Heute ist der 6.07.2026, und in Heilbronn hat sich vor einigen Wochen ein beeindruckendes, ja fast schon heldenhaftes Ereignis zugetragen. Ein 54-Jähriger erlitt Anfang Juni nach dem Sport einen Herzinfarkt. Er fiel zu Boden, blieb bewusstlos liegen und hatte blutige Verletzungen im Gesicht. Ein dramatisches Bild, das sich da bot. Doch wie der Zufall es wollte, waren in der Nähe drei junge Frauen, die gerade einen Erste-Hilfe-Kurs absolviert hatten. Luisa Celina Senda (20), Miray Mamaci (19) und Ilayda Emre (20) stehen jetzt für das ein, was es heißt, im Ernstfall zu handeln.

Die drei Arzthelferinnen im zweiten Lehrjahr waren gerade in der Berufsschule und mussten nicht lange überlegen. Sie brachten den Mann in die stabile Seitenlage, prüften seinen Puls und entschieden sich für eine Reanimation. In einem Moment, der für die Frauen wie eine Ewigkeit wirkte, übernahmen sie die Verantwortung und führten die lebensrettenden Maßnahmen durch. „Wir fühlten uns von Adrenalin getrieben“, berichteten sie später. Erst als das Adrenalin nachließ, wurde ihnen wirklich klar, was sie geleistet hatten. Tränen flossen – nicht aus Angst, sondern aus Erleichterung, dass der Mann überlebt hat.

Erste Hilfe als Pflichtprogramm

Der Mann wurde von den Rettungskräften mit einem Defibrillator behandelt und überstand den Vorfall, auch wenn er für längere Zeit im Krankenhaus bleiben musste. Doch die drei Frauen denken nicht nur an ihren eigenen Schockmoment. Sie fordern, dass Erste-Hilfe-Kurse kostenlos angeboten werden sollten. Vor allem, dass Kinder bereits ab der fünften oder sechsten Klasse mit den Themen der Ersten Hilfe vertraut gemacht werden. Das ist nicht nur sinnvoll, sondern könnte in kritischen Momenten Leben retten.

Wie wichtig solche Maßnahmen sind, zeigt auch die Tatsache, dass Herzinfarkte eine der häufigsten Herzerkrankungen sind. Oft wird der Herzmuskel durch einen plötzlichen Verschluss einer Herzkranzarterie nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Risikofaktoren wie Übergewicht, Bluthochdruck oder Bewegungsmangel tragen dazu bei. Bei einem Herzinfarkt kann es schnell zu einer lebensbedrohlichen Situation kommen. Ohne rasche Hilfe droht der absterbende Teil des Herzmuskels. Das ist insbesondere deshalb so alarmierend, weil viele Menschen nicht wissen, wie sie in solchen Notfällen handeln sollen.

Die Statistik spricht Bände

In Deutschland trauen sich viele Menschen nicht, bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand aktiv zu helfen. Nur etwa die Hälfte der Notfälle wird von anwesenden Ersthelfenden bearbeitet, bevor der Rettungsdienst eintrifft. Das ist erschreckend, denn nach wenigen Minuten ohne Sauerstoff können bleibende Hirnschäden entstehen. Das NRW-Ministerium für Schule und Bildung plant zwar, Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I ab der 7. Klasse in Laien-Reanimation zu schulen, doch bis dahin ist es noch ein langer Weg. Das Ziel ist klar: Ängste abbauen und die Schüler ermutigen, im Notfall einzugreifen.

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Ein Modellprojekt in Nordrhein-Westfalen hat bereits gezeigt, dass solche Schulungen erfolgreich sein können. 2017 wurden über 40.000 Schüler und 1.000 Lehrkräfte in rund 250 Schulen geschult. Das Programm wird nun auf alle allgemeinbildenden Schulen ausgeweitet. Die Schülerinnen und Schüler sollen mindestens einmal in den Klassen 7 bis 9 in Reanimationsmaßnahmen, insbesondere in der Herzdruckmassage, geschult werden. Eine gute Initiative, die auch in anderen Bundesländern Nachahmer finden sollte.

Die Geschichten wie die der drei Frauen aus Heilbronn sind nicht nur bewegend, sie sind auch ein Aufruf an alle: Lernt Erste Hilfe! Denn im entscheidenden Moment kann es auf jeden Einzelnen ankommen.

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