Am 29. April 2026 wurden sieben Aktivisten der Gruppe Letzte Generation am Amtsgericht Erding verurteilt. Ein Urteil, das eine Woche früher als ursprünglich angesetzt fiel und für die Angeklagten nicht gerade erfreulich war. Sie müssen nun eine Geldstrafe von 140 Tagessätzen à 15 Euro zahlen. Für die siebte Angeklagte, die bereits vorbestraft ist, wurden sogar 160 Tagessätze angesetzt. Die Staatsanwaltschaft hatte ursprünglich eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten gefordert, was die Schwere der Vorwürfe verdeutlicht. Der Prozess des achten Aktivisten wird übrigens parallel vor dem Jugendgericht verhandelt.
Die Aktivisten hatten im Mai 2024 den Münchner Flughafen für mehrere Stunden lahmgelegt. Ihr Vorgehen? Sie reisten mit einem Mietwagen an, schnitt sich durch den Zaun und klebten sich auf Zuwegen fest. Dabei wurden sie nicht nur von den Einsatzkräften entdeckt, sondern mussten teilweise mit einem Winkelschleifer vom Boden gelöst werden. Insgesamt gab es einen Sachschaden von fast 4000 Euro am Zaun und rund 1600 Euro an Straßenschäden. Interessanterweise wurde die Anklage wegen Störung des öffentlichen Betriebs fallengelassen, da kein direkter Zusammenhang zwischen der Zaunbeschädigung und der Einstellung des Flugbetriebs bestand. Richter Björn Schindler stellte fest, dass die Geständnisse der Angeklagten sowie der Verzicht auf Beweismittel positiv gewertet wurden.
Die Folgen der Aktionen
Die Gruppe Letzte Generation hat sich mittlerweile aufgelöst, und die Aktivisten gaben an, keine weiteren Aktionen durchführen zu wollen. Dennoch stehen sie vor enormen Herausforderungen: Zivilrechtliche Verfahren wegen Schadensersatzforderungen, unter anderem für 70 annullierte Flüge, laufen noch. Die Angeklagten haben bereits Schulden in Millionenhöhe, die sie nicht einmal durch Privatinsolvenz abwenden können. Diese finanziellen Belastungen sind nicht nur ein persönliches Drama, sondern werfen auch ein Schlaglicht auf die Herausforderungen, vor denen Klimaaktivisten in Deutschland stehen.
Die aktuelle Situation der Aktivisten spiegelt die Ergebnisse der Green Legal Spaces Studie 2025 wider. Diese Studie beobachtet eine zunehmende Repression gegen die Klimabewegung in Deutschland. Die Sichtweise auf die Klimakatastrophe hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Obwohl Waldbrände, Überschwemmungen und Dürren die Auswirkungen des Klimawandels deutlich machen, wird das Thema im aktuellen Wahlkampf eher stiefmütterlich behandelt. Die Aktivisten berichten von einer Zunahme polizeilicher Maßnahmen und der Kriminalisierung ihrer Proteste. 83 Prozent der Klimaaktivisten geben an, Repressionen erfahren zu haben, und viele machen sich ernsthafte Sorgen über die Auswirkungen ihres Engagements auf ihr Leben.
Das alles führt zu einer besorgniserregenden Entwicklung: Die Handlungsspielräume der Klimabewegung werden zunehmend eingeengt. Der Eindruck entsteht, dass die Stimmen, die dringend notwendige Maßnahmen fordern, oft an den Rand gedrängt oder zum Schweigen gebracht werden. Der öffentliche Diskurs über Klimaschutz wird von Sicherheitsfragen dominiert – und Klimaproteste werden zunehmend als Sicherheitsrisiko dargestellt. Man fragt sich, wie es weitergeht, wenn selbst die, die für unsere Zukunft kämpfen, so stark unter Druck geraten.