Heute ist der 2.06.2026 und es gibt traurige Nachrichten aus Nürnberg. Lucius Grisebach, der Gründungsdirektor des Neuen Museums Nürnberg, ist im Alter von 83 Jahren verstorben. Sein Tod hinterlässt eine große Lücke in der Kunstszene, nicht nur in Nürnberg, sondern auch darüber hinaus. Grisebach war nicht nur ein renommierter Kunsthistoriker, sondern auch eine prägende Figur in der deutschen Museumslandschaft. Er trat 2007 in den Ruhestand, doch sein Erbe wird das Neue Museum und seine Besucher noch lange beeinflussen. Er stellte klare Ideen ohne Kompromisse in den Vordergrund – und genau das schätzten viele an ihm. Seine Visionen haben die Institution nachhaltig geprägt.
Grisebach wurde 1942 in Marburg geboren und war der Sohn des bekannten Kunsthistorikers Lothar Grisebach. Ganz in der Tradition seiner Familie wuchs er mit Kunst und Kultur auf. Sein Großvater, der Philosoph Eberhard Grisebach, und seine Urgroßeltern, Helene und Lucius Spengler, waren ebenfalls in der Kunstszene aktiv, was seinen Weg in die Kunstgeschichte nur begünstigte. Nach dem Abitur 1962 studierte er Kunstgeschichte, Klassische Archäologie und Philosophie an der Universität Freiburg und der Freien Universität Berlin. 1972 promovierte er über den holländischen Maler Willem Kalf. In den darauffolgenden Jahren sammelte er wertvolle Erfahrungen, unter anderem als Kustos an der Neuen Nationalgalerie in Berlin und als Direktor der Kunsthalle Nürnberg.
Ein Leben für die Kunst
Seine besondere Faszination galt dem deutschen Expressionismus und der zeitgenössischen Kunst. 1997, nach Jahren der Vorbereitung, wurde er schließlich Gründungsdirektor des Neuen Museums Nürnberg. In dieser Rolle setzte er Maßstäbe und sorgte dafür, dass die Institution schnell zu einem bedeutenden Ort für Kunst und Design wurde. Sein Engagement für die Kunst war unermüdlich, und er war seit 1999 Sprecher der Kunst- und Kulturhistorischen Museen im Deutschen Museumsbund. Sein Wirken wird als einflussreich und wegweisend angesehen.
Privat war Lucius Grisebach nicht nur ein bedeutender Wissenschaftler, sondern auch ein liebevoller Familienvater. Er hinterlässt seine Frau Annemarie Hürlimann und zwei Töchter, die in der Kreativbranche tätig sind – die Filmregisseurin Valeska Grisebach und die Schauspielerin Anna Grisebach. Grisebach lebte als freiberuflicher Kunsthistoriker in Rüschlikon bei Zürich und war weiterhin aktiv, auch wenn er bereits im Ruhestand war. Sein literarisches Werk ist ebenfalls bemerkenswert und umfasst Publikationen zu bedeutenden Künstlern und Strömungen, die die Kunstgeschichte prägten.
Der Verlust von Lucius Grisebach ist nicht nur ein Verlust für die Stadt Nürnberg, sondern für die gesamte Kunstgemeinschaft. Sein klarer Blick für Kunst und sein unermüdlicher Einsatz für die Kultur wird in Erinnerung bleiben. Die Institution, die er maßgeblich geprägt hat, wird weiterhin von seinen Ideen und seiner Vision profitieren. Die Kunstszene in Deutschland hat einen ihrer großen Köpfe verloren, und es bleibt zu hoffen, dass sein Erbe auch zukünftige Generationen inspiriert.
