Die Stadt Wolfratshausen ist bekannt für ihre jahrhundertealte Tradition, die heilige Nepomuk zu ehren. Am 17. Mai ist es wieder so weit, und die Johannifloßprozession wird gefeiert. Diese Feierlichkeiten finden traditionell alle drei Jahre statt, wobei die letzten beiden Jahre von unvorhergesehenen Ereignissen überschattet wurden. 2020 fiel die Prozession aufgrund der Corona-Pandemie aus, und in diesem Jahr mussten die Teilnehmer wegen Hochwassers absagen. So bleibt die Vorfreude auf die nächste Feier besonders groß.
Der Gottesdienst beginnt um 19 Uhr vor Sankt Andreas und wird von der Musikkapelle Beuerberg sowie der Stadtkapelle Wolfratshausen musikalisch begleitet. Bei Einbruch der Dunkelheit ziehen die Traditionsvereine zur Alten Floßlände, erleuchtet von Fackeln und Feuern. Ein ganz besonderes Highlight ist das Standkonzert am Marienplatz um 20 Uhr, das die Besucher in festliche Stimmung versetzt. Um 21.15 Uhr wird dann die Ankunft der geschmückten Flöße erwartet, die von Wolfratshauser Flößereibetrieben stammen. Nach der Segnung setzen sich die Flöße in Bewegung und fahren zum Kastenmühlwehr. Die Kinder dürfen kleine Lichterflöße ins Wasser setzen, die dann sanft auf der Loisach treiben. Ein krönender Abschluss der Feierlichkeiten ist die Licht- und Lasershow, die das Event unvergesslich macht. Die traditionelle Floßprozession wurde 1994 mit dem Neubau des Kastenmühlwehrs wieder ins Leben gerufen und ist seitdem zu einem wichtigen Bestandteil des kulturellen Lebens in Wolfratshausen geworden.
Die Bedeutung der Flößerei
Die Flößerei hat eine lange Geschichte, die bis ins späte 12. Jahrhundert zurückreicht. Flüsse wie der Main und die Donau waren nicht nur Wasserstraßen, sondern auch Lebensader für den Holztransport aus unwegsamen Waldgebieten zu den Absatzmärkten. Die Blütezeit der Flößerei erlebte Bayern in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, bevor sie durch neue Verkehrsmittel und Anforderungen an die Flussläufe allmählich zurückging. Flößerei war eine Kunst für sich, die eng mit dem Alltag der Menschen verbunden war. Zünfte organisierten die Flößer, die unter strengen Bedingungen arbeiteten. Sie transportierten nicht nur Holz, sondern auch Lebensmittel, Vieh und sogar Menschen.
Besondere Aufmerksamkeit verdienen die sogenannten Floßordnungen, die bereits 1310 in München festgelegt wurden. Diese Regelungen waren entscheidend für die Organisation der Flößerei und sorgten für eine ordnungsgemäße Holzversorgung. Die schiffbaren Strecken und floßbaren Abschnitte in Bayern sind bis heute ein faszinierendes Erbe. Das Flößermuseum in Unterrodach und die Fotografie von 1937, die Mainflöße zeigt, geben interessante Einblicke in diese historische Transportform. Auch wenn die Flößerei in den letzten Jahrzehnten stark zurückgegangen ist, bleibt der kulturelle Wert und die Tradition bis heute lebendig.
Ein Blick auf die Wasserläufe zeigt, wie wichtig diese für die Entwicklung der Gemeinden waren. Die intensive Nutzung der Wälder führte jedoch auch zu Herausforderungen wie der Übernutzung und dem Verschwinden begehrter Baumarten. Trotzdem hat die Flößerei nicht nur die Wirtschaft geprägt, sondern auch den Tourismus in Bayern gefördert, insbesondere durch die Etablierung von Ausflugsfloßfahrten um 1900. Es ist eine faszinierende Geschichte, die bis zum heutigen Tag nachwirkt.
Für die Wolfratshauser ist die Johannifloßprozession mehr als nur eine Feier; sie ist eine Verbindung zur eigenen Geschichte, zu Traditionen und zur Natur. Wenn die geschmückten Flöße auf der Loisach treiben, wird die Vergangenheit lebendig und die Gemeinschaft feiert zusammen das, was sie verbindet.