In Freising, einem kleinen, aber feinen Ort in Bayern, wurde ein neues Zentrum für Infektionsprävention eröffnet. Die Technische Universität München (TUM) gibt mit diesem Projekt ein starkes Zeichen im Kampf gegen multiresistente Keime, die ein globales Problem darstellen. Jährlich sterben bis zu 1,5 Millionen Menschen weltweit an Infektionen, weil Antibiotika nicht mehr wirken. Und die Prognosen der WHO sind alarmierend: In 25 Jahren könnte die Zahl der Todesfälle auf bis zu 10 Millionen jährlich ansteigen. Umso wichtiger ist es, dass die TUM unter der Leitung von Dietmar Zehn ein interdisziplinäres Team zusammengestellt hat, das sich sowohl um die Gesundheit von Menschen als auch von Tieren kümmert. Hier in Freising soll das Verständnis für unterschiedliche Krankheitsverläufe und Schutzmechanismen gefördert werden.
Das neue Zentrum, dessen Bau 60 Millionen Euro gekostet hat, wurde termingerecht im April 2026 fertiggestellt. Der Freistaat übernahm 40 Millionen, der Rest kam vom Bund. TUM-Präsident Thomas Hofmann betont die gesundheitspolitischen Herausforderungen, die mit dem Thema einhergehen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf multiresistenten Keimen, und ein wichtiges Ziel ist die Minimierung des Antibiotikaeinsatzes. In etwa 120 Laboren mit biologischer Sicherheitsstufe drei werden Wissenschaftler an innovativen Lösungen arbeiten. Interessanterweise werden auch Phagen, also Viren, die Bakterien infizieren, als therapeutische Möglichkeit in Betracht gezogen. Das klingt ein bisschen futuristisch, aber es könnte der Schlüssel zur Bekämpfung der resistenten Keime sein!
Dringlichkeit der Forschung
Multiresistente Keime, die gegen mehrere Antibiotika unempfindlich sind, werden oft als „stille Pandemie“ bezeichnet. Besonders betroffen sind immungeschwächte Menschen, die durch diese Bakterien lebensbedrohliche Infektionen erleiden können. Häufige multiresistente Keime wie MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) und MRGN (multiresistente gramnegative Stäbchen) sind in Kliniken und Pflegeeinrichtungen weit verbreitet. Schätzungen zufolge gibt es allein in Deutschland jährlich zwischen 50.000 und 150.000 bakterielle Infektionen in Kliniken.
Die Übertragungswege sind vielfältig: Sie reichen von Haut und Händen über Oberflächen und medizinische Geräte bis hin zur Tröpfchenübertragung. Besonders besorgniserregend ist die Zunahme dieser Keime durch den Einsatz von Antibiotika in der Medizin und der Nahrungsmittelindustrie. Neben der Forschung an neuen Reserve-Antibiotika ist die Entwicklung von Strategien zur Infektionsverhütung in Kliniken entscheidend. Hygienemaßnahmen, Isolation infizierter Patienten und das Tragen von Schutzkleidung für das Personal sind unerlässlich.
Ein zukunftsweisendes Konzept
Das neue Zentrum in Freising könnte wegweisend sein. Mit einem offenen Bürobereich, der den Austausch unter den Forschenden fördert, wird ein kreatives Umfeld geschaffen, das neue Ideen und Lösungen begünstigt. Zudem setzt man auf personalisierte Medizin, um Infektionsrisiken frühzeitig zu erkennen. Ein umfassendes Screening vor stationären Aufnahmen könnte helfen, Träger von MRSA oder 4MRGN zu identifizieren. So werden nicht nur die Patienten geschützt, sondern auch das gesamte Gesundheitssystem entlastet.
Ministerpräsident Markus Söder sieht das Zentrum als zentralen Baustein im Kampf gegen resistente Keime. Die Herausforderungen sind groß, aber mit engagierten Forschern und einem klaren Fokus auf Prävention und Innovation könnte Freising bald eine Schlüsselrolle im internationalen Kampf gegen multiresistente Keime spielen. Der Weg ist noch lang, aber die ersten Schritte sind gemacht, und sie sind mehr als vielversprechend. Es bleibt spannend zu beobachten, welche Fortschritte hier erzielt werden.
