Heute ist der 4.06.2026 und in Böblingen brodelt es – und das nicht nur wegen des bevorstehenden Sommerwetters. Im Mittelpunkt steht die Hermann-Hesse-Bahn (HHB), die seit etwas mehr als drei Monaten wieder von Calw nach Weil der Stadt fährt. Eine Rückkehr, die von den Fahrgästen durchweg positiv aufgenommen wurde, nach sage und schreibe 43 Jahren Stillstand! Die Eröffnungsfeier Ende Januar, bei der die Landräte Helmut Riegger aus Calw und Roland Bernhard aus Böblingen den historischen Moment lobten, war ein echtes Fest. Riegger und Bernhard bezeichneten die Bahn als Gewinn für beide Landkreise. Doch nun droht der gemeinsame Erfolg in einen handfesten Streit zu kippen.

Der Grund? Geld – genauer gesagt, die Kosten für die Reaktivierung der HHB, die auf rund 240 Millionen Euro geschätzt werden. Der Landkreis Calw erwartet, dass Böblingen sich mit 4,2 Millionen Euro an den Kosten beteiligt. Doch Landrat Roland Bernhard sieht dafür keinen Grund. „Warum sollten wir zahlen?“, könnte man fast meinen, wenn man seine Argumentation verfolgt. Laut Bernhard ist das 2019 unterzeichnete Eckpunktepapier, das von einer „anteiligen Finanzierung des verbleibenden Kommunalanteils“ spricht, für ihn unverbindlich. Das sorgt für Zündstoff: Calws Landrat Riegger ist verärgert und interpretiert das Papier als klare Verpflichtung zur Kostenbeteiligung. Er spricht von einem Vertrauensbruch und sieht schlimme Folgen für die Beziehungen zwischen den Landkreisen.

Konflikt zwischen Landräten

Die Situation wird noch komplizierter, wenn man bedenkt, dass das Eckpunktepapier rechtlich nicht bindend ist. Das bedeutet, dass Calw keine juristischen Mittel hat, um gegen Böblingen vorzugehen. Ein echtes Dilemma! Die finanzielle Lage in Calw ist angespannt, ein Defizit von rund 18 Millionen Euro im Haushalt 2026 ist alles andere als rosig. Der Ärger über die vermeintlich ungerechten Kostenverteilungen lastet schwer auf Riegger. Man fragt sich, wie es weitergeht – wird es zu einer Einigung kommen oder droht der Streit die Zusammenarbeit beider Landkreise zu belasten?

Die Hermann-Hesse-Bahn selbst ist ein Lichtblick in dieser trüben Gemengelage. Die Züge rollen wieder, die Fahrgäste sind glücklich – man könnte fast sagen, die Bahn hat das Potential, eine Brücke zwischen den beiden Landkreisen zu sein. Doch die finanziellen Differenzen scheinen wie ein Schatten über diesem Erfolg zu hängen. Riegger und Bernhard haben wohl noch ein paar Gespräche vor sich, um eine Lösung zu finden. Ob die große Freude über die Wiederbelebung der Bahn in den Hintergrund gedrängt wird, bleibt abzuwarten.

In dieser angespannten Situation bleibt nur zu hoffen, dass die beiden Landräte ihre Differenzen bald ausräumen. Denn letztlich profitieren beide Landkreise von der Hesse-Bahn – und das könnte der Schlüssel zu einer Lösung sein. Die Menschen in der Region haben sich auf den neuen Verkehr gefreut, und es wäre schade, wenn finanzielle Streitigkeiten die Freude verderben. Die Zukunft der Hermann-Hesse-Bahn und die zwischenmenschlichen Beziehungen der Landkreise Calw und Böblingen stehen momentan auf der Kippe.

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