Im beschaulichen Glottertal, gelegen im Kreis Breisgau-Hochschwarzwald, tut sich wieder etwas. Nach etwa vier Jahren der Unsicherheit und der vorangegangenen Schließung des Seniorenzentrums, das einst als Katharina-Rieder-Haus bekannt war, gibt es endlich Hoffnung. Das neu errichtete Seniorenzentrum soll im Sommer 2023 seine Türen öffnen. Ein wirklich spannendes Vorhaben, das mit erheblichen Investitionen von mehreren Millionen Euro verbunden ist. Ursprünglich war der Caritasverband Breisgau-Hochschwarzwald der Träger, doch die Insolvenz im Jahr 2022 wirft lange Schatten. Nun tritt die Dreisam Sozialmedizinische Pflegebetriebe gGmbH als neuer Betreiber auf den Plan, und das hat schon für einige Erleichterung gesorgt.
Die Dreisam gGmbH bringt über 30 Jahre Erfahrung in den Landkreisen Freiburg und Emmendingen mit und hat ein innovatives Pflege- und Wohnkonzept entwickelt. Es geht darum, den Bewohnern ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen, trotz der Notwendigkeit von Pflege. Das Konzept sieht 40 kleine Appartements vor, die zwischen 24 und 30 Quadratmetern groß sind und mit eigenen Küchen ausgestattet werden. Die großen Gemeinschaftsräume bieten Platz für soziale Interaktionen, und die Bewohner dürfen ihre eigenen Möbel mitbringen – das gibt doch gleich ein Stück Heimat zurück. Besonders schön ist, dass jeder Bewohner einen eigenen Schlüssel, eine Klingel und sogar einen Briefkasten erhält, was das Gefühl von Unabhängigkeit stärkt.
Ein neuer Anfang für die Pflege
Die ersten Schritte zum neuen Leben im Seniorenzentrum sind bereits festgelegt: Ab dem 1. Juli 2023 öffnen die Tagespflege und der ambulante Dienst. Im September können die ersten Bewohner in ihre neuen Pflegewohnungen einziehen. Um den Umbau der Zimmer in Appartements und den Einbau eines zweiten Aufzugs kümmert man sich ebenfalls, wobei die Kosten dafür bei etwa 750.000 Euro liegen. Das gesamte Vorhaben wurde von Dr. Bettina Leonhard, der Vorstandsvorsitzenden des Caritasverbandes für den Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald, als positiv bewertet. Der Landkreis hat ebenfalls Unterstützung bei der Suche nach einem neuen Träger geleistet, was sehr begrüßenswert ist.
Ein weiteres spannendes Detail des neuen Pflegekonzepts ist das Angebot von fünf Verhinderungspflegeplätzen. Diese Plätze sind eine hervorragende Alternative zur stationären Kurzzeitpflege oder Palliativversorgung. Dazu kommt eine 24-Stunden-Ansprechbarkeit im Haus und eine enge Zusammenarbeit mit der Sozialstation. Die Dreisam gGmbH hat sich also einiges vorgenommen, um eine hohe Qualität der Pflege zu gewährleisten.
Herausforderungen der Branche
Doch ganz unbeschwert ist die Freude nicht, denn der Fachkräftemangel ist ein zentrales Problem, das auch die neuen Betreiber beschäftigt. Wie wir wissen, wird die Pflege bis 2026 der zweitgrößte Engpassberuf in Deutschland sein. Bereits jetzt bleiben über 17.600 Vollzeitstellen in der Altenpflege unbesetzt. Die Demografie spielt dabei eine große Rolle: Bis 2030 werden schätzungsweise 6,2 Millionen Pflegebedürftige erwartet – ein Anstieg, der nicht ignoriert werden kann.
Die Dreisam gGmbH hat bereits angekündigt, nur so viel Personal einzusetzen, wie tatsächlich benötigt wird. Das ambulant betreute Pflegewohnen wird als kostengünstigere Alternative zu stationären Angeboten gesehen, und das Basispaket kostet 2.062 Euro. Das klingt zunächst einmal vernünftig, aber die Herausforderungen bleiben. Die Ausbildungszahlen steigen zwar – im Jahr 2024 haben 59.400 Personen eine Pflegeausbildung begonnen –, dennoch bleibt die Abbruchquote hoch. Viele junge Pflegekräfte verlassen den Beruf innerhalb von fünf Jahren, was die Situation nicht einfacher macht.
Der neue Träger, die Dreisam gGmbH, hat also viel vor und steht vor großen Herausforderungen, aber auch vor der Chance, ein neues Kapitel in der Pflege im Glottertal aufzuschlagen. Die Zusammenarbeit mit der Gemeinde und bestehenden ehrenamtlichen Strukturen könnte dabei helfen, die Integration der neuen Angebote ins Dorfleben zu fördern. Bürgermeister Karl Josef Herbstritt hat die Dreisam bereits in Glottertal willkommen geheißen und freut sich auf die Zusammenarbeit. Man darf gespannt sein, wie sich alles entwickeln wird und ob das neue Konzept der Dreisam gGmbH den Bewohnern ein neues Zuhause bieten kann.
