Heute ist der 15.05.2026 und die Stadt Nürnberg kann sich über einen neuen, aufregenden Wohnprojektbeginn freuen, der auf ganz besondere Weise ins Leben gerufen wurde. Der Startschuss für das Wohnprojekt „Regen406“ fiel nicht mit einem klassischen Spatenstich, sondern feierlich mit Konfetti und Sonnenschein. Es ist ein Projekt, das so viel mehr ist als nur ein weiteres Bauvorhaben. Der Name „Regen406“ leitet sich von der Hausnummer in der Regensburger Straße ab und steht für die Vision und den Willen der Projektgruppe, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen – und das in einem seit vielen Jahren leerstehenden Gebäude.
Die Projektgruppe, bestehend aus 17 Erwachsenen, acht kleinen Kindern und einem Hund, hat sich zusammengefunden, um dieses große Ziel zu erreichen. Sie bringen nicht nur frischen Wind, sondern auch viel Herzblut in dieses Vorhaben. Das denkmalgeschützte Gebäude, das seit 1939 besteht und eine Fläche von rund 1.000 Quadratmetern hat, wurde nach langen Verhandlungen mit der Stadt Nürnberg in Erbpacht erworben. Der Kaufpreis? Ein Euro! Ein bemerkenswerter Abschluss, der im Dezember 2025 vollzogen wird.
Ein nachhaltiger Ansatz
Die Regen406 GmbH ist der rechtliche Eigentümer des Hauses, während ein Hausverein die Verwaltung übernimmt. Unterstützung erhält die Gruppe vom Mietshäuser Syndikat aus Freiburg, das eine Minderheitsbeteiligung an der Immobilie hält. Dieses Syndikat hat bereits über 210 Projekte bundesweit realisiert und ist bekannt dafür, solidarische Wohnprojekte zu unterstützen. Aktuell sind weitere 20 Projekte in Planung, und alle Hausvereine sind Mitglieder dieses wertvollen Netzwerks. Der Solidartransfer, ein zentraler Bestandteil dieser Initiative, ermöglicht es, dass bestehende Projekte neue Hausprojekte aus einem gemeinsamen Topf unterstützen. Das zeigt, wie wichtig Gemeinschaft und Zusammenarbeit sind!
Die Finanzierung für „Regen406“ ist ebenfalls bemerkenswert. Mit Gesamtkosten von 2,4 Millionen Euro wird ein Förderkredit von der KfW-Bank in Höhe von 1,2 Millionen Euro in Anspruch genommen. Der Restbetrag wird durch Direktkredite von Unterstützern, Freunden und Familien aufgebracht. Bisher sind bereits 850.000 Euro gesammelt worden. Direktkredite bieten nicht nur eine lokale und nachhaltige Geldanlage, sondern auch Zinsen zwischen 0,0 und 2,0 Prozent. Das ist doch mal eine spannende Möglichkeit für viele, die sich für soziale Mieten interessieren!
Ein Ort mit Geschichte
Die Historie des Gebäudes ist ebenso spannend wie die Zukunft, die die Projektgruppe plant. Während des Dritten Reichs diente es als Unterkunft für die Deutsche Arbeitsfront, später für US-Soldaten und schließlich als Altenheim. Nun wollen die neuen Bewohner dem Ort neues Leben einhauchen, mit einer klaren Vision für bezahlbares Wohnen und Nachhaltigkeit. Sie setzen ein starkes Zeichen gegen Immobilienspekulationen und schaffen einen Ort, der nicht nur Wohnraum, sondern auch Gemeinschaft bietet.
An einem Tag der offenen Tür konnten Interessierte bereits einen Blick in die Zukunft werfen, während sie sich bei Kuchen und veganer Pizza über das Projekt informierten. Bevor die Sanierungsarbeiten beginnen, ist es wichtig, dass die zukünftigen Bewohner und Unterstützer einen Einblick in ihr neues Zuhause bekommen. „Regen406“ wird nicht nur ein Wohnort, sondern ein Ort der Begegnung und des Miteinanders.
Das Mietshäuser Syndikat, das auch in diesem Projekt eine wichtige Rolle spielt, hat eine lange Geschichte in der Unterstützung solidarischer Wohnprojekte. Von 1992 bis 2002 zahlten Mieter*innen der älteren Syndikatsprojekte monatlich 25 Cent je m² Nutzfläche in einen Solidarfonds. Dieses Geld wurde dann genutzt, um neue Projekte zu fördern. Ab 2002 wurden die Beiträge an die jeweiligen Projekte angepasst, und der Solidartransfer wurde 2012 auf einer Mitgliederversammlung beschlossen. Aktuell gibt es eine Vielzahl von Formen des Solidartransfers, die es ermöglichen, dass Altprojekte neue Projekte unterstützen und so eine nachhaltige Entwicklung gefördert wird.
Und während die Vorbereitungen für die Sanierung von „Regen406“ auf Hochtouren laufen, bleibt abzuwarten, welche Geschichten sich in diesem geschichtsträchtigen Gebäude entfalten werden. Eins ist sicher: Hier wird nicht nur gewohnt, sondern gelebt und geliebt. Ein neues Kapitel in der Geschichte Nürnbergs beginnt – und wir dürfen gespannt sein!