Ein skurriler Fall hat am Mittwoch das Amtsgericht in München beschäftigt. YouTuber Marvin Wildhage, bekannt für seine aufwendigen Pranks und investigativen Aktionen, stand wegen Urkundenfälschung und Erschleichens von Leistungen vor Gericht. Der junge Mann hatte sich während der Fußball-Europameisterschaft 2024 als falsches EM-Maskottchen verkleidet und damit das Eröffnungsspiel in der Allianz Arena betreten. Ziel seiner Aktion war es, auf Sicherheitslücken der UEFA aufmerksam zu machen. Er hatte ein gefälschtes Kostüm und gefälschte Akkreditierungen genutzt, um ins Stadion zu gelangen. Dabei dokumentierte er die Vorbereitungen und den Eröffnungstag in einem Video, das über 3,1 Millionen Aufrufe verzeichnete. Die Staatsanwaltschaft warf ihm vor, im Juni 2024 unberechtigt am Spielfeld aufgehalten worden zu sein.
Die Hauptverhandlung fand am Amtsgericht München statt, und das Urteil fiel nicht mild aus: Wildhage muss 60 Tagessätze zu je 150 Euro zahlen. Zudem werden ihm 5.400 Euro aus den Videoeinnahmen eingezogen. Die Richterin begründete das Urteil mit seiner Schuld an Urkundenfälschung und Erschleichen von Leistungen. Seine Verteidigerin plädierte zwar auf Freispruch und argumentierte, dass Wildhage mit seinem persönlichen Einsatz für die Sicherheit der Spiele ein wichtiges Anliegen verfolge, doch die Richterin sah dies anders.
Sicherheitslücken und kreative Täuschung
Wildhage, der in der Vergangenheit durch die Konfrontation von Influencern und Unternehmen mit Täuschungsaktionen auf sich aufmerksam gemacht hatte, schaffte es, mit seinem gefälschten Kostüm in die Allianz Arena zu gelangen. Komischerweise fiel er dort zunächst nicht auf. Sogar der ehemalige Fußballprofi Mario Gomez machte ein Foto mit ihm! Die Aktion führte jedoch zu ernsthaften juristischen Konsequenzen. Es war nicht das erste Mal, dass Wildhage mit seinen Aktionen für Aufsehen sorgte; er hatte bereits zuvor durch kreative Täuschungen auf Sicherheitsmängel hingewiesen.
Die Herstellung seines Kostüms war eine eigene kleine Odyssee. Das erste Kostüm war qualitativ schlecht und musste durch eine zweite, teurere Version ersetzt werden, die mehrere tausend Euro kostete. Wildhage und sein Begleiter hatten sogar täuschend echte Akkreditierungen und einen Parkausweis angefertigt, indem sie öffentlich gepostete Bilder von Mitarbeiterausweisen zur Nachahmung nutzten. Am Spieltag passierten sie mit einem beklebten Transporter die Kontrollen und hatten damit zunächst Erfolg.
Ein Urteil mit weitreichenden Folgen
Der Fall wirft viele Fragen auf, insbesondere bezüglich des Tatbestands des Erschleichens von Leistungen, da Maskottchen-Darsteller normalerweise bezahlt werden. Auch die Diskussion über mögliche andere Straftaten, wie etwa Hausfriedensbruch, könnte interessant sein, da Wildhage durch die Ordner Zutritt zum Stadion erhalten hatte. Die UEFA versuchte sogar, die Veröffentlichung der Videos zu verhindern, was weiteres juristisches Geplänkel nach sich zog. Schließlich erließ das Amtsgericht München 20 Monate nach der Aktion einen Strafbefehl auf Antrag der Staatsanwaltschaft, was die ganze Situation noch komplizierter machte.
Marvin Wildhage bleibt in der Öffentlichkeit ein umstrittenes Thema. Seine Aktionen, die oft sowohl unterhaltsam als auch brisant sind, stellen die Grenzen von Humor und rechtlichem Handeln in Frage. Während einige seine Kreativität bewundern, sehen andere in seinen Methoden eine ernstzunehmende Bedrohung für die Sicherheit. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Diskussion um seine Art von „Kunst“ und deren rechtliche Konsequenzen entwickeln wird. Weitere Informationen zu diesem Fall und dessen Hintergründen finden Sie unter Spiegel Online oder in einem ausführlichen Blogbeitrag auf Jura Online.
