In Villingen-Schwenningen sorgt eine wachsende Biberpopulation für erhebliche Probleme. Abgeknabberte Bäume, errichtete Biberdämme und überflutete Felder sind nur einige der Herausforderungen, mit denen die Stadt konfrontiert ist. Rund 450 Biber leben derzeit in der Region, und die Tendenz ist steigend. Die Stadt hat daher Alarm geschlagen und sich an die Öffentlichkeit gewandt, um auf die prekäre Situation aufmerksam zu machen. Die Biberpopulation in Baden-Württemberg beläuft sich mittlerweile auf etwa 13.000 Tiere, was die Stadt in ihrer besonderen Lage als Sonderfall sieht, da ihre Probleme nicht mit denen anderer Kommunen vergleichbar sind.

Im Wieselsbachtal wurden bereits Fichten entfernt und Laubbäume gepflanzt, die nun ebenfalls von den Bibern abgeknabbert werden. Forstamtsleiter Tobias Kühn äußert, dass die Natur nicht mehr im Gleichgewicht sei. Um den Konflikten zwischen Mensch und Tier entgegenzuwirken, wurde Ende Januar eine neue Biberverordnung erlassen, die es erlaubt, Biber nach erfolglosen Vergrämungsmaßnahmen über einen Zeitraum von vier Wochen zu töten. Diese Regelung stößt jedoch auf Widerstand: Naturschutzverbände wie BUND und Nabu kritisieren die Verordnung als Rückschritt.

Herausforderungen der neuen Verordnung

Die Stadt Villingen-Schwenningen zeigt sich unzufrieden mit der neuen Verordnung, da die Genehmigungen für Vergrämung oder Abschuss nur schwer zu erhalten sind. Silvie Lamla, die Leiterin des städtischen Grünflächen- und Tiefbauamtes, beschreibt die Situation als suboptimal für Mensch und Tier. Die Stadt fordert eine pragmatische Handhabung, ähnlich wie in Bayern, wo es eine Online-Genehmigung für die Tötung von Bibern gibt. In Bayern liegt zudem die Zuständigkeit des Bibermanagements bei den Kreisverwaltungsbehörden, die auch finanzielle Ausgleichszahlungen für Biber-Schäden gewähren.

Die Problematik der Biber ist jedoch nicht auf Villingen-Schwenningen beschränkt. Auch in anderen Teilen Baden-Württembergs kämpfen Gemeinden mit den Folgen der wachsenden Biberpopulation. Ehrenamtliche Biber-Beauftragte aus Bodensee-Oberschwaben äußern, dass die Maßnahmen zur Regulierung der Biber nicht ausreichend sind. Biber stehen auf der „Roten Liste“ der bedrohten Arten und wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Deutschland fast ausgerottet. Heute verursachen sie Schäden an Bäumen, Infrastruktur und landwirtschaftlichen Flächen.

Langfristige Lösungen und ökologische Bedeutung

Die Biber fressen nicht nur Bäume in der Nähe von Gewässern, sondern können auch Dämme bauen, die Wasserrohre verstopfen und somit zu Überschwemmungen auf angrenzenden Nutzflächen führen. Auch landwirtschaftliche Kulturen wie Mais und Zuckerrüben sind betroffen, was die Landwirte zusätzlich belastet. Das Umweltministerium plant daher, langfristige Lösungen zu finden und Konflikte um Biberreviere zu verhindern. Eine vorgeschlagene Maßnahme sind Dammdrainagen, um den Wasserpegel zu senken und Überflutungen zu vermeiden.

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Erhard Bolender, ein ehrenamtlicher Biber-Beauftragter, äußert Bedenken zur Umsetzbarkeit der Maßnahmen und schlägt vor, eine 20 Meter breite „Pufferzone“ an den Ufern einzurichten, um den Bibern einen natürlichen Lebensraum zu bieten. Biber werden als „Ökosystem-Ingenieure“ angesehen, die Landschaften gestalten und die Biodiversität fördern. Es bleibt abzuwarten, wie die Kommune und die zuständigen Behörden mit dieser komplexen Thematik umgehen werden und ob eine Balance zwischen Naturschutz und den Interessen der Bevölkerung gefunden werden kann.

Für weitere Informationen zu diesem Thema lesen Sie den vollständigen Artikel auf Südkurier oder erfahren Sie mehr über die Herausforderungen im Biber-Management in Baden-Württemberg auf SWR Aktuell.