In Landau in der Pfalz sorgt der Circus Krone für Aufregung. Auf den Plakaten des Zirkus wurden Aufkleber mit der markanten Aufschrift „Abgesagt wegen Tierquälerei“ entdeckt. Diese Aktion geht auf Hinweise aus der Bevölkerung zurück, die auf mögliche Missstände aufmerksam gemacht haben. Mehrere Plakatflächen im Stadtgebiet und im Umland sind betroffen, was die Gemüter noch mehr erhitzt. Circus Krone plant, die Vorfälle genau zu dokumentieren und zieht sogar in Betracht, die Polizei einzuschalten.

Der Verein „Schüler für Tiere“ hat bereits zehn Demonstrationen angekündigt, die jeweils eine Stunde vor jeder Vorstellung des Circus Krone stattfinden sollen. Sie argumentieren vehement, dass Wildtiere im Zirkus ihre natürlichen Bedürfnisse nicht ausleben können. Transport und Dressur würden zudem enormen Stress verursachen. Die Stadt Landau hat bereits eine Anmeldung für die Protestaktionen erhalten, wobei mit 20 bis 30 Teilnehmern pro Veranstaltung gerechnet wird. Circus Krone zeigt sich zwar respektvoll gegenüber dem Recht auf Meinungsfreiheit und friedlichen Protest, wünscht sich jedoch einen sachlichen Dialog.

Proteste und Vorfälle im Zirkus

Ein weiterer Vorfall, der die Diskussion um Tierhaltung im Zirkus angeheizt hat, fand am ersten Weihnachtsfeiertag in München statt. Hier feierte Circus Krone die Premiere seines neuen Winterprogramms. Doch die festliche Stimmung wurde durch Aktivisten der Gruppe „Animal Rebellion“ gestört, die Banner mit der Forderung „Tiere raus aus der Manege“ entrollten. Das Publikum reagierte gemischt: Während einige die Aktivisten ausbuhen, wurde das Licht im Zirkus während der Aktion abrupt gelöscht. Die Polizei musste eingreifen, mehrere der Aktivisten hatten sich jedoch schnell entfernt. Zwei Männer wurden wegen Hausfriedensbruchs und einer Ordnungswidrigkeit angezeigt.

Der Zirkuschef Martin Lacey wies die Vorwürfe bezüglich der Tierhaltung entschieden zurück. Er betonte, dass seine Mitarbeiter professionell handelten und die Unterbrechung der Show gefährlich für die Familien im Publikum war. Dennoch bleibt Circus Krone in der Kritik, insbesondere wegen der Dressur von Wildtieren. Scarlett Treml von Animal Rebellion äußerte schwerwiegende Vorwürfe über Gewalt und Misshandlungen bei der Tierdressur und forderte ein Verbot der Tiernutzung zu Unterhaltungszwecken durch die zuständigen Behörden.

Die Situation der Wildtiere im Zirkus

Die Debatten über die Bedingungen, unter denen Wildtiere in deutschen Zirkussen leben, sind alles andere als neu. Laut Pro Wildlife leiden diese Tiere häufig unter schlechten Haltungsbedingungen. Elefanten, Tiger und Löwen verbringen ihre Tage in engen Transportwägen und sind oft an Ketten gehalten. Die Organisation fordert ein Verbot der Wildtierhaltung im Zirkus, da Wildtiere nicht domestiziert sind und ihre Bedürfnisse in Gefangenschaft nicht erfüllt werden können. Verhaltensstörungen wie Apathie und Aggression sind nicht selten, und die Tiere zeigen oft stereotype Verhaltensweisen.

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Eine Umfrage aus dem Jahr 2015 hat zudem ergeben, dass zwei Drittel der Deutschen keine Wildtiere in Zirkussen sehen wollen. Immer mehr Zirkusse, wie Roncalli und Circus Flic Flac, verzichten auf die Haltung von Wildtieren und setzen auf menschliche Showacts. Diese Entwicklungen kommen in einem Land, das als einziges EU-Land keine Beschränkungen für Wildtiere im Zirkus hat, besonders zur Sprache. Ein Entwurf zur Tierschutz-Zirkusverordnung, der bestimmte Wildtierarten verbieten sollte, scheiterte zuletzt.

In der Zwischenzeit bleibt Circus Krone mit etwa 400 Angestellten und 250 Tieren der größte Zirkus in Deutschland. Das Veterinäramt hat den Circus zuletzt im Mai 2024 kontrolliert, ohne Beanstandungen. Der nächste Kontrolltermin ist bereits vereinbart. Doch die Diskussion um die artgerechte Haltung der Tiere und die ethische Vertretbarkeit der Zirkuskunst wird wohl noch lange weitergehen.