Matthias Burghardt erhält Fritz-Neuland-Gedächtnispreis für Forschungsprojekt zur NS-Justiz
Am Landgericht Bayreuth geht es aktuell hoch her. Matthias Burghardt, der Präsident des Gerichts, wurde mit dem Fritz-Neuland-Gedächtnispreis ausgezeichnet. Der Preis wird an Mitglieder der bayerischen Justiz und Polizei vergeben, die sich gegen Antisemitismus starkmachen. Burghardt erhielt die Ehrung für sein Forschungsprojekt, das sich mit der Justiz in der NS-Zeit beschäftigt. Es trägt den Titel „Sondergericht und Volksgerichtshof in Bayreuth“ und wurde über fünf Jahre in Zusammenarbeit mit der Universität Bayreuth durchgeführt. Es ist wirklich wichtig, so ein Projekt in dieser Zeit zu haben – es beleuchtet die dunklen Kapitel unserer Geschichte und thematisiert den Umgang mit dem Justiz-Unrecht nach dem Zweiten Weltkrieg.
Der Preis ist übrigens nach dem Vater der Holocaust-Überlebenden Charlotte Knobloch benannt, der ein Rechtsanwalt war und eine bedeutende Rolle in der jüdischen Gemeinde Münchens nach dem Krieg spielte. Das soll uns daran erinnern, wie wichtig es ist, sich für die Wahrheit und Gerechtigkeit einzusetzen. Justizminister Georg Eisenreich (CSU) hat die Bedeutung des Projekts für das historische Bewusstsein und die Bekämpfung von Antisemitismus hervorgehoben. Das kann ich gut nachvollziehen, denn je mehr wir über solche Themen sprechen, desto mehr können wir lernen und wachsen.
Einblicke in die NS-Justiz
Das Forschungsprojekt hat einen tiefen Blick in die Praktiken der NS-Justiz geworfen. Das Sondergericht in Bayreuth war für Verfahren zuständig, die von den Nationalsozialisten eingeführt wurden, und das unter stark eingeschränkten Rechten für die Beschuldigten. Es gab keine Voruntersuchungen oder gerichtlichen Eröffnungsbeschlüsse, die Beweiserhebung lag ganz im Ermessen des Gerichts. Ladungsfristen von unter 24 Stunden waren an der Tagesordnung, und alle Urteile waren sofort rechtskräftig. Man kann sich kaum vorstellen, wie ungerecht das war! Von 255 Anklagen am Sondergericht endeten 14 mit einem Todesurteil. Ein besonders grausames Beispiel ist der Fall von Bronislaw Kulik, der wegen Diebstahls von fünf Wollhemden zum Tode verurteilt wurde. Solche Schicksale sind es, die das Projekt dokumentieren möchte, um gegen das Vergessen anzukämpfen.
Ein weiterer Aspekt, den das Projekt beleuchtet, ist die Rolle des Volksgerichtshofs in Bayreuth, der kurz vor Kriegsende dort eingerichtet wurde. Er war zuständig für Hoch- und Landesverrat. Leider wurden die meisten Akten des Volksgerichtshofs im Krieg zerstört, sodass nur Einzelfälle untersucht werden konnten. Es ist erschreckend zu sehen, wie viel Geschichte verloren gegangen ist.
Gemeinsam gegen Hass
Zu den weiteren Preisträgern gehört auch Harald Frießner, der als Referent beim Beauftragten gegen Hasskriminalität der bayerischen Polizei tätig ist. Frießner widmet sich intensiv dem Thema Antisemitismus und Antiziganismus sowie der Entwicklung präventiver Strategien gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. In einer Zeit, in der Hass und Vorurteile wieder verstärkt auftreten, sind solche Bemühungen wichtiger denn je.
Das Engagement dieser Personen zeigt, dass wir die Vergangenheit nicht vergessen dürfen und dass es Verantwortung gibt, die wir tragen müssen. Es ist eine ermutigende Entwicklung, dass sich immer mehr Menschen für diese Themen einsetzen. Wir können nur hoffen, dass solche Initiativen weiterhin Bestand haben und dazu beitragen, dass sich Geschichte nicht wiederholt.
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