Rückkehr der Fischadler nach 116 Jahren in Baden-Württemberg
In einer aufregenden Wendung der Naturschutzgeschichte hat die Region Baden-Württemberg im Jahr 2023 etwas erlebt, das vor über 100 Jahren als unmöglich galt: Die Rückkehr der Fischadler! Diese majestätischen Vögel, die im 19. Jahrhundert aufgrund von Jagd und menschlichen Eingriffen ausgerottet wurden, haben nach einer langen Abwesenheit wieder ein Zuhause in der Rheinebene gefunden. Die ersten erfolgreichen Brutversuche seit 1907 sind ein echter Grund zur Freude für Naturschützer und Vogelbeobachter gleichermaßen.
Besonders die Jungvögel Luke und Leia, die nach berühmten Charakteren aus Star Wars benannt wurden, haben die Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Umweltstaatssekretär Andre Baumann war bei der Beringung der beiden in Rastatt persönlich anwesend. Hoch oben in einem Horst, der 25 Meter über dem Boden schwebt, war Max Unger, ein erfahrener Profi-Kletterer, nötig, um die kleinen gefiederten Freunde sicher zu erreichen. Bei dieser Gelegenheit erhielten die beiden einen Gesundheitscheck, wurden gewogen und vermessen. Das Team von NABU, vertreten durch Vogelexperte Daniel Schmidt-Rothmund, stellte fest, dass Luke und Leia bereits ein prächtiges Gefieder entwickelt haben. So ganz nebenbei bemerkt, riechen die beiden intensiv nach Fisch – kein Wunder, bei ihrer Ernährung!
Eine Erfolgsgeschichte der Wiederansiedlung
Die Rückkehr der Fischadler ist das Ergebnis jahrelanger Bemühungen. Seit 1990 arbeitet NABU an einem Langzeit-Forschungs- und Artenschutzprojekt zur Wiederansiedlung dieser beeindruckenden Greifvögel. 2021 wurden Nistkörbe in der Rheinebene installiert, und 2022 gab es die ersten Besuche von Fischadlern an diesen neuen Brutplätzen. Am 15. April 2023 legte das erste Fischadlerpaar nach 116 Jahren wieder Eier, und Ende Juni schlüpften die zwei Jungvögel.
Ein weiteres Highlight der Geschichte ist, dass Luke und Leia die Nachkommen des ersten Fischadler-Paares Chronos und Kepler sind, das in diesem Jahr erfolgreich brütete. Im Vorjahr war das Schicksal weniger gnädig – vier Eier eines anderen Paares wurden von einem Nesträuber gefressen. Insgesamt wurden bereits sieben Jungtiere beringt, was die Hoffnung auf eine stabilere Population nährt. Ein zweites Fischadlerpaar lebt sogar auf der französischen Seite des Oberrheins.
Ein Blick in die Zukunft
Die Jungvögel werden voraussichtlich Mitte Juli ihre ersten Flugübungen machen und im August eine beeindruckende Reise von rund 5.000 Kilometern nach Westafrika antreten. Ihre Rückkehr in die Region wird mit Spannung erwartet. Die Bemühungen um die Wiederansiedlung sind nicht nur in Baden-Württemberg spürbar. Auch im Forstbezirk Virngrund wird eine neue Nisthilfe für Fischadler installiert, mit dem Ziel, in den kommenden Jahren ein Brutpaar anzusiedeln. Das Projekt wird von verschiedenen Naturschutzverwaltungen und dem NABU-Vogelschutzzentrum Mössingen unterstützt.
Die Geschichte des Fischadlers ist nicht nur eine von Rückkehr und Hoffnung, sondern auch eine Mahnung. Trotz der positiven Entwicklungen sind diese Vögel nach wie vor durch Umweltgifte, Forstwirtschaft und den Tourismus bedroht. Es bleibt zu hoffen, dass die Menschen weiterhin für den Schutz dieser außergewöhnlichen Tiere eintreten und ihnen die nötigen Lebensräume bieten.
Im Jahr 2025 wird mit einer weiteren Brut gerechnet, und die Hoffnung auf drei gesunde Jungtiere steht in den Sternen. Der Fischadler, der in Europa nicht mehr als gefährdet gilt, hat dank der unermüdlichen Anstrengungen von Naturschützern und engagierten Bürgern die Chance auf eine Zukunft in seiner einst heimischen Region. Mehr dazu und weitere Informationen über die faszinierende Welt der Fischadler finden Sie in der vollständigen Berichterstattung auf SWR sowie weiteren Quellen.
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