Stoll verkauft: Eine Ära im deutschen Maschinenbau endet
Heute ist der 25.06.2026 und in Reutlingen gibt es große Neuigkeiten, die die textile Maschinenbauindustrie betreffen. Das traditionsreiche Unternehmen Stoll, bekannt für seine innovativen Flachstrickmaschinen, wurde nach mehr als 150 Jahren verkauft. Eine Ära geht zu Ende, denn die Marke wechselt nun in die Hände der Ningbo Cixing Co. Ltd., einem chinesischen Strickmaschinenhersteller. Das klingt wie ein typischer Fall von Globalisierung, aber die wirtschaftlichen Hintergründe sind spannend und vielschichtig.
Die H. Stoll AG & Co. KG, die 1873 gegründet wurde, hat sich über die Jahre einen Namen gemacht. Besonders die „knit and wear“-Maschinen, die mehrere Schritte in der Kleidungsherstellung effizient vereinen, waren ein echter Fortschritt in der Branche. Doch in den letzten Jahren war das Unternehmen wirtschaftlichem Druck ausgesetzt, vor allem aufgrund der Konkurrenz aus China. Im Jahr 2020 übernahm die Karl Mayer Gruppe den Betrieb und schloss im Oktober 2025 den Standort in Reutlingen, was zur Kündigung von 270 Mitarbeitenden führte.
Übernahme und Zukunft
Die Vereinbarung zwischen der Karl Mayer Gruppe und der Cixing-Gruppe umfasst nicht nur die Marke Stoll, sondern auch Materialbestände und bestimmte technologische Anlagen. Was mit den übernommenen Vermögenswerten genau geschehen wird, bleibt unklar – die Cixing-Gruppe hat jedoch angekündigt, diese nutzen zu wollen. Die Betreuung der bereits installierten Maschinen wird in der zweiten Jahreshälfte an die Cixing-Gruppe übergehen. Für Ersatzteile und Support bleibt der Standort in Obertshausen weiterhin zuständig.
Ein Verkaufspreis wurde nicht bekannt gegeben, was die Spekulationen anheizt. Stoll hatte in der Vergangenheit mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen – die Konkurrenz aus China setzte dem Unternehmen stark zu. Diese Übernahme ist also nicht nur eine einfache Transaktion, sondern ein Zeichen für die Herausforderungen, mit denen traditionelle Unternehmen konfrontiert sind.
Die Bedeutung von Traditionsunternehmen
Traditionsunternehmen wie Stoll verkörpern Werte wie Zuverlässigkeit, Qualität und Beständigkeit. Sie haben oft ein über Generationen gewachsenes Know-how und spielen eine zentrale Rolle in der deutschen Wirtschaft. Laut einer Analyse des SZ Instituts Creditreform sind Unternehmen, die sich auf ihre lange Geschichte berufen, in der Regel wirtschaftlich stabiler und reagieren besser auf Krisen. Das zeigt, wie wichtig es ist, Tradition mit Innovationsgeist zu kombinieren.
Die Diskussion über das Wesen von Traditionsunternehmen ist jedoch nicht so einfach. Es gibt keine allgemeingültige juristische Definition, was gelegentlich zu gerichtlichen Auseinandersetzungen führt. Ein Urteil des Oberlandesgerichts Frankfurt von 2021 hat klargestellt, dass Tradition nicht nur am Gründungsdatum festgemacht werden kann. Unternehmen müssen zeigen, dass sie die wirtschaftliche Tätigkeit eines Vorgängerunternehmens fortführen.
Stoll ist ein Beispiel für das, was passieren kann, wenn Tradition und Innovation nicht in Einklang stehen. Obwohl die Marke nun in ausländischen Händen ist, bleibt die Frage, wie sich die Übernahme auf den Standort in Reutlingen und die Branche insgesamt auswirken wird. Die Zukunft von Stoll ist ungewiss, aber die Geschichte des Unternehmens wird in den Köpfen der Menschen weiterleben – ein echtes Stück deutscher Industriegeschichte.
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