In Regensburg, der charmanten Stadt mit ihren verwinkelten Altstadtgassen, wird an Pfingsten ein großes Fest gefeiert. Die erste Hitzewelle des Jahres hat die Stadt in eine tropische Oase verwandelt, die sowohl Einheimische als auch Touristen anzieht. Einheimische und Trachten tragende Gäste der Maidult – ein Fest, das man einfach erlebt haben muss – mischen sich mit Klassikbegeisterten, die den Klängen von Johann Sebastian Bach und anderen Meisterwerken lauschen. Dieses Jahr findet das Festival unter dem Titel „Tage Alter Musik“ (TAM) statt, und es ist wirklich ein Ereignis, das man nicht verpassen sollte. Insgesamt 18 Konzerte werden von Freitag bis Montag in historischen Sälen und Kirchen der Stadt gegeben. Die hohe Kirchendichte in Regensburg bietet die perfekte Kulisse für solche Darbietungen.
Obwohl die allgemeine Krise in der klassischen Musikszene spürbar ist, strömen die Menschen in die Konzerte. Das Festival gilt als eines der wichtigsten europäischen Festivals für historische Aufführungspraxis. Die Besucher sind begeistert von dem abwechslungsreichen Programm, das nicht nur bekannte Werke umfasst, sondern auch weniger bekannte Komponisten wie Giovanni Priuli und Christoph Strauss präsentiert. Besonders hervorzuheben ist die Aufführung von Strauss‘ „Requiem“ durch gleich drei Ensembles: Hathor Consort, Ensemble Oltremontano und Pluto-Ensemble. Die Darbietungen sind so eindrucksvoll, dass viele Klassikfreunde zur Abkühlung in die kühlen Kirchen flüchten.
Ein Fest für die Sinne
Die Atmosphäre ist lebhaft. Überall hört man das Lachen von Studenten, das Geplapper von Touristen und die festliche Stimmung der Einheimischen. Die Regensburger Domspatzen, die beim Auftaktkonzert auftraten, sorgten für einen feierlichen Rahmen, auch wenn ihre Interpretation von Bachs Musik nicht ohne Kritik blieb. Fünf talentierte Frauen, darunter die Gambistin Lucile Boulanger und die Zwillingsschwestern Judith und Tineke Steenbrink, setzten prägende Akzente in der Herrenrunde der Musiker. Das Festival bietet auch Vernetzungsmöglichkeiten für Musiker und Publikum, die in kleinen Restaurants und Kneipen ins Gespräch kommen.
Ein weiteres Highlight war die umfassende Präsentation historischer Instrumente im Salzstadel. Hier konnten die Besucher alles von Cembali über Blockflöten bis hin zu Geigenbögen bewundern. Wer sich für die Hintergründe der Musik interessiert, hatte die Chance, an kostenlosen Gesprächskonzerten teilzunehmen, die wertvolle Einblicke in die Welt der alten Musik boten. Das Festival zieht dabei nicht nur ein heimisches Publikum an, sondern auch internationale Gäste, sogar aus den USA. Die Begeisterung ist spürbar, und die Stadt hat sich mit ihren historischen Räumen perfekt herausgeputzt.
Ein Ausblick auf 2024
Nachdem die Tage Alter Musik in diesem Jahr ein voller Erfolg waren, gibt es bereits Vorfreude auf das nächste Jahr. Die Veranstaltung findet 2024 wieder vom 17. bis 20. Mai statt. Die Veranstalter Ludwig Hartmann, Stephan Schmid und Paul Holzgartner erwarten erneut ein volles Haus, denn das Kontingent von 8819 Tickets für 16 Konzerte ist bereits größtenteils verkauft. In den kommenden Jahren sollen auch neue Talente wie das Barockorchester Les Ombres auftreten. Ein weiteres Highlight wird die Präsentation eines nachgebauten Hammerflügels für Beethovens Interpretation sein. Solche Entwicklungen zeigen, dass die Tage Alter Musik in Regensburg nicht nur ein Fest der Klänge sind, sondern auch eine Plattform für Innovation und Austausch bieten.
