Am 20. Mai 2026 fand in Bad Tölz-Wolfratshausen die konstituierende Sitzung des Kreistags statt. Die Sitzung brachte einige Überraschungen mit sich, insbesondere die Vorstellung einer Überraschungskandidatin für das Amt des stellvertretenden Landrats. Inmitten der Diskussionen über die Sitzverteilung im Kreisausschuss wurden auch drei Mandatsniederlegungen behandelt. Lutz Leonhardt von der AfD blieb der Sitzung fern, was als Amtshindernis gewertet wurde. Sein Nachrücker, Ekkehard Besier, wurde in dieser Sitzung vereidigt. Es blieb jedoch nicht bei positiven Nachrichten: Ines Lobenstein von den Grünen legte direkt nach ihrer Vereidigung ihr Mandat nieder, da sie nicht mit ihrer Wahl gerechnet hatte. Wolfgang Goymann wird nun ihr Nachfolger im Kreistag.

Landrat Ludwig Schmid, der die Sitzung leitete, vereidigte insgesamt 21 neue Mitglieder. Thomas Holz von der CSU bleibt als zweiter Landrat im Amt, während Klaus Koch von den Grünen weiterhin als weiterer Stellvertreter fungiert. Die SPD brachte Gerlinde Berchtold als eigene Kandidatin für das Amt der ersten Stellvertreterin ins Spiel, musste sich jedoch mit 19 Stimmen gegen Holz‘ 37 Stimmen geschlagen geben. Ein Antrag der CSU zur Anwendung des d’Hondt-Verfahrens für die Sitzverteilung im Kreisausschuss wurde abgelehnt. Stattdessen entschied die Verwaltung, das Verfahren St.Lague/Scheppers anzuwenden, was für die CSU weniger Sitze zur Folge hatte. Ein Thema, das für einige Unmut sorgte, wie die Äußerungen von Magnus Brunckhorst (AfD) zeigten. Hubert Oberhauser von den Freien Wählern kritisierte den CSU-Antrag, während Manuel Tessun von der ÖDP darauf hinwies, dass das d’Hondt-Verfahren die „Großen“ bevorzuge. Schließlich wurde auch ein Antrag auf namentliche Abstimmung gestellt, doch die Änderung der Geschäftsordnung scheiterte mit 34 zu 26 Stimmen.

Der Kreistag und seine Aufgaben

Der Kreistag Bad Tölz-Wolfratshausen setzt sich aus 61 Mitgliedern zusammen, die bei der Kommunalwahl 2026 gewählt wurden. Die Amtszeit der Kreisräte beträgt sechs Jahre. Der Kreistag kümmert sich um sämtliche Angelegenheiten des Landkreises, von Baumaßnahmen an Schulen über den Haushalt bis hin zu Maßnahmen im öffentlichen Nahverkehr. Die Bürger können dank eines Bürgerinformationssystems die Sitzungen des Kreistags und seiner Gremien verfolgen. Hier sind Tagesordnungen, Sitzungsvorlagen und Protokolle für die Öffentlichkeit zugänglich, während das Ratsinformationssystem einen geschlossenen Bereich für Sitzungsteilnehmer darstellt. Die Geschäftsstelle des Kreistags ist für die Organisation der Sitzungen verantwortlich und sorgt dafür, dass alles reibungslos abläuft.

In diesem Zusammenhang wurde auch der Haushalt für das Jahr 2025 verabschiedet. Der Kreistag stimmte dem Haushalt mit großer Mehrheit zu, während die CSU Stellenabbau im Landratsamt forderte. Die Kreisumlage wurde auf 53,2 Prozent festgelegt, was einen Anstieg von ungefähr drei Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. Bedenken äußerte CSU-Fraktionssprecher Martin Bachhuber zur Nettoneuverschuldung von drei Millionen Euro und der Rücklagenentnahme von 4,3 Millionen Euro. Auf der anderen Seite sehen einige, wie Klaus Barthel von der SPD/Linken, Chancen im geplanten Sondervermögen des Bundes. Es bleibt abzuwarten, wie sich diese Themen weiterentwickeln und welche Auswirkungen sie auf die Bürger im Landkreis haben werden.