Im Zollernalbkreis zeigt ein aufschlussreiches Pilotprojekt, wie man der Lebensmittelverschwendung effektiv entgegenwirken kann. Über einen Zeitraum von 16 Monaten haben Haushalte in dieser Region ihre weggeworfenen Lebensmittel gewogen und in einer App dokumentiert. Die Ergebnisse des Projekts „Smart Food BaWü“, das von der Hochschule Albstadt-Sigmaringen und weiteren Partnern ins Leben gerufen wurde, wurden nun präsentiert. Projektleiter David Drissner berichtete von einem bemerkenswerten Rückgang der Lebensmittelverschwendung: Wurden zu Beginn im September 2024 pro Person durchschnittlich 1,4 kg Lebensmittel weggeworfen, waren es zum Abschluss im Dezember 2025 nur noch knapp 600 g. Dies ist ein klarer Hinweis darauf, dass die Maßnahmen Wirkung zeigen.

Das Projekt „Smart Food BaWü“ ist nicht nur ein lokales, sondern auch ein landesweites Vorhaben, das Teil der Strategie gegen Lebensmittelverschwendung des baden-württembergischen Landwirtschaftsministeriums ist. Es zeigt auf, wie wichtig der sensibler Umgang mit Lebensmitteln ist und welche Rolle jeder Einzelne dabei spielt. Die Ergebnisse können auf ganz Baden-Württemberg hochgerechnet werden, was die Relevanz dieser Erhebung unterstreicht. In der Pilotregion Zollernalbkreis haben bis zu 59 Haushalte aktiv an der Erfassung ihrer Essensabfälle teilgenommen und so wertvolle Daten gesammelt. Die Forschungsgruppe untersucht auch, welche Arten von Lebensmitteln am häufigsten weggeworfen werden und aus welchen Gründen dies geschieht.

Ursachen für Lebensmittelverschwendung

Die Auswertung der gesammelten Daten zeigt, dass vor allem Salate und Gemüse die Spitzenreiter unter den weggeworfenen Lebensmitteln sind, gefolgt von Essensresten. Am seltensten fanden sich dagegen Fischgerichte und Fertigprodukte in den Mülltonnen. Der Hauptgrund für das Wegwerfen war, dass die Lebensmittel verdorben waren. Weitere Gründe wie „zu viel gekocht“, „keine Lust“ oder „schmeckt nicht“ wurden seltener angegeben. Das Ziel des Projekts ist es, die Ursachen für die Lebensmittelverschwendung zu erkennen und gezielt zu reduzieren. Drissner hebt hervor, dass diese Erhebung in Privathaushalten einzigartig ist und spricht sich für eine Ausweitung des Projekts auf den gesamten Zollernalbkreis oder gar ganz Baden-Württemberg aus.

Ein zusätzliches Element des Projekts ist die App „Ressource Manager Food“, die den Teilnehmern bei der Dokumentation ihrer Lebensmittelabfälle hilft. Diese App wird kontinuierlich weiterentwickelt und soll künftig auch Tipps zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen bieten. Die Erkenntnisse aus dem Projekt könnten nicht nur den Haushalten im Zollernalbkreis, sondern auch anderen Landkreisen in Baden-Württemberg als wertvolle Grundlage dienen, um Lebensmittelabfälle in Privathaushalten zu erfassen und zu reduzieren.

Lebensmittelverschwendung im größeren Kontext

Die Problematik der Lebensmittelverschwendung geht jedoch über die Privathaushalte hinaus. Im Groß- und Einzelhandel sowie bei Großverbrauchern, wie Gastronomiebetrieben und Betriebskantinen, fallen jährlich fast 6 Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle an. Der WWF schätzt, dass das Vermeidungspotenzial der Lebensmittelverschwendung bei 70 bis 90 Prozent liegt. Um diesem Missstand entgegenzuwirken, könnten Verbesserungen im Management der Wertschöpfungskette, veränderte Verbraucher:innenverhalten und angepasste Marketingstrategien entscheidend sein.

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Ein Blick in andere Länder zeigt, dass einfache Maßnahmen, wie die transparente Erfassung von Lebensmittelabfällen und unterschiedliche Portionsgrößen, die Abfälle um bis zu 40 Prozent senken können. Bildungseinrichtungen und öffentliche Kantinen haben dabei eine Vorbildfunktion, wenn es um die Reduzierung von Lebensmittelabfällen geht. Die Wertschätzung von Lebensmitteln und ein bewusster Umgang mit den eigenen Konsumgewohnheiten sind essenziell. Verbraucher:innen sollten sich bewusst machen, dass Obst und Gemüse natürliche Produkte sind und nicht immer perfekt aussehen müssen. Tipps zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen sind unter anderem die Erstellung von Einkaufslisten, das Einfrieren von überschüssigen Lebensmitteln oder die Prüfung der Verzehrbarkeit anhand von Geruch und Aussehen.

Das Projekt „Smart Food BaWü“ ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Es zeigt, dass jeder Einzelne durch bewusstes Handeln zur Reduzierung von Lebensmittelverschwendung beitragen kann. Die gesammelten Daten und Erfahrungen könnten auch die Basis für bundesweite Initiativen bilden, um Lebensmittelverschwendung nachhaltig zu bekämpfen.