In Germering, einer kleinen Stadt in der Nähe von München, wird in den kommenden Tagen ein ganz besonderer Maibaum aufgestellt. Die lokale Burschenschaft hat sich nicht nur der traditionellen Herstellung eines 30 Meter langen Maibaums für Germering verschrieben, sondern auch einem speziellen Auftrag für einen bekannten Münchner Biergarten. Der 18 Meter lange Mini-Maibaum, der rund eine halbe Tonne wiegt, wird ebenfalls gefertigt. Die Anfrage zur Herstellung dieses Mini-Maibaums kam über Ludwig Schmidbauer, den Restaurantleiter des Augustinerkellers, und der Stamm für den Mini-Maibaum wurde von Altbursch Moritz Bersch aus seinem Wald gespendet. Die Arbeiten am Mini-Maibaum wurden in den letzten dreieinhalb Wochen im Stadl durchgeführt, wo der Stamm geschält, gehobelt und für die Bemalung vorbereitet wurde. Aktuell trocknen die klassischen weiß-blauen Farben an beiden Bäumen, und der Transport des Mini-Maibaums nach München ist für Donnerstagmorgen geplant. Allerdings hat der Vorsitzende der Burschenschaft, Ludwig Kleiber, Bedenken geäußert, dass der Mini-Maibaum möglicherweise gestohlen werden könnte.

Am 1. Mai wird dann das traditionelle Maibaumaufstellen in Germering stattfinden. Die Veranstaltung beginnt um 10 Uhr an den angestammten Plätzen: der Einmündung der Dorf- in die Augsburger Straße und der Salzstraße. Eingeladen werden die Teilnehmer von den beiden Germeringer Burschenvereinen: dem Burschenverein Germering e.V. und dem Burschenverein Unterpfaffenhofen e.V. Der Maibaum wird durch den katholischen Stadtpfarrer Andreas Christian Jaster geweiht, bevor er mit Muskelkraft und Hilfe von sogenannten Schwaibeln aufgestellt wird. Ein Kranfahrzeug wird zur Absicherung des Aufstellvorgangs eingesetzt. Musikalische Umrahmung sowie Essen und Trinken runden das Fest ab, das bei jedem Wetter stattfindet.

Maibaum-Tradition und ihre Bedeutung

Der Brauch des Maibaumaufstellens hat in Deutschland eine lange Tradition. Oft handelt es sich dabei um eine geschälte Tanne, die mit geschmückter Spitze oder Wappen versehen wird. In vielen Regionen wird der Maibaum in der Mainacht zentral im Dorf aufgestellt, und die Bäume sind nicht nur ein Zeichen der Gemeinschaft, sondern auch beliebte Trophäen für Nachbardörfer. Es kommt nicht selten vor, dass Maibäume gestohlen oder abgesägt werden, was die Junggesellen dazu bringt, die Bäume nachts zu bewachen, um Diebstahl zu verhindern. In manchen Gegenden, wie dem Rhein-Erft-Kreis und Köln, wird das mehrmalige Aufstellen des Baumes sogar als Heiratsantrag gedeutet.

Traditionell bleibt der Maibaum bis zum letzten Tag im Mai stehen, bevor er wieder abgebaut wird. Dieser Abbau kann mit einem Kuss von der beschenkten Frau, Bier vom Vater und Kuchen von der Mutter gefeiert werden. Es gibt auch den Brauch der Schandbäume, die von Verschmähten oder Betrogenen aufgestellt werden und oft mit Klopapier oder schwarzem Kreppband dekoriert sind. Dies alles zeigt, wie lebendig und vielfältig die Maibaumtradition in Deutschland ist und welche Rolle sie in der lokalen Kultur spielt.