Heute ist der 28.05.2026 und wir werfen einen Blick über die Grenze nach Deutschland, wo sich im Landkreis Böblingen ein Streit um die Finanzierungsbeteiligung an der Hermann-Hesse-Bahn entfaltet hat. Die Bahn, die am 1. Februar 2026 ihren Betrieb aufnahm, erfreut sich seitdem großer Beliebtheit. Sie fährt mittlerweile im Stundentakt bis Mitternacht und wird ab dem 14. September sogar alle halbe Stunde zwischen Calw und Renningen verkehren. Doch während die Fahrgäste die wiederbelebte Zuglinie nach 43 Jahren feiern, brodelt es im Hintergrund gewaltig.

Der Landkreis Böblingen hat sich entschieden, nicht an den Baukosten der Hermann-Hesse-Bahn in Höhe von 4,2 Millionen Euro zu beteiligen. Diese Nachricht sorgte für große Enttäuschung bei Calws Landrat Helmut Riegger. Er beruft sich auf ein Eckpunkte-Papier aus dem Jahr 2019, das die anteilige Finanzierung der Infrastruktur vorsah. Böblingens Landrat Roland Bernhard hingegen sieht sich durch dieses Dokument nicht gebunden, da es sich seiner Meinung nach nur um eine unverbindliche Absichtserklärung handelt. Ein Entwurf für eine Kostenbeteiligung wurde zwar erarbeitet, aber nie unterzeichnet. Riegger stellt sich die Frage, wie man mit einem Nachbarn umgeht, der politische Zusagen nicht einhält. Die Entscheidung, die Kostenbeteiligung abzulehnen, wurde kürzlich im Böblinger Kreistag bekräftigt, was das Vertrauen zwischen den Landkreisen auf eine harte Probe stellt.

Streit um die Kosten und den Nutzen

Die Diskussion dreht sich nicht nur um die 4,2 Millionen Euro, die Calw von Böblingen fordert, sondern auch um die wirtschaftlichen Vorteile, die die Hesse-Bahn dem Landkreis Böblingen bringen könnte. Laut einer wissenschaftlichen Berechnung würde etwa 43 Prozent des volkswirtschaftlichen Nutzens der Bahn dem Landkreis Böblingen zugutekommen. Dennoch bleibt Bernhard bei seiner Ablehnung und bezeichnet die Forderung als unverbindlich. Riegger hingegen kritisiert die Entscheidung und fordert, dass zukünftige Vereinbarungen rechtlich festgehalten werden sollten. Er bezweifelt, dass der Kreis Calw juristisch gegen die Entscheidung vorgehen kann, plädiert aber für eine politische Lösung.

Was die Kosten betrifft, so ist es bemerkenswert, dass die ursprünglichen Ausgaben für die Hermann-Hesse-Bahn von 48 Millionen Euro auf mittlerweile etwa 240 Millionen Euro gestiegen sind. Ein erheblicher Teil dieser Kosten, rund 85 Millionen Euro, wurde für den Schutz von 18 Fledermausarten aufgebracht, die in den Tunneln leben. Das zeigt, wie komplex die Angelegenheit ist und wie viele Interessen hier aufeinanderprallen.

Ein historischer Tag und die Folgen

Die Eröffnung der Hesse-Bahn wurde Ende Januar mit Feierlichkeiten begangen. Beide Landräte, Riegger und Bernhard, bezeichneten den Tag als historisch. Bernhard erklärte, die Hesse-Bahn sei ein Gewinn für beide Landkreise. Doch der aktuelle Streit über die Baukosten und die finanzielle Beteiligung wirft einen Schatten auf diese positive Entwicklung. Riegger ist verständlicherweise verärgert über die Weigerung seines Nachbarn, sich an den Kosten zu beteiligen, und betont, dass der Kreis Calw alle Voraussetzungen für eine Mitfinanzierung erfüllt habe.

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Die jüngsten Ereignisse haben die Zusammenarbeit zwischen den beiden Landkreisen belastet. Während die Bahn für die Fahrgäste eine willkommene Verbesserung im Nahverkehr darstellt, droht der Streit zwischen den Landräten, die positiven Aspekte dieser Entwicklung zu überlagern. Es bleibt abzuwarten, ob es zu einer politischen Lösung kommt oder ob die Gegensätze weiter wachsen.

Für weitere Informationen zu diesem Thema, lesen Sie den Artikel auf Schwarzwälder Bote oder die Analyse in der Stuttgarter Zeitung.