In Esslingen, einer Stadt, die so viel Geschichte und Charme in ihren Straßen trägt, stehen die Zeichen auf Sturm. Die Finanzlage ist angespannt – die Stadt muss jährlich 30 Millionen Euro einsparen. Das ist kein Pappenstiel! Um die Kassen etwas zu füllen, sollen zusätzlich durch Steuererhöhungen weitere 10 Millionen Euro eingenommen werden. Das klingt nach einer richtigen Finanzkrise, und tatsächlich zeigt sich das Bild auch in den rund 100 Konsolidierungsvorschlägen, die schrittweise im Gemeinderat vorgestellt werden. Die Unsicherheit schwebt über der Stadt wie ein dunkler Schatten.
Leider hat das auch Auswirkungen auf die soziale Arbeit. Einschnitte sind geplant, darunter das Ende des Pilotprojekts „Housing First“. In der offenen Kinder- und Jugendarbeit wird ein „Fluktuationsabschlag“ eingeführt, was Einschränkungen bei Jugendhäusern zur Folge haben könnte. Besonders tragisch ist, dass die Generalsanierung der Schelztorhalle auf 2029 verschoben wurde – ein Gebäude, das für viele Esslinger ein wichtiger Treffpunkt ist. Um Kosten zu sparen, werden auch die Mieten für das Mehrgenerationenhaus und das Forum in der Schelztorstraße erhöht, während bürgerschaftliche Gruppen weiterhin kostenfrei bleiben sollen.
Die Schelztorhalle: Ein Denkmal in der Warteschleife
Die Schelztorhalle, die seit Herbst 2023 geschlossen ist, befindet sich gerade in einer umfassenden Sanierung. Diese wird nicht nur durch Schadstofffunde, sondern auch durch notwendige bauliche Modernisierungen erschwert. Die Stadt hofft, die Halle bis Ende 2027 wiedereröffnen zu können. Der Gemeinderat beschloss im Sommer 2023 die grundhafte Sanierung, und das europaweite Vergabeverfahren dauerte rund ein halbes Jahr. Das Projektteam wird erst im Frühjahr 2024 komplett sein. Bei den bisherigen Untersuchungen wurden sogar Asbestreste aus den 1950er Jahren entdeckt! Das klingt nach einem richtigen Kraftakt.
Parallel zu den Untersuchungen sind auch Umbauten im Innenraum geplant, beispielsweise neue Räume für Gymnastik und Krafttraining. Diese können auch von Kleingruppen genutzt werden! Die Halle wird so vorbereitet, dass sie künftig zweigeteilt werden kann, was die Flexibilität für den Schulsport erhöht. Eine Investitionssumme von knapp 15 Millionen Euro wird für diese Maßnahmen eingeplant, und die Stadt hat sogar einen Antrag auf Fördermittel beim Bund gestellt.
Eine Stadt im finanziellen Dilemma
Die finanzielle Situation in Esslingen ist nicht isoliert. Kommunale Spitzenverbände warnen bereits vor einer dramatischen Finanzkrise, die sich wie ein verhängnisvoller Schatten über viele Städte in Deutschland legt. Die Ausgaben steigen rasant, insbesondere im Sozialbereich und für Personal, während die Einnahmen nicht im gleichen Maß folgen können. Das Defizit in den kommunalen Kernhaushalten betrug im vergangenen Jahr fast 25 Milliarden Euro, was eine Rekordhöhe darstellt. Die Prognosen sind düster: Bis 2028 könnte das Defizit auf mehr als 35 Milliarden Euro pro Jahr anwachsen! Was für eine erschreckende Aussicht.
Esslingen ist also nicht allein in diesem finanziellen Sturm. Die Forderungen nach nachhaltigen Reformen werden immer lauter. Es ist klar, dass eine grundlegende Umstellung nötig ist, um dieser finanziellen Misere zu entkommen. Der Druck auf die Kommunen, ihre Ausgaben zu kontrollieren, wird immer größer, und die Sorgen um die Zukunft der sozialen Projekte und Einrichtungen nehmen zu. Die Bevölkerung spürt die Auswirkungen, und das, was einst sicher schien, ist nun alles andere als das.
