Am 13. Juli 2026 versammelten sich 71 Schülerinnen und Schüler der 11. Jahrgangsstufe im Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasium in Kulmbach, um einer ganz besonderen Person zuzuhören: Mina Gampel, einer 86-jährigen Holocaust-Überlebenden. Die Veranstaltung fand in der Historischen Aula statt und wurde von der Georg-von-Vollmar-Akademie gefördert. Es war ein Tag, der sicherlich nicht nur für die Schüler, sondern auch für Gampel selbst von großer Bedeutung war.

Schulleiter Horst Pfadenhauer begrüßte Gampel und die Buchautorin sowie Rechtsextremismus-Expertin Birgit Mair herzlich. Gampel erzählte eindringlich von ihrer Flucht, den Verlusten, die sie erlitten hatte, und ihrem Neuanfang nach den schrecklichen Erlebnissen des Holocaust. Während sie sprach, konnten die Schüler die Schwere ihrer Worte förmlich spüren. Ihre Geschichten waren nicht nur Berichte über die Vergangenheit, sondern auch Warnungen für die Gegenwart. Gampel betonte, wie wichtig es ist, vor Radikalisierung zu warnen – ein Thema, das aktueller denn je ist.

Einblick in die Erfahrungen von Zeitzeugen

Parallel zu dieser Veranstaltung wird in der ersten Dezemberwoche ein weiteres wichtiges Projekt in Deutschland stattfinden. Acht Zeitzeugen des Holocaust reisen nach Limburg und Frankfurt, um mit Schülerinnen und Schülern über ihre Erfahrungen zu sprechen. Diese Initiative stammt von Marc Fachinger vom Bistum Limburg und ist das größte Zeitzeugenprojekt in Deutschland. Insgesamt haben sich über 1.300 Schülerinnen und Schüler aus verschiedenen Städten in Hessen angemeldet, um von den Geschichten dieser Überlebenden zu hören. Obwohl die Nachfrage groß ist, gibt es nur wenige Plätze.

Die Zeitzeugen kommen aus Ländern wie Belgien, Deutschland, der Ukraine, Polen und den USA. In verschiedenen Räumen werden die Geschichten mehrerer Zeitzeugen erzählt, sodass jede Schulklasse die Möglichkeit hat, unterschiedliche Perspektiven zu hören. Die Fragen der Schüler hängen stark von ihrer Vorbereitung ab – manchmal überraschen sie die Zeitzeugen mit ihrer Neugier. Oft berichten Schüler nach den Treffen von eigenen Erfahrungen mit Ausgrenzung und Flucht. Es ist ein Raum des Austauschs, in dem auch das Verständnis füreinander wachsen kann.

Die Bedeutung von Zeitzeugengesprächen

Die Gespräche mit Zeitzeugen sind nicht nur eine interessante Unterrichtseinheit, sie sind auch ein fester Bestandteil der schulischen und außerschulischen Behandlung der NS-Geschichte. Sie geben den Schülern Einblicke in die verheerenden Auswirkungen der nationalsozialistischen Ausgrenzungs- und Vernichtungspolitik. Ziel dieser Gespräche ist es, Empathie zu fördern und für Menschenrechte sowie Toleranz zu sensibilisieren. Zeitzeugen werden oft als Verfolgte des Nationalsozialismus betrachtet, und ihre Berichte gelten als historisch verbürgtes Wissen mit einer besonderen Deutungsautorität.

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Doch die Diskussion über diese Zeitzeugengespräche ist vielfältig. Kritische Stimmen hinterfragen die Instrumentalisierung von Zeitzeugen und die einseitige Fokussierung auf Verfolgte. Spannungen zwischen subjektiver Erinnerung und objektiver Geschichtsdarstellung sind nicht selten. Zudem wird die Möglichkeit, reale Begegnungen mit Zeitzeugen zu haben, durch den zeitlichen Abstand zu den NS-Verbrechen immer geringer. Zukünftige Holocaust-Erziehung wird sich daher stärker auf dokumentierte Berichte und Memoiren stützen müssen.

Die Erinnerungen und Geschichten von Menschen wie Mina Gampel und den Zeitzeugen in Hessen sind von unschätzbarem Wert. Sie helfen dabei, das Gedenken an die Opfer aufrechtzuerhalten und die Würde der Betroffenen wiederherzustellen. Und sie fordern uns alle heraus, aktiv gegen Hass und Antisemitismus einzutreten.

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