Im Ostalbkreis gibt es eine beeindruckende Geschichte, die das Thema Stillen auf ganz besondere Art beleuchtet. Hannah Wagenblast aus Mutlangen ist eine Mutter, die ihren ganz eigenen Weg beim Stillen ihrer zwei Töchter geht. Die Älteste ist mittlerweile acht Jahre alt, die Jüngere fünf. Was macht Hannah so besonders? Sie stillt ihre Kinder, bis sie von alleine nicht mehr wollen. Das bedeutet, dass ihre Älteste bis kurz vor ihrem siebten Geburtstag gestillt wurde – eine Entscheidung, die sie ursprünglich nicht so lange geplant hatte. Doch sie fühlte sich mit dieser Entscheidung wohl und informierte sich über die Vorteile der Muttermilch. Für sie stand fest: „Das ist wichtig!“

Die Stillzeiten waren oft ein Balanceakt. Die Älteste suchte nach der Brust und konnte zwischen den Stillzeiten, die zwei bis drei Stunden dauerten, kaum aushalten. Hannah hat sogar Schmuck aus Muttermilch anfertigen lassen, um die Unterschiede in der Milchfarbe zu zeigen – was für eine kreative Idee! Sie hat nie negative Reaktionen auf das Stillen in der Öffentlichkeit erfahren, und auch ihre Freunde und Familie unterstützen ihre Entscheidung. Die Muttermilch schmeckte anfangs süß, fast wie Vanille, hat sich jedoch im Laufe der Zeit verändert und schmeckt jetzt eher sauer. Interessanterweise glaubt sie, dass ihre Kinder weniger krank sind und keine Allergien haben. Das lässt sich vielleicht auch darauf zurückführen, dass sie die Muttermilch zur Behandlung von Beschwerden bei ihren Kindern verwendet.

Ein selbstgebautes Familienbett

Hannah hat für ihre Familie ein selbstgebautes Familienbett mit drei Matratzen errichtet. Da können die Kinder sich nachts richtig nah fühlen – eine tolle Sache, die in vielen Kulturen so üblich ist. Ihr Mann war anfangs etwas skeptisch, unterstützt sie jetzt aber in ihrer Entscheidung. Es ist bemerkenswert, wie das Stillen nicht nur ihre Kinder, sondern auch die gesamte Familiendynamik beeinflusst. Trotz dieser intensiven Stillzeit hat Hannah es geschafft, früh wieder arbeiten zu gehen und ihre Kinder unter einem Jahr in die Kita einzugewöhnen. Das zeigt, dass Stillen und Beruf sich durchaus vereinbaren lassen, auch wenn man manchmal denkt, das wäre unmöglich.

In Deutschland gibt es, wie eine Untersuchung des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) zeigt, immer noch Herausforderungen, wenn es um das Stillen geht. Zwischen 2017 und 2019 wurde erforscht, wie stillfreundlich das Land ist. Fast 90 % der Mütter beabsichtigen, zu stillen, aber nach der Geburt stillen nur 68 % ausschließlich. Nach zwei Monaten sinkt diese Zahl auf 57 % und nach vier Monaten sogar auf 40 %. Kinder aus sozial benachteiligten Verhältnissen werden seltener und kürzer gestillt. Das zeigt, dass die Rahmenbedingungen zur Unterstützung von Müttern beim Stillen noch verbessert werden müssen.

Die Nationale Strategie zur Stillförderung hat sich zum Ziel gesetzt, ein besseres, unterstützendes Umfeld zu schaffen. Immerhin hat Stillen gesundheitliche Vorteile für Mutter und Kind. Das Risiko für Übergewicht, Diabetes Typ 2 und bestimmte Krebserkrankungen kann durch Stillen verringert werden. Ein „moderat“ stillfreundliches Umfeld in Deutschland gibt es bereits, mit Stärken wie Mutterschutz und Elterngeld. Doch es gibt auch Schwächen, wie die Werbung und mangelnde Forschung zur Stillförderung. Eine zentrale Koordinierungsstelle soll die Umsetzung der Strategie unterstützen, um das Stillen in der Gesellschaft weiter zu fördern.

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Die Geschichte von Hannah Wagenblast und die Herausforderungen, die das Stillen in Deutschland mit sich bringt, zeigen, wie wichtig es ist, ein unterstützendes Umfeld für Mütter zu schaffen. In Mutlangen wird das Stillen gelebt und zelebriert, während gleichzeitig auf die Notwendigkeit einer breiteren gesellschaftlichen Akzeptanz hingewiesen wird. Es bleibt zu hoffen, dass immer mehr Mütter die Unterstützung erhalten, die sie verdienen – und dass Geschichten wie die von Hannah weiterhin gehört werden.

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