Im malerischen Landkreis Traunstein, genauer gesagt im Kreisaltenheim Palling, sorgt seit dem Sommer ein innovativer Telemedizin-Koffer für frischen Wind in der Pflege. Die Pflegedienstleiterin Katharina Strobl berichtet von durchweg positiven Erfahrungen bei der Behandlung von Bewohnern, die mit Fieber und Bluthochdruck zu kämpfen hatten. Das Besondere? Ein 94-jähriger Bewohner, der über Übelkeit, Schwindel und Kopfschmerzen klagte, konnte dank des Koffers schnell versorgt werden. Pflegekräfte messen Vitaldaten wie Blutdruck, Sauerstoffsättigung und Herzfrequenz und übermitteln diese direkt an einen Arzt – eine wahre Erleichterung im Alltag!

Diese technische Unterstützung hat auch die Möglichkeit eröffnet, per Videocall einen Hausarzt oder einen Telemediziner der Technischen Universität München (TUM) zu erreichen. Der Arzt diagnostizierte bei dem besagten Bewohner Bluthochdruck und verschrieb Medikamente, die direkt im Pflegeheim bereitgestellt wurden. Ein Krankenhausaufenthalt konnte so abgewendet werden, was dem Bewohner viel Stress und Leid ersparte. Dieses Projekt zielt darauf ab, überfüllte Notaufnahmen zu entlasten und unnötige Klinikaufenthalte zu reduzieren. Die Kooperation zwischen dem Landratsamt Traunstein, den Hausärzten und dem TUM-Klinikum entstand übrigens während der Corona-Zeit – eine Zeit, die uns alle vor Herausforderungen stellte und neue Wege aufzeigte.

Die Vorteile der Telemedizin im Pflegealltag

Insgesamt wird die telemedizinische Versorgung mittlerweile in drei Pflegeheimen im Landkreis Traunstein angeboten und hat sich als äußerst effektiv erwiesen. Häufige Einsätze des Koffers gab es bei Harnwegsinfekten, Stürzen und bei der Abklärung von Wunden. Die Ärzte berichten, dass die übermittelten Daten ihre Entscheidungsfindung erheblich erleichtern. Allerdings bringt die zusätzliche Verantwortung für die Pflegekräfte auch mehr Aufwand mit sich. Es ist nicht immer einfach, aber die Telemedizin fördert die Teamarbeit zwischen Pflegekräften und Ärzten. Das Programm auf dem Tablet ist benutzerfreundlich gestaltet, sodass auch weniger technikaffine Mitarbeiter gut damit zurechtkommen.

Ein kleiner Wermutstropfen bleibt: Der Koffer wird nicht allzu häufig benötigt, da der Kontakt zu den Hausärzten im Heim gut ist. Aber besonders nachts und am Wochenende erweist sich die Technik als äußerst hilfreich. Ein weiterer positiver Aspekt ist, dass das Projekt 2026 evaluiert werden soll, und vielleicht könnte es als Modell für andere Regionen in Deutschland dienen. Und das Beste: Es wurde für den Telemedizinpreis durch die Deutsche Gesellschaft für Telemedizin nominiert. Das ist doch mal ein Grund zur Freude!

Herausforderungen und Perspektiven der Telepflege

Doch wie sieht es eigentlich mit der breiteren Nutzung von Telepflege aus? Es gibt durchaus Chancen in den Bereichen Beratung, Kommunikation und Entlastung von Präsenzleistungen. Besonders in ländlichen, dünn besiedelten Gebieten profitieren Pflegekräfte, Pflegebedürftige und deren Angehörige von Telepflege-Anwendungen. Aber es stehen auch einige Hürden im Weg. Hohe Datenschutz- und Dokumentationsanforderungen, technische und infrastrukturelle Barrieren sowie der Bedarf an stabilen Internetverbindungen und geeigneten Endgeräten sind nur einige der Herausforderungen, die es zu überwinden gilt.

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Die Akzeptanz der Telepflege ist dabei ein weiterer wichtiger Punkt. Sie variiert stark bei Pflegekräften und Pflegebedürftigen. Hier sind Schulungen entscheidend, um eine breite Nutzung zu gewährleisten. Telepflege kann Präsenzkontakte nicht ersetzen, aber sie kann sie sinnvoll ergänzen. Sie schafft eine neue Flexibilität, verbessert die Erreichbarkeit und eröffnet neue Wege zur Einbeziehung von Pflegebedürftigen. Um den Mehrwert der Telepflege in der Praxis zu realisieren, sind geeignete Technik, gute Schulung und klare Strukturen unerlässlich.

Die Ergebnisse eines Modellprogramms werden am 27. November der Fachöffentlichkeit vorgestellt und fließen in die Arbeit des Kompetenzzentrums Digitalisierung und Pflege ein, das Leitfäden, Schulungen und Informationsmaterial entwickelt. Auf lange Sicht sollen diese Ergebnisse Grundlagen für bundesweite Standards bilden. Telepflege ist also nicht nur ein Trend, sondern könnte ein bedeutender Baustein einer modernen Pflege sein und zur Versorgung in ressourcenschwachen oder weitläufigen Gebieten maßgeblich beitragen.