In der kleinen Gemeinde Allershausen wird es ernst. Der Imkerverein hat die Bedrohung durch die Asiatische Hornisse (Vespa velutina) erkannt und reagiert. Zwei Imker, Johann und Christoph Thoma, haben sich an der Bayerischen Imkerschule in Landsberg am Lech fortgebildet und die Schulung zum zertifizierten Nestentferner erfolgreich abgeschlossen. Jetzt sind sie in der Lage, Hornissennester fachgerecht zu entfernen, um die heimischen Bienenvölker zu schützen.
Diese asiatischen Eindringlinge sind nicht ohne Grund gefürchtet. Sie fressen Bienenvölker – schätzungsweise 80 bis 85 Prozent ihrer Beute besteht aus Bienen! In Frankreich sterben jährlich rund ein Drittel der Bienenvölker aufgrund dieser Hornisse. In Bayern ist die Lage aktuell noch relativ stabil, doch die ersten Vorkommen wurden bereits in Teilen Südwestdeutschlands gesichtet.
Effektive Bekämpfung
Die Thomases sind gut ausgerüstet. Sie nutzen spezielle Teleskop-Lanzen, die bis zu 30 Meter lang sind, um auch schwer zugängliche Sekundärnester zu erreichen. Mit diesen Stangen können sie gezielt Aktivkohle-Pulver in die Nester einbringen und die Hornissen bekämpfen. Der Imkerverein ruft die Bürger auf, verdächtige Sichtungen über die Bee-Warned-App zu melden. Auf diese Weise lassen sich die Nester schneller identifizieren und entfernen. Das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und das Landesamt für Weinbau und Gartenbau unterstützen diese Maßnahmen aktiv, indem sie einen umfassenden Aktionsplan zur Bekämpfung der Hornisse erarbeitet haben. Dieser Plan umfasst Früherkennung, schnelle Nestentfernung und Aufklärung der Bevölkerung.
Doch die Asiatische Hornisse ist kein Einzelfall. Zunehmende Funde von Nestern in Deutschland zeigen, dass die Situation ernst ist. Laut dem Monitoring des Landeverbands Hessischer Imker (LHI) wurden im August 2023 bereits 25 Nester gemeldet. Zum Vergleich: Im Jahr 2022 waren es nur zwei Gründungs- und sieben Sekundärnester. Diese invasive Art wurde erstmals 2004 im Raum Bordeaux beobachtet und hat sich seitdem rasant ausgebreitet. Erste Nestfunde in Deutschland gab es 2014 in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, gefolgt von den ersten Entdeckungen in Hessen 2019.
Die Gefahr für die Bienen
Die Asiatische Hornisse bringt nicht nur eine Bedrohung für die Bienenvölker mit sich, sondern gefährdet auch die heimische Tiervielfalt. Ihre Nester sind ellipsenförmig und können bis zu 100 cm hoch werden und mehrere Eingänge besitzen. Im Gegensatz dazu bauen europäische Hornissen zylindrische Nester mit nur einer Öffnung. Besonders im Herbst wird die Gefahr für Bienenvölker größer, da schwächere Völker oft nicht mehr in der Lage sind, sich gegen die Angriffe der Hornissen zu wehren.
Die Imker sind gefordert, die Bevölkerung aufzuklären und zur Meldung von Funden anzuregen. Das Melden von Totfunden, lebenden Individuen oder Nester ist meldepflichtig. Wer auf einen Stich reagiert, sollte schnell handeln: Stachel entfernen, Notruf 112 wählen und enge Kleidung ablegen. Allergische Reaktionen sind nicht selten und können im schlimmsten Fall lebensbedrohlich sein. Daher ist eine Selbstentfernung von Nestern gefährlich und kann die Ausbreitung der Hornisse weiter fördern.
In Allershausen wird also nicht nur auf die Bienen geachtet, sondern auch auf die Gesundheit und Sicherheit der Menschen. Der Imkerverein steht für Rückfragen und Beratungen zur Verfügung und wird weiterhin aktiv informieren. Die Bedrohung durch die Asiatische Hornisse bleibt ein wichtiges Thema – nicht nur für die Imker, sondern für alle, die in der Nähe von Bienen leben. Wer sich für die aktuellen Entwicklungen interessiert, kann mehr über die Situation in Deutschland in einem Artikel auf Merkur nachlesen.
