Am 30. April 2026 war es soweit: Otto Gaßner und Winfried Wobbe, zwei prägende Persönlichkeiten der Starnberger Stadtpolitik, hielten ihre letzte Sitzung im Stadtrat ab. Nach über 70 Jahren gemeinsamer Arbeit in der Kommunalpolitik der Unabhängigen Wählergemeinschaft (UWG) ziehen sie sich zurück. Es ist ein bittersüßer Moment – nicht nur für die beiden Herren, sondern auch für die Bürger Starnbergs, die viel von ihrem Engagement profitiert haben.

Heribert Thallmair, ehemaliger Altbürgermeister, würdigte in einer bewegenden Ansprache ihr unermüdliches Engagement für die Stadt und ihre Bürger. Gaßner, der mit 74 Jahren als das dienstälteste Mitglied des Stadtrats gilt, hat eine lange politische Tradition in seiner Familie; sein Großvater war bereits 1926 2. Bürgermeister. Auch wenn er in München arbeitete und in einem Internat in Ettal war, blieb Starnberg stets seine Heimat. Gemeinsam mit Wobbe, der 39 Jahre am Gymnasium Starnberg unterrichtete und in seiner Jugend aktiv in Sport und Musik war, hat er die Stadt maßgeblich mitgestaltet.

Ein Blick zurück auf die politische Laufbahn

Beide Männer traten 1996 in den Stadtrat ein, nachdem Gaßners Mutter ausgeschieden war. Gaßner setzte sich stark für die Entwicklung der Seeanbindung und den Bau des Bahnhofs Nord ein. Letzterer war zwar umstritten, aber Wobbe stimmte dennoch dafür – eine Entscheidung, die ihm nicht nur Anerkennung, sondern auch Kritik einbrachte. Die beiden betonen jedoch die Wichtigkeit des ehrenamtlichen Engagements und der Demokratie, ein Wert, den sie über all die Jahre hochgehalten haben.

„Ehrenamtliches Engagement ist das Rückgrat unserer Demokratie“, sagt Gaßner, während er in die Zukunft blickt. Bedauerlicherweise hat er jedoch auch die Umsetzung der Seeanbindung als unerledigte Aufgabe hinterlassen. Wobbe hingegen sieht die Erfolge in kleineren Projekten, wie dem Aktionstag „Starnberg bewegt“ und dem Jugendtreff Nepomuk. „Wenn wir jünger wären, würden wir sofort wieder kandidieren“, fügt Wobbe mit einem Schmunzeln hinzu.

Die Herausforderungen der Kommunalpolitik

In einem größeren Kontext betrachtet, zeigt sich, dass das ehrenamtliche Engagement in der Kommunalpolitik nicht nur in Starnberg Herausforderungen mit sich bringt. In Sachsen beispielsweise war bei den Gemeinderatswahlen 2024 die Bereitschaft der Bürger zur Kandidatur unterschiedlich ausgeprägt. In einigen Städten gab es mehr Bewerber als Plätze, während in anderen nicht alle Mandate besetzt werden konnten – das könnte langfristig negative Auswirkungen auf die Demokratie haben. Dies ist ein Signal, dass auch in Starnberg die Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung in der Politik gefördert werden muss.

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Die Analyse regionaler Muster und statistischer Zusammenhänge, wie sie in einem Projekt zur kommunalpolitischen Engagementforschung verfolgt wird, könnte wertvolle Erkenntnisse liefern. Die Frage, was die Bürger dazu bewegt, sich zu engagieren oder darauf zu verzichten, ist entscheidend für die Zukunft unserer Demokratie. Vielleicht können die Erfahrungen von Gaßner und Wobbe anderen als Inspiration dienen, sich ebenso für ihre Gemeinde einzusetzen.

Insgesamt bleibt festzuhalten, dass die Abgänge von Gaßner und Wobbe eine Ära beenden, die viele Starnberger geprägt hat. Ihre Leidenschaft und ihr Einsatz werden in der Stadtpolitik fehlen. Doch wie sie selbst gesagt haben: Das Ehrenamt lebt von der Gemeinschaft und der Bereitschaft, sich für andere einzusetzen. Und genau das ist es, was Starnberg weiterhin braucht.