Cylib übernimmt stillgelegte Batterierecycling-Anlage in Wernberg-Köblitz
In einem spannenden Schritt für die Recyclingbranche hat der Aachener Batterierecycler Cylib eine stillgelegte Anlage zur Wiederaufbereitung von Batterien in Wernberg-Köblitz, Oberpfalz, übernommen. Diese Entscheidung kam im Rahmen eines Insolvenzverfahrens der Roth International GmbH, die zuvor die Betreiberin des Standorts war. Die Pläne von Cylib sind ambitioniert: Hier sollen ausgediente E-Fahrzeugbatterien entladen, demontiert und mechanisch zu Schwarzmasse verarbeitet werden. Der Start der neuen Anlage ist noch für dieses Jahr angesetzt – ein wichtiger Meilenstein, bevor die geplante Großanlage im Chempark Dormagen hochgefahren wird. In dieser Großanlage will das Unternehmen mit eigener Technologie Lithium, Graphit, Nickel, Kobalt und Mangan aus der gewonnenen Schwarzmasse separieren. Mehr Informationen dazu finden sich in einem Artikel von Euwid Recycling.
Das Vorhaben von Cylib ist nur ein Teil eines größeren Trends, der sich derzeit in Europa abzeichnet. Die Recyclingkapazitäten für Lithium-Ionen-Batterien werden bis zum Jahr 2026 voraussichtlich auf über 400.000 Tonnen pro Jahr ansteigen. Dabei ist es wichtig zu verstehen, dass nicht alle Recyclinganlagen die gleiche Recyclingtiefe anbieten können. Die Verarbeitungskapazität bezieht sich auf die maximale Masse an Batterien, die jedes Jahr am jeweiligen Standort bearbeitet werden kann. Es gibt eine Vielzahl von Recyclingrouten – die Hydrometallurgie ist in Europa weit verbreitet, während andere Methoden wie Pyrolyse oder Pyrometallurgie eher selten eingesetzt werden. Diese Vielfalt ist entscheidend, um den unterschiedlichen Anforderungen der Branche gerecht zu werden.
Die Rolle von Pretreatment und Refinement
Ein zentraler Aspekt des Recyclingprozesses ist das Pretreatment, das nicht nur die Schwarzmasseproduktion umfasst, sondern auch die Demontage der Gehäuse und Tests für Second-Life-Anwendungen. Dies ist eine spannende Entwicklung, denn immer mehr Recyclingprojekte integrieren sowohl Pretreatment- als auch Refinement-Aktivitäten an einem Standort. Besonders interessant ist, dass der Transport von Lithium-Ionen-Batterien als Gefahrgut teuer ist. Daher erweist sich der Weitertransport von Schwarzmasse – die aus den Spokes kommt – zu den Hubs als technisch und regulativ einfacher.
Aktuell liegen die installierten Kapazitäten für die Verarbeitung von Schwarzmasse in Europa bei etwa 130 Kilotonnen pro Jahr. Bis 2030 könnten diese Kapazitäten auf rund 350 Kilotonnen pro Jahr steigen. Ein weiterer Punkt, den es zu beachten gilt: Europa ist derzeit Nettoexporteur von Schwarzmasse, was die tatsächlichen Kapazitäten im Refinement beeinflusst. Das heißt, dass wir zwar viel recyceln, aber auch viele Materialien ins Ausland schicken. Diese Dynamik könnte sich in den kommenden Jahren weiter verändern, wenn die Recyclingkapazitäten ausgebaut werden. Die meisten Akteure planen mehrere Standorte für ihre Recyclingaktivitäten, was darauf hindeutet, dass der Markt sich stetig weiterentwickelt.
Die Recyclinglandschaft in Europa ist also in Bewegung. Während einige Projekte gescheitert sind, zum Beispiel Eramet in Frankreich oder BASF in Spanien, wächst die Recyclingkapazität dennoch. Bis 2030 wird die angekündigte Gesamtkapazität für das Refinement auf beeindruckende 820 Kilotonnen pro Jahr ansteigen. Man kann nur gespannt sein, wie sich diese Entwicklungen in den kommenden Jahren entfalten werden und welche Rolle Firmen wie Cylib dabei spielen werden.
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