In Ebersberg, wo die Sorgen um Wohnraum und Sicherheit immer lauter werden, erzählt Tina B. eine Geschichte, die viele Frauen in Deutschland betrifft. Seit knapp fünf Jahren ist sie nun wohnungslos. Ihre letzten Jahre waren geprägt von einem schleichenden sozialen Absturz, der durch Misshandlung und Isolation durch ihren Lebenspartner ausgelöst wurde. Die Suche nach einem sicheren Ort führte sie durch verschiedene Städte, darunter München, Hamburg, Stuttgart und sogar Salzburg. In Notunterkünften fand sie zwar einen Schlafplatz, doch die Unsicherheit blieb, denn langfristig kann sie nicht bleiben. Besonders hervorzuheben ist, dass rund ein Drittel aller Obdachlosen in Deutschland Frauen sind. Viele leben in einer versteckten Wohnungslosigkeit, fernab der Öffentlichkeit, aus Angst vor Übergriffen und Stigmatisierung.
Tina berichtet von ihren erschütternden Erfahrungen in diesen Einrichtungen. Sie hat oft negative Erlebnisse gemacht, darunter sexuelle Belästigung und körperliche Übergriffe. Das hat sie dazu gebracht, eine Fassade aufzubauen, um ihre Obdachlosigkeit zu verbergen. Erst vor einigen Monaten begann sie, sich zu outen und auf die schwierige Situation obdachloser Frauen aufmerksam zu machen. Bei der Wohnungsnotfallhilfe der Diakonie in Ebersberg fühlt sie sich endlich wohl; sie hat ein eigenes Bett und ein Gefühl der Sicherheit, auch wenn die Unsicherheit ihrer Situation weiterhin schwebt. Trotz all dem gibt sie die Hoffnung nicht auf.
Unterstützung durch die Diakonie
Die Diakonie bietet in Deutschland umfassende Unterstützung für Menschen, die von Wohnungslosigkeit betroffen sind. Mit rund 800 Angeboten bundesweit, darunter Notunterkünfte und Straßensozialarbeit, versuchen sie, den betroffenen Personen zu helfen. Es gibt verschiedene Tagesaufenthalte, die wichtige Dienstleistungen wie Duschen, Wäschewaschen und günstige Mahlzeiten anbieten. Fachberatungsstellen unterstützen bei Sozialleistungen und helfen, den Kontakt zu Behörden herzustellen. Denn Wohnungslosigkeit kann viele Ursachen haben, wie Mietschulden, wirtschaftliche Notlagen oder kritische Lebensereignisse wie Trennungen oder Erkrankungen. Diese Problematik führt oft zu sozialer Isolation und gesundheitlichen Problemen.
Ein weiteres wichtiges Thema ist die Winterhilfe. In Städten wie Berlin und Hamburg gibt es Kältebusse, die heiße Getränke und Decken anbieten. Diese Angebote sind besonders wichtig, um obdachlosen Menschen in der kalten Jahreszeit ein wenig Unterstützung zu bieten. Die Diakonie setzt sich zudem für bezahlbaren Wohnraum und eine soziale Wohnungspolitik ein, um Diskriminierung wohnungsloser Menschen abzubauen. Ziel ist es, Obdach- und Wohnungslosigkeit bis 2030 zu beseitigen, unterstützt durch den Nationalen Aktionsplan gegen Wohnungslosigkeit.
Schutz für wohnungslose Frauen
Anlässlich des Internationalen Frauentags am 8. März hat das Deutsche Institut für Menschenrechte verstärkt auf die Notwendigkeit hingewiesen, mehr Schutz und Unterstützungsangebote für wohnungslose Frauen bereitzustellen. Beate Rudolf, die Direktorin des Instituts, hat betont, dass wohnungslose Frauen oft anders von Gewalt betroffen sind als ihre männlichen Kollegen. Der Staat hat die Verpflichtung, das Recht auf Schutz vor Gewalt zu gewährleisten und geschlechtsspezifische Unterschiede zu berücksichtigen. Die Erfordernisse ergeben sich aus dem Grundgesetz und der Istanbul-Konvention des Europarats, die seit fünf Jahren in Deutschland gilt.
Um den Herausforderungen, vor denen wohnungslose Frauen stehen, zu begegnen, müssen Notunterkünfte sicher und bedarfsgerecht gestaltet werden. Dringend notwendig sind flächendeckende und langfristig finanzierte Angebote zur Unterstützung, denn viele Frauen erleben täglich Gewalterfahrungen. Diese sind nicht die Ausnahmen, sondern leider der Alltag. Besonders gravierend wird die Situation bei Überschneidungen mehrerer Diskriminierungsmerkmale, wie bei älteren Frauen oder Frauen mit Behinderungen. Der Wohnungslosenbericht der Bundesregierung zeigt, dass alle wohnungslosen Menschen stark von Gewalt betroffen sind, wobei Frauen häufiger verbale und sexualisierte Gewalt erleben. Über die Hälfte der befragten Frauen auf der Straße berichtete von Belästigungen, Übergriffen oder sogar Vergewaltigungen.
In Ebersberg und darüber hinaus ist es wichtig, dass wir die Stimmen von Frauen wie Tina B. hören und Unterstützungsangebote schaffen, die auf ihre besonderen Bedürfnisse eingehen. Denn jeder Mensch hat das Recht auf Sicherheit und ein Zuhause.
Für weitere Informationen über die Unterstützung für wohnungslose Menschen und die Arbeit der Diakonie besuchen Sie bitte diesen Link.
Quellen: Merkur, Diakonie, Institut für Menschenrechte.