Die Stadtbibliothek Erlangen, die im charmanten Palais Stutterheim direkt am Marktplatz untergebracht ist, hat es zurzeit nicht leicht. Am 2. Mai 2026 blieb sie bereits zum zweiten Mal an einem Samstag geschlossen. Der Grund? Ein akuter Engpass beim Personal, der auch die Pläne für die neue Zweigstelle im Stadtteil Büchenbach, die noch in diesem Jahr eröffnet werden soll, in Frage stellt. Der Bibliotheksleiter wird demnächst die zukünftige Vorgehensweise erläutern, doch die Lage ist bereits jetzt angespannt.

Die Herausforderungen sind nicht neu. Im Arbeitsprogramm 2023 der Stadtbibliothek wird deutlich, dass es nicht nur an der Besetzung von Stellen hapert. Das Defizit an Publikumsflächen in der Kinder- und Jugendbibliothek sowie an Büroräumen ist ein drängendes Thema. Die Überlastung des bibliothekarischen Fachpersonals und der Führungskräfte hat längst alarmierende Ausmaße angenommen. In der letzten Sitzung des Revisionsausschusses wurde die kritische Personalsituation besprochen, und viele nicht besetzte Stellen sowie langzeitlich erkrankte Mitarbeiter:innen wurden thematisiert.

Überlastung und Raummangel

Ein Antrag, der im Bildungsausschuss diskutiert werden soll, greift die Folgen des Flächendefizits der Kinder- und Jugendbibliothek auf. Die Notwendigkeit, Angebote räumlich auszulagern, wird immer drängender, und es drohen möglicherweise sogar Entfälle von Angeboten. Fragen über die Auswirkungen der neuen Zweigstelle auf das Flächendefizit der Hauptstelle stehen ebenso im Raum wie der aktuelle Sachstand zum Pachtvertrag Bassanese. Wie steht es um die Büroflächen? Auch hier ist die Raumnot akut und hat bereits Auswirkungen auf den laufenden Betrieb.

Doch nicht nur die Räume sind problematisch – auch die Personalsituation bleibt angespannt. Die Zahl der dauerhaft erkrankten Mitarbeiter:innen steigt, und die verbleibenden Mitarbeiter:innen haben mit den Folgen dieser Situation zu kämpfen. Die Bibliothek ist ein Ort der Begegnung und des Wissens, aber sie muss auch finanziell und personell gut aufgestellt sein, um diesen Ansprüchen gerecht werden zu können.

Finanzielle Herausforderungen für Bibliotheken

Die Lage der Stadtbibliothek Erlangen ist nicht isoliert. Öffentliche Bibliotheken in Deutschland sehen sich trotz steigender Anforderungen mit stagnierenden Budgets konfrontiert. Rund 29% der Bibliotheken sind von Haushaltskonsolidierungsmaßnahmen betroffen oder planen diese. In einer Zeit, in der viele Bibliotheken von der Absenkung des Gesamtbudgets um mindestens 10% befürchten, hat die Stadtbibliothek Erlangen den Eindruck, dass sie sich in einem ständigen Überlebenskampf befindet. Budgetsteigerungen sind rar; nur 14,1% der Bibliotheken rechnen damit.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Die Situation wird durch anhaltende Preissteigerungen und wachsende Personalkosten noch verschärft. Einige Bibliotheken haben bereits ihre Öffnungszeiten reduziert oder Veranstaltungen gestrichen. Fünf Bibliotheken müssen sogar Zweigstellen oder Abteilungen zeitlich befristet schließen. Dies zeigt, wie fragil das System ist und wie wichtig es ist, dass die Stadtbibliothek Erlangen nicht nur als kultureller, sondern auch als bildender Ort erhalten bleibt.

In dieser angespannten Situation kann man nur hoffen, dass der Bibliotheksleiter in naher Zukunft Lösungen präsentieren wird, die der Stadtbibliothek Erlangen helfen, diese kritischen Zeiten zu überstehen. Und sich gleichzeitig um die dringend benötigten finanziellen und personellen Ressourcen zu kümmern, bleibt eine große Herausforderung. Vielleicht ist es an der Zeit, dass die Stadt und das Land die Bibliotheken als wertvolle Bildungseinrichtungen stärker unterstützen.

Für interessierte Leser:innen gibt es auf den Seiten von nn.de und gl-erlangen.de weitere Informationen zu diesem Thema.