In Aschaffenburg, direkt am Main, wird momentan Geschichte lebendig. Bei den Bauarbeiten für ein Regenüberlaufbecken – ja, das klingt erst einmal wenig aufregend – wurden massive Eichenbalken entdeckt, die über 2400 Jahre verborgen lagen. Wer hätte gedacht, dass ein so unscheinbares Projekt solch einen sensationellen Fund zu Tage fördern könnte? Die Entdeckung geschah in einer etwa acht Meter tiefen Baugrube, und das Holz ist dank der besonderen Bedingungen dort – tief und sauerstoffarm – außergewöhnlich gut erhalten. Die Jahresringe der Eichen zeigen, dass die Bäume zwischen 370 und 352 v. Chr. gefällt wurden. Was für ein Blick in die Vergangenheit!
Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege, vertreten durch die Leiterin der Bodendenkmalpflege, Stefanie Berg, hat bereits erste Hypothesen aufgestellt. Man vermutet, dass Aschaffenburg möglicherweise schon in der Eisenzeit ein bedeutender Handelsknotenpunkt war. Frühere Funde in der Region, wie ein goldener Fingerring und eine Tierkopffibel, stützen diese Annahme. Die Überreste könnten auf eine Hafenanlage oder einen Verladeort für Handelsgüter hinweisen. Das Bauwerk selbst hat eine beeindruckende Größe von mindestens 40 Metern Länge und bis zu 7 Metern Breite – ganz schön monumental für die damalige Zeit!
Einzigartiger Bau
Die Konstruktion, die aus Holz und Stein besteht, ist besonders bemerkenswert. Eine Trockensteinmauer verläuft in Richtung des Mains, und die Kombination von Holz und Stein ist für die Eisenzeit selten belegt. Experten sind sich einig, dass es sich hier um ein repräsentatives Bauwerk handeln könnte. Vielleicht war es ein Zentrum für Macht, Wirtschaft oder Kultur in der Altstadt? Das bleibt jedoch noch abzuwarten. In den nächsten sechs Monaten sind jedenfalls weitere Grabungen und Untersuchungen geplant, um mehr über die genaue Funktion dieses mysteriösen Bauwerks herauszufinden.
Die Bauarbeiten für das Regenüberlaufbecken und die Uferumgestaltung haben bereits seit März 2020 gedauert und sind ein Millionenprojekt. Doch die Entdeckung der Holzstrukturen hat den Zeitplan ordentlich durcheinander geworfen. Ein Wassereinbruch im Jahr 2022 stoppte die Arbeiten für drei Jahre und als die Bauarbeiten im Sommer 2025 wieder aufgenommen wurden, gab es schon die nächste Verzögerung durch die Ausgrabungen. Unklar bleibt, wie lange die Ausgrabungen die Bauarbeiten aufhalten werden, und die Fertigstellung des Projekts wurde auf 2028 verschoben.
Ein Fenster zur Eisenzeit
Dieser Fund ist nicht nur ein archäologisches Highlight, sondern stellt auch das bisherige Wissen über die Eisenzeit in Frage. Die Entdeckung könnte helfen, offene Fragen zur frühen Stadtgeschichte zu klären und gibt uns einen faszinierenden Einblick in die Lebensweise der Menschen vor über zwei Jahrtausenden. Der Erhaltungszustand der Strukturen ist außergewöhnlich gut, was es Forschern ermöglicht, viel über die Holzverarbeitung und die Lebensbedingungen jener Zeit zu lernen. In Anbetracht der Tatsache, dass solche alten Funde selten sind – Flüsse und Landschaften werden schließlich oft umgestaltet – ist dieser Fund ein echtes Geschenk für die Geschichtswissenschaft.
Die Ausgrabungen finden unter schwierigen Bedingungen statt. Die Strukturen liegen tief und die laufenden Bauarbeiten müssen ebenfalls berücksichtigt werden. Dr. Stefanie Berg bezeichnete den Fund als einzigartig. Die Bauweise könnte auf eine besondere Nutzung oder Bedeutung hindeuten. Und so bleibt die Frage: Was genau geschah hier, wo sich jetzt moderne Bauarbeiten mit Historie kreuzen? Auf jeden Fall bleibt es spannend in Aschaffenburg!
Für alle, die mehr über diesen faszinierenden Fund erfahren möchten, sei auf die Quelle verwiesen: Süddeutsche Zeitung. Außerdem sind auch die Berichte der BR und von Yahoo Nachrichten sehr aufschlussreich.
