In Miesbach, wo die Tradition und die Zukunft der katholischen Kirche aufeinandertreffen, gab es kürzlich einen wichtigen Anlass: Die neuen Arbeitsräume des Dekanats wurden feierlich gesegnet. Generalvikar Christoph Klingan kam eigens vorbei, um mit dem Dekanatsteam über die aktuelle Situation in der Seelsorge und die Herausforderungen der Zukunft zu sprechen. Diese Räume sind nicht einfach nur Büros; sie sind der neue Mittelpunkt für die pastorale Arbeit, die der Dekan Michael Mannhardt und sein Team koordiniert.
Das Dekanatsteam ist ein bunt gemischter Haufen. Neben dem Dekan ist da noch Stefan Fischbacher, der Stellvertreter, Regina Sachse, die sich um die Pastoral für Kranke kümmert, Markus Holler, der für die Jugend zuständig ist, Joachim Baumann als Dekanatsreferent und Franziska Weiß, die den Dekanatsrat leitet. In den Gesprächen mit Klingan wurde auch der dringende Fachkräftemangel thematisiert, der nicht nur in Miesbach spürbar ist. Besonders die bevorstehenden Ruhestände werfen ihre Schatten voraus. Ziel der Kirche bleibt es, eine lebendige und menschnahe Seelsorge in allen Pfarreien aufrechtzuerhalten.
Herausforderungen der Seelsorge
Die Segnung dieser neuen Räume ist ein starkes Zeichen für die Anpassungsfähigkeit der Kirche, die sich den Herausforderungen der modernen Welt stellen muss. In Deutschland ist die Situation nicht rosig: Es gibt zu wenige Priester, Diakone und Pastoralreferenten, um offene Stellen zu besetzen. Nach dem Zweiten Vatikanum wurden zwar Diakone und Laienreferenten eingeführt, doch der Mangel an qualifizierten Seelsorgern nimmt rapide zu. Dies wird nicht nur durch die Anzahl der pensionierten Laientheologen verschärft, sondern auch durch den Missbrauchsskandal, der dazu geführt hat, dass die Kirche als Arbeitgeber an Attraktivität verloren hat.
Ein Lösungsansatz könnte die Einstellung von Sozialpädagogen als „Pastorale Mitarbeiter*innen“ sein, wie es bereits in einigen Bistümern praktiziert wird. Im Bistum Münster experimentiert man zudem mit multiprofessionellen Teams, die vielversprechende Ansätze für die Unterstützung der Seelsorge bieten. Auch an den theologischen Fakultäten wird an neuen Ausbildungsmodellen gearbeitet, die eine breitere Basis für die Seelsorge schaffen könnten, etwa durch digitale Angebote oder duale Studiengänge. So wird ab dem Wintersemester ein Onlinestudium für angehende Gemeindereferentinnen an der Katholischen Stiftungshochschule München angeboten. Das Bistum Passau unterstützt zudem einen neuen Masterstudiengang in Pastoraler Arbeit, der 2025 starten soll.
Rolle der Laien in der Kirche
Die Rolle der Laien in der katholischen Kirche gewinnt immer mehr an Bedeutung. Bei einem Treffen in Rom, dem „World Meeting of Lay Ministers“, kamen Seelsorgerinnen und Seelsorger aus aller Welt zusammen, um über die Stärkung der Laien zu diskutieren. Diese Bewegung umfasst mehrere tausend professionelle Laien, insbesondere in Nordamerika und im deutschsprachigen Raum. Die Vernetzung und der Austausch von Erfahrungen sind von zentraler Bedeutung, um die Herausforderungen der Seelsorge gemeinsam anzugehen.
Konstantin Bischoff, ein Pastoralreferent aus München, sprach sich für eine dauerhafte Vereinigung aus und betonte die Notwendigkeit, globale Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu erkennen. Die Diskussion über Geschlechtergerechtigkeit in Ämtern und Leitungspositionen ist ebenfalls ein wichtiges Thema. Hieran wird deutlich, dass die Kirche vor einer tiefgreifenden Transformation steht, die nicht nur die Strukturen, sondern auch die Herangehensweisen an die Seelsorge betrifft.
In Miesbach wird mit den neuen Arbeitsräumen ein weiterer Schritt in diese Richtung gegangen. Es bleibt zu hoffen, dass die Anpassungsfähigkeit der Kirche auch weiterhin Früchte trägt und die Seelsorge lebendig und nah am Menschen bleibt.