Reutlingen im Sparmodus: Doppelhaushalt 2026/27 beschlossen
Heute ist der 5.07.2026, und in Reutlingen brodelt es gewaltig. Am Donnerstagabend wurde der Doppelhaushalt für 2026/27 beschlossen, doch die Stimmung war angespannt. Vor der Gemeinderatssitzung protestierten Mitglieder der Gewerkschaft ver.di und der Personalrat der Stadtverwaltung. Sie befürchten ernsthafte Konsequenzen – nämlich schlechtere Arbeitsbedingungen im Rathaus und längere Wartezeiten für die Bürger. Über 250 Luftballons im Foyer des Sitzungssaals, die durchnummeriert waren, symbolisieren die Arbeitsplätze, die in den nächsten vier Jahren wegfallen sollen. Ein eindringliches Bild, das nicht unbemerkt bleibt.
Der Personalrat unterstützt zwar die Beschlüsse des Gemeinderats, betont aber nachdrücklich die Notwendigkeit der Umsetzung. Es ist ein schmaler Grat, den die Stadt Reutlingen geht. Mit großer Mehrheit wurde der Doppelhaushalt beschlossen; sieben der acht Fraktionen stimmten dafür, nur die AfD war mit vier Nein-Stimmen dagegen. Oberbürgermeister Thomas Keck (SPD) bezeichnete den Etat als „den schmerzhaftesten Sparhaushalt, den die Stadt je gesehen hat“.
Investitionen trotz Sparmaßnahmen
Trotz des harten Sparkurses plant Reutlingen hohe Investitionen, insbesondere in Schulen und Infrastruktur. Das klingt paradox, aber die Stadt setzt auf Sanierungen und Neubauten, unterstützt durch Bundesmittel. Auch Gelder für die Stadtwerke und die Sanierung des Rathauses sind eingeplant. Man will nicht nur sparen, sondern auch modernisieren – eine Herausforderung, die viele Städte in Deutschland kennen. Der Plan sieht zudem den Ausbau und die Modernisierung von Straßen, Gebäuden und weiterer städtischer Infrastruktur vor. Glücklicherweise fallen die Einschnitte weniger hart aus als befürchtet, da die Kreisumlage nicht so stark steigt wie ursprünglich angenommen.
Ein Lichtblick in dieser angespannten Situation: Kita-Gebühren sollen nicht erhöht werden, und die Zweigstellen der Stadtbibliotheken bleiben erhalten. Das sind kleine, aber wichtige Erleichterungen für viele Familien und Nutzer der Bibliotheken. Zudem sollen die Nachtbusse weiterhin fahren, was für viele Nachtschwärmer und Pendler von Bedeutung ist.
Vereinsförderung und Stadthalle
Ein weiterer Aspekt, der in der kommenden Zeit für Diskussionen sorgen könnte, ist die Regelung zur Vereinsförderung. Ab 2026 wird das Gesamtbudget für die Förderung von 75.000 € (2023) auf 50.000 € (2026/2027) gekürzt. Damit können voraussichtlich nicht mehr alle Anträge der Vereine positiv beschieden werden. Vereine, die seit mindestens fünf Jahren aktiv sind, können einmal jährlich eine Förderung für eine Veranstaltung in der Stadthalle beantragen. Die Grundmiete für den großen Saal beträgt laut den Beschlüssen von 2018 weiterhin 3.600 €, während der kleine Saal bei 880 € bleibt. Allerdings werden ab 2026 die Preise für die Basispakete erhöht – um 600 € für den großen Saal und um 420 € für den kleinen Saal. Ein weiterer Punkt, der sicherlich für Gesprächsstoff sorgen wird.
Die Stadtverwaltung hat die Verantwortung, den Spagat zwischen Sparmaßnahmen und Investitionen zu meistern. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Maßnahmen greifen und ob die Bürger die Veränderungen annehmen. Es bleibt spannend in Reutlingen.
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