Heute ist der 19.07.2026 und wir blicken zurück auf ein bewegendes Ereignis in Waldshut. Am Freitag fand in der katholischen Liebfrauenkirche eine Trauerfeier für den verstorbenen Hans Studinger statt. Der engagierte Kommunalpolitiker und Zeitzeuge der NS-Zeit starb am 23. Juni im Alter von 98 Jahren. Die Trauergäste, darunter Oberbürgermeister Martin Gruner, der ehemalige OB Martin Albers und zahlreiche Stadträte, versammelten sich, um ihm die letzte Ehre zu erweisen. Es war eine herzliche, aber auch sehr emotionale Zeremonie, bei der die Stadtmusik die Anwesenden begleitete und die Trauerfeier musikalisch untermalte.

Diakon Markus Schmitt gestaltete den Gottesdienst und erinnerte an die Menschlichkeit und Hilfsbereitschaft von Hans Studinger. Für viele war Studinger nicht nur ein Politiker, sondern auch ein Ehemann, Familienvater und eine öffentliche Person, die für ihre Fürsorglichkeit bekannt war. Besonders erwähnenswert ist die Rolle, die Frankreich und das Elsass im Leben der Familie Studinger spielten. Während des Kriegsdienstes wurde Hans Studinger in französische Gefangenschaft genommen und musste in einem Bergwerk arbeiten, was die Erinnerung an diese Zeit prägend für ihn machte. Nach dem Krieg holte er sein Abitur nach, ein weiterer Beweis für seinen unermüdlichen Einsatz.

Ein Leben voller Engagement

Studinger war ein Mann der Tat, der 44 Jahre im Gemeinderat tätig war, darunter 38 Jahre als erster Oberbürgermeister-Stellvertreter. Sein Engagement in der Kommunalpolitik war beachtlich: 15 Jahre war er als Kreisrat aktiv, und 16 Jahre lang führte er den Werbe- und Förderungskreis Waldshut. Für seine Verdienste wurde ihm vor 34 Jahren das Bundesverdienstkreuz verliehen. Er hinterlässt nicht nur seine Frau Elvira, sondern auch vier Kinder und sechs Enkelkinder, die ihn sehr vermissen werden.

Was viele nicht wissen: Hans Studinger hat nicht nur als Politiker gewirkt, sondern war auch ein gefragter Zeitzeuge. Während seiner Kindheit und Jugend erlebte er die dunkelsten Kapitel der NS-Zeit hautnah. Er beobachtete die Aufmärsche von Nationalsozialisten und Kommunisten in Waldshut und wurde selbst zum Luftwaffenhelfer. 1945 geriet er kurz vor Kriegsende in französische Gefangenschaft und kehrte erst 1949 nach Waldshut zurück. Diese Erfahrungen prägten ihn stark; die negativen Erlebnisse nach seiner Rückkehr hatten einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Ein Vermächtnis der Erinnerung

Seine Zeit als Zeitzeuge war ihm wichtig. Hans Studinger hielt Vorträge, zum Beispiel beim Freundeskreis Jüdisches Leben in Waldshut-Tiengen, und veröffentlichte sogar ein reich bebildertes Buch über seine Erinnerungen. In seiner Erzählung beschreibt er die Absurditäten der NS-Zeit, wie etwa den Druck, keine ausländischen Wörter zu verwenden oder die Besuche des Blockwarts, der zur Agitation für den Nationalsozialismus einlud. Diese Geschichten sind nicht nur Teil seiner Biografie, sondern auch Teil unserer gemeinsamen Geschichte, die niemals in Vergessenheit geraten sollte.

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Hans Studinger wurde schließlich auf dem alten Waldshuter Friedhof beigesetzt. Die Trauerfeier war ein würdiger Rahmen, um sein Leben zu feiern und das Andenken an einen außergewöhnlichen Menschen zu bewahren. In einer Zeit, in der wir uns oft nur auf die Gegenwart konzentrieren, ist es wichtig, solche Persönlichkeiten zu gedenken, die uns daran erinnern, wie wertvoll Freiheit und Menschlichkeit sind. Sein Leben und sein Wirken bleiben unvergessen.

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