In Landsberg am Lech gibt es bald einen ganz besonderen Anlass. Am Sonntag, den 31. Mai, wird im Olympia Filmtheater die Original-Dokumentation „Roßhaupten – ein altes Projekt wird endlich Wirklichkeit“ gezeigt. Diese faszinierende Rückschau auf den Bau der Lechstaustufe 1, die heute als Forggensee bekannt ist, war über 60 Jahre nicht öffentlich zugänglich. Der Film, der zwischen 1950 und 1954 gedreht wurde, zeigt die beeindruckende Ingenieurskunst vom ersten Entwurf bis zur feierlichen Einweihung des Speichers.

Das historische Filmmaterial wurde von Uniper zur Verfügung gestellt und von Thomas Häring und Hubert Jäger digitalisiert und restauriert. Über 1500 Arbeiter waren damals an der größten Baustelle im Nachkriegsdeutschland beteiligt! Da kann man sich schon vorstellen, wie es dort zuging – eine wahre Hochburg des Schaffens und der Technik. Die technischen Highlights, wie das „Hosenrohr“, der größte Druckstollen, und die Kaplan-Turbinen, die eine Fallhöhe von 34 Metern überwinden, waren damals schlichtweg revolutionär.

Einblicke in die Vergangenheit

Die erste Vorführung in der Filmburg Marktoberdorf war bereits ausverkauft, was zeigt, dass das Interesse an der Geschichte des Forggensees und der Wasserkraft ungebrochen ist. Thomas Häring hat über ein Jahrzehnt an einem weiteren Film gearbeitet, der 2024 Premiere feierte und erfolgreich in Allgäuer Kinos läuft. Während seiner Recherchen kam er auch mit Carsten Gollum, dem Leiter der Kraftwerksgruppe Lech von Uniper, ins Gespräch. Ein Glücksfall, denn Gollum informierte ihn schließlich über den Fund des Materials, das für die Dokumentation so wichtig ist.

Die Digitalisierung des Kinomaterials umfasst nicht weniger als 53 Minuten und 76.000 Bilder! Das ist schon eine beeindruckende Menge, wenn man bedenkt, wie viel Arbeit und Mühe in der Restaurierung steckte. Man fragt sich, wie viele Geschichten sich wohl hinter diesen Bildern verbergen. Der Film ist nicht nur eine Hommage an die Ingenieurskunst vergangener Tage, sondern auch ein wichtiger Teil der regionalen Identität.

Die Bedeutung der Wasserkraft

Die Wasserkraft hat eine lange Geschichte, die bis in die Antike zurückreicht. Die Sesshaftigkeit der Menschen führte zu einem gesteigerten Bedarf an Wasserversorgung. Flüsse und Seen wurden lebenswichtige Ressourcen für Siedlungen und Anbauflächen. Anfangs nutzte man Muskelkraft, um Wasser zu fördern, doch die Entwicklung von Wassertechniken revolutionierte alles. Ab dem 5. Jahrhundert n. Chr. wurden oberschlächtige Wasserräder dokumentiert, die einen besseren Wirkungsgrad boten. Diese antiken Mühlenformen haben sich bis heute kaum verändert.

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Die Entwicklung hin zu Wasserturbinen, wie der Francis- oder der Pelton-Turbine, war ein großer Fortschritt in der Nutzung von Wasserkräften. Kaplan-Turbinen, wie sie auch im Forggensee zum Einsatz kommen, ermöglichen flache Krafthausbauten und sind damit sehr effizient. Die Technik hat sich also gewaltig weiterentwickelt und hat einen enormen Einfluss auf das Leben und die Wirtschaft seit dem 19. Jahrhundert. Es ist beeindruckend, wie aus den bescheidenen Anfängen der Wassernutzung heute so komplexe Systeme wie die Lechstaustufe 1 entstanden sind.

So wird der Film nicht nur eine nostalgische Reise in die Vergangenheit, sondern auch eine wertvolle Erinnerung an die Bedeutung der Wasserkraft für unsere heutige Welt. Wer also noch ein bisschen Zeit hat, sollte sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, die Geschichte des Forggensees auf der großen Leinwand zu erleben.