Im Berchtesgadener Land ist es wieder soweit: Die Zugvögel, darunter die vom Aussterben bedrohten Arten Flussuferläufer und Flussregenpfeifer, kehren im Frühling zurück. Diese kleinen Vögel, die zwischen 15 und 22 cm groß sind, haben eine wichtige Rolle in der heimischen Natur und brüten in Kies. Doch der Lebensraumverlust und Störungen während der Brutzeit stellen große Herausforderungen für sie dar. Das Landratsamt Berchtesgadener Land bittet die Bevölkerung, die Beschilderungen des Kiesbrüterschutzprojekts zu beachten, um diesen schützenswerten Arten eine sichere Aufzucht zu ermöglichen. Die Rückkehr dieser Vögel erfolgt aus West- und Südafrika sowie dem Mittelmeerraum.

Die Brutgebiete befinden sich an naturnahen Flussabschnitten wie der Saalach, Salzach und Berchtesgadener Ache. Die Vögel legen ihre Eier in flachen Mulden zwischen Steinen oder niedriger Vegetation ab. Hochwasser ist zwar eine natürliche Herausforderung, doch Störungen durch Menschen sind für diese sensiblen Tiere noch problematischer. Bereits Störungen ab einem Abstand von 80 Metern werden von den Vögeln als Gefahr wahrgenommen. Trotz der bestehenden Schutzmaßnahmen kam es in der Vergangenheit zu Störungen, die zur Aufgabe von Brutplätzen führten. In der Freilassinger Au gibt es mittlerweile keine gesicherten Nachweise mehr für Kiesbrüter.

Schutzmaßnahmen und Herausforderungen

In den letzten Jahren wurden zahlreiche Schutzprojekte ins Leben gerufen, die in Kooperation mit dem bayernweiten Artenhilfsprogramm für Kiesbrüter durchgeführt werden. Das Monitoring der Vorkommen im Landkreis erfolgt seit fünf Jahren und zeigt, wie wichtig Rücksichtnahme auf weniger beliebte Kiesbänke ist. An einigen Kiesbänken entlang der Saalach werden Hinweisschilder aufgestellt, um die Brutreviere zu kennzeichnen. Diese Schilder dürfen nicht entfernt werden, um den nachhaltigen Erhalt der letzten Brutpaare von Flussuferläufer und Flussregenpfeifer im Landkreis zu gewährleisten.

Die Herausforderungen für die Kiesbrüter sind jedoch nicht nur lokal. In den letzten 200 Jahren wurden die Flüsse stark verändert durch Siedlungsentwicklung, Landgewinnung und Energienutzung, was die Lebensräume für viele Vogelarten stark beeinträchtigt hat. Intakte Flussabschnitte sind rar geworden und die Flussdynamik, die für die Neubildung von Kiesflächen wichtig ist, wird zunehmend eingeschränkt. Der Flussuferläufer, der in Bayern einen Bestand von 150 bis 190 Brutpaaren aufweist, und der Flussregenpfeifer mit 950 bis 1.300 Brutpaaren, sind auf solche natürlichen Strukturen angewiesen, um ihre Brutplätze zu finden.

Klimawandel und seine Folgen

Der Klimawandel hat zudem signifikante Auswirkungen auf die Zugvögel. Diese sind auf intakte Verhältnisse an Brutplätzen, Überwinterungsgebieten und Rastplätzen angewiesen. Veränderungen durch den Klimawandel betreffen Zugzeiten, Brutbeginn und Populationsentwicklung. Viele Zugvögel kehren im Frühjahr etwa drei Wochen früher zurück als vor 40 Jahren, was durch steigende Temperaturen in Afrika und abnehmenden Regen an Rastplätzen bedingt ist. Diese Veränderungen machen den Lebensraumschutz zur Priorität, um die Folgen des Klimawandels für Zugvögel abzumildern.

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Insgesamt ist es entscheidend, dass die Bevölkerung im Berchtesgadener Land und über die Grenzen hinaus sich aktiv für den Schutz dieser bedrohten Arten einsetzt und Rücksicht auf die sensiblen Brutgebiete nimmt. Nur so kann es gelingen, die letzten Brutpaare von Flussuferläufer und Flussregenpfeifer zu erhalten und die Biodiversität in der Region zu schützen. Weitere Informationen zu den Schutzmaßnahmen und den betroffenen Arten finden Sie unter hier.