In der Stadt Erlangen, die für ihr traditionsreiches Bergkirchweihfest bekannt ist, gibt es derzeit viel Gesprächsstoff. Die Sängerin Steffi List von „Overdrive – Die Bergband“ steht im Mittelpunkt einer Debatte, die auf die Frage abzielt, welche Musik beim diesjährigen Fest (vom 21. Mai bis 1. Juni 2026) gespielt werden darf. Ein heiß diskutiertes Thema sind Lieder, die von der städtischen Gleichstellungsstelle als sexistisch eingestuft wurden. Besondere Aufmerksamkeit erhält dabei der Kult-Hit „Skandal im Sperrbezirk“ von der Spider Murphy Gang, der möglicherweise vom Programm gestrichen werden könnte. Diese und andere Stücke haben die Gemüter erhitzt und die Musikerinnen und Musiker äußern sich rege zu der Liste.
Die Gleichstellungsstelle hat eine Liste von zwölf Songs erstellt, die als „sexistisch“ oder „frauenfeindlich“ empfunden werden. Darunter sind auch neuere Titel wie „Layla“ von DJ Robin und Schürze, aber auch Volksfest-Klassiker wie „Geh mal Bier holen“ von Mickie Krause. Die Wirte des Festes wurden gebeten, diese Lieder möglichst nicht zu spielen. Ein Schritt, der darauf abzielt, eine respektvolle Atmosphäre zu fördern und sicherzustellen, dass sich alle Gäste wohlfühlen. „Manche Songs stören Menschen, andere möchten sie hören“, äußerte sich Till Stürmer, der Sprecher der Vereinigung der Bergwirte, zur Situation.
Der Hintergrund der Debatte
Der Ursprung dieser Liste liegt in einer Beschwerde, die im Jahr 2025 von einer Besucherin eingereicht wurde. Sie beklagte, dass sexistische Lieder und übergriffiges Verhalten auf dem Fest ein Problem darstellen. Die Gleichstellungsbeauftragte Réka Lörincz, die sich um dieses Thema kümmert, erklärte, dass die Zusammenstellung der Liste alles andere als angenehm war. Interessanterweise wird die Liste nicht als Verbot, sondern als Appell verstanden, um eine positive Feierkultur zu fördern.
Das Erlanger Bergkirchweih zieht jährlich bis zu einer Million Besucher an und gilt als eines der ältesten Bierfeste der Welt. Die Aufregung um die Musik spielt sich also vor einem sehr großen Publikum ab. Kritiker des Verbots, darunter auch Künstler wie Peter Wackel, äußern sich negativ über die zunehmenden Einschränkungen auf Volksfesten. „Das ist doch nicht normal“, könnte man meinen – wenn man die Tradition bedenkt, die solche Feste mit sich bringen.
Die betroffenen Lieder
Ein Blick auf die Liste der problematischen Titel zeigt, dass es sich sowohl um aktuelle Hits als auch um alte Volksfest-Klassiker handelt. Zu den Songs, die auf der Liste stehen, zählen neben „Layla“ und „Skandal im Sperrbezirk“ auch „Olé, wir fahr’n in den Puff nach Barcelona“ und „10 nackte Friseusen“. Diese Songs haben nicht nur einen hohen Wiedererkennungswert, sondern auch einen gewissen Kultstatus. Doch die Frage bleibt: Wie weit kann man Traditionen anpassen, um einen respektvollen Umgang miteinander zu gewährleisten?
Ein Stadtsprecher wies darauf hin, dass ein Stadtratsbeschluss aus 2021 besagt, Lieder mit „gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“ von Volksfesten fernzuhalten. Der Druck, eine angenehme Atmosphäre für alle Gäste zu schaffen, ist also hoch – und die Herausforderung, die Balance zwischen Tradition und zeitgemäßen Werten zu finden, bleibt bestehen. Es ist ein spannendes, wenn auch herausforderndes Unterfangen, das viele Gemüter bewegt und das Fest in diesem Jahr zu einem besonderen werden lässt.
