Heute ist der 20.05.2026 und wir blicken nach Kulmbach, wo die Taxifahrer in ernsthaften finanziellen Schwierigkeiten stecken. Uli Müller, der Chef der Kulmbacher Taxi-Union, lässt kein gutes Haar an der aktuellen Situation. „Die hohen Spritpreise sind katastrophal“, sagt er und deutet damit auf ein viel größeres Problem hin, das viele in der Branche betrifft. Seit 2009 ist Müller selbstständig und arbeitet direkt am Kulmbacher Bahnhof. Die letzte Preiserhöhung für Taxifahrten fand bereits 2023 statt, und die neuen Preise sind mit 2,30 Euro für die ersten fünf Kilometer und 2,10 Euro für jeden weiteren Kilometer festgelegt. Aber eine kostendeckende Preiserhöhung zu erreichen, ist ein Drahtseilakt. Denn wer weiß, ob die Kunden dann noch mitfahren?

Bevor eine solche Preiserhöhung beschlossen werden kann, müssen erst Genehmigungen vom Landratsamt und Kreistag eingeholt werden. Das klingt nach vielen Bürokratieschritten – und ist es auch. Müller merkt an, dass die Taxipreise in einigen Großstädten, wie Hamburg, schon deutlich höher sind. Dort lag der Preis im Vorjahr bei 2,80 Euro pro Kilometer. In Kulmbach hingegen wird eine Erhöhung, so schwierig sie auch sein mag, dringend benötigt, um die anhaltenden Kosten zu decken.

Die Auswirkungen der Pandemie

Die Situation für das deutsche Taxigewerbe ist nicht nur lokal ein Problem. Insgesamt hat die Branche seit Beginn der Corona-Krise etwa ein Fünftel ihrer Taxis, Unternehmen und Fahrer verloren. Der Bundesverband Taxi und Mietwagen schätzt, dass die Schrumpfung noch längst nicht vorbei ist. In Berlin gab es vor der Pandemie über 8000 Taxis, und im Januar 2022 waren es nur noch 5905. Die Corona-Pandemie hat viele Geschäftsbereiche des Taxigewerbes stark beeinträchtigt. Insbesondere der Tourismussektor, Messen, Geschäftsreisen, Flughafenfahrten und das Nachtleben wurden hart getroffen. Michael Oppermann, der Geschäftsführer des Bundesverbands, äußert Skepsis darüber, ob alle Bereiche je wieder die Werte vor der Pandemie erreichen werden.

Die Konkurrenz durch Fahrdienstvermittler wie Uber setzt dem klassischen Taxigewerbe zusätzlich zu. Zudem gibt es Rückforderungen von Corona-Hilfen, eine bevorstehende Erhöhung des Mindestlohns und die steigenden Preise für Sprit und Werkstattbesuche. Der Mindestlohn ist besonders kritisch, da er zwei Drittel der Kosten im Taxigewerbe ausmacht. Aktuell liegen die Spritpreise für Diesel etwa 40 Cent pro Liter über dem Durchschnitt der vergangenen Jahre, was die Situation zusätzlich verschärft. Oppermann fordert eine Anhebung der Taxi-Tarife, um die Mehrbelastungen auszugleichen. Am liebsten bis zur Mindestlohnerhöhung im Oktober – ein ambitioniertes, aber notwendiges Ziel.

Bürokratische Hürden

Doch wie bei vielen Dingen im Leben muss auch hier die Genehmigung zur Tariferhöhung von den Kommunen erteilt werden. Das kann bis zu einem Jahr dauern! Oppermann hält eine Anhebung um etwa ein Viertel für nötig, abhängig von den letzten Erhöhungen. Schaut man sich die Prognosen an, könnte ein Rückgang von insgesamt einem Drittel bei Fahrzeugen, Fahrern und Unternehmen durch die Pandemie drohen. Und auch mit den anstehenden Lockerungen der Corona-Maßnahmen rechnet er nicht damit, dass der Taxi-Schwund gestoppt werden kann. Es gibt einfach keine Nachholeffekte zu erwarten.

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So stehen die Taxifahrer in Kulmbach und ganz Deutschland vor einer ungewissen Zukunft. Die Herausforderungen sind groß, und es bleibt abzuwarten, wie sich die Branche entwickeln wird. Die Taxi-Union kämpft ums Überleben, während wir alle die Auswirkungen der Krise spüren – nicht nur auf den Straßen, sondern auch in unseren Portemonnaies.