Am 28. Mai 2026 jährt sich die Einweihung der Kreuzeckbahn in Garmisch-Partenkirchen zum 100. Mal. Ein stolzes Alter für eine Seilbahn, die einst als technische Sensation in Bayern galt. Die erste ihrer Art im Freistaat wurde 1926 eröffnet und zog mit ihrer charmant holzverkleideten Kabine, die 14 Fenster, aber noch keine Fensterscheiben hatte, die Blicke auf sich. Plexiglasscheiben kamen erst nach ein paar Jahren dazu. Karl Dirnhofer, der Technische Leiter der Bayerischen Zugspitzbahn, bezeichnete die Bahn als „etwas Besonderes“. Und ganz recht hatte er, denn über 15 Millionen Menschen nutzten die alte Kreuzeckbahn bis zu ihrer Stilllegung am 7. April 2002.
Die alte Bahn war nicht nur ein Transportmittel, sondern ein Teil der Geschichte Garmisch-Partenkirchens. Während dieser 76 Jahre beförderte sie die Besucher mit einer Kapazität von 24 Personen pro Kabine und schaffte es, maximal 180 Personen pro Stunde zu transportieren. Bei der Stilllegung durchtrennte Dirnhofer feierlich die Original-Tragseile der alten Bahn. Danach wurde die neue Kreuzeckbahn eröffnet, die die alte Bergstation ersetzte und mit 34 Kabinen, die jeweils 15 Personen befördern, nun bis zu 2000 Gäste pro Stunde transportieren kann. Seit ihrer Eröffnung haben bereits gut 13 Millionen Personen diese moderne Seilbahn genutzt.
Ein Jubiläum der besonderen Art
Die Kreuzeckbahn wurde von einer Gruppe um Dr. Anton Welponer und Luis Zuegg initiiert, die 1924 die Kreuzeckbahn Aktiengesellschaft gründeten. Die Finanzierung belief sich auf rund 1,8 Millionen Reichsmark, was zu der Zeit eine beträchtliche Summe war. Die ursprüngliche Bahn hatte einen Geschwindigkeitsrekord von bis zu 5 Metern pro Sekunde. Die heutige Technologie hat natürlich einen Sprung gemacht. Interessanterweise plant man für das Jubiläum eine historische Ausstellung in der Bergstation, die am 28. Mai 2026 eröffnet wird. Die erste, originalgetreu nachgebaute Kabine wird dort zu sehen sein. Führungen zur Ausstellung sind ab 13 Uhr geplant, eine Anmeldung ist allerdings erforderlich.
Doch die Kreuzeckbahn ist nicht nur eine nostalgische Reise in die Vergangenheit. Sie ist ein lebendiger Teil des modernen Tourismus. Die Entwicklung von Seilbahnen hat sich im Laufe der Jahre enorm verändert. Einst reine Auf- und Abstiegshilfen, sind sie heute moderne Mobilitätsdienstleister. Adolf Bleichert, der Pionier des Seilbahnbaus, legte mit seiner Fabrik „Adolf Bleichert & Co.“ in Leipzig den Grundstein für die heutige Seilbahnindustrie. Die erste Seilschwebebahn der Welt, die Kohlernbahn in Bozen, wurde 1908 eröffnet und läutete eine neue Ära im Seilbahnbau ein.
In den letzten Jahrzehnten hat die Bedeutung von Seilbahnen durch den Ski- und Wintertourismus stark zugenommen. Gondelbahnen bieten heute Platz für bis zu 40 Personen, während Pendelbahnen sogar bis zu 200 Personen befördern können. Die Zugspitze-Seilbahn, die 2017 eröffnet wurde, ist ein weiteres Beispiel für die technischen Fortschritte – sie hat das längste freie Spannfeld der Welt. Heutige Seilbahnen bieten nicht nur Zugang zu den Bergen, sondern auch eine Vielzahl von Freizeitmöglichkeiten, vom Skifahren über Rodeln bis hin zu geführten Wanderungen.
Die Kreuzeckbahn bleibt ein wichtiger Teil dieser Entwicklung und ein beliebtes Ziel für Touristen und Einheimische gleichermaßen. Ob beim Flutlicht-Skifahren oder bei einer gemütlichen Fahrt in den Sommermonaten, sie verbindet Menschen mit der atemberaubenden Natur der Alpen. Ein Besuch lohnt sich allemal!
