarbeit ist zentral für das Verständnis der Strukturen und Ideologien des Nationalsozialismus. Rund 13 Millionen Menschen wurden zwischen 1939 und 1945 nach Deutschland verschleppt und zur Arbeit gezwungen. Diese Menschen litten unter Hunger, Gewalt und Entrechtung. Zwangsarbeit war ein Massenphänomen, von dem alle Deutschen profitierten.
Ein Netzwerk der Erinnerungsorte zur NS-Zwangsarbeit in Deutschland verbindet über 30 Gedenkstätten und Lernorte. Diese Initiativen engagieren sich dafür, die Erinnerung an die Zwangsarbeit lebendig zu halten und Wissen weiterzugeben. Jährliche Vernetzungstreffen bringen Vertreter:innen von Gedenkstätten und Bildungsprojekten zusammen, um sich über aktuelle Herausforderungen und Projekte auszutauschen. In den nächsten Jahren wird eine bundesweite Social Media Kampagne mit dem Titel #GeradeJetzt 2025 starten, um die Sichtbarkeit dieser Erinnerungsorte weiter zu stärken.
Die Installation von Marinus van Aalst in Böblingen ist somit nicht nur ein Kunstwerk, sondern ein bedeutender Ort der Erinnerung und Reflexion. Hier wird Geschichte lebendig, hier wird nicht nur erinnert, sondern auch aktiv an die Lehren der Vergangenheit gearbeitet. Es wird spannend sein zu sehen, wie die Besucher auf diese eindrucksvolle Installation reagieren und welche Gespräche sie anstoßen wird. Die Adresse für weitere Informationen lautet übrigens www.art-van-aalst.com.
