In Würzburg hat die renommierte Stiftung Juliusspital im letzten Jahr den Bayerischen Staatspreis für nachhaltige Waldbewirtschaftung erhalten. Doch der Klimawandel macht der Stiftung und ihren Wäldern schwer zu schaffen. Matthias Wallrapp, der Geschäftsbereichsleiter für Weinbau, Landwirtschaft und Forstbetrieb, verwaltet stolze 3350 Hektar Wald in Bad Kissingen und Main-Spessart. Die Herausforderungen, die durch die anhaltende Trockenheit entstehen, sind enorm. Wallrapp betont die Dringlichkeit ausreichender Niederschläge, insbesondere in den Wachstumsmonaten Mai und Juni.

Aktuell ist der Boden in der Region fast ausgetrocknet. Die Wasserdefizite in den Unterböden sind alarmierend und zeigen sich in den Wäldern durch trockene Böden, die das Anwachsen neuer Pflanzen verhindern. Auch die Altbäume leiden: Sie treiben nur kleinblättrig aus, und die Buchen haben Blätter, die nur halb so groß sind wie üblich. Die Baumkronen werden immer dünner – ein besorgniserregendes Zeichen für den Wassermangel. Regenfälle und kühlere Temperaturen Mitte Mai boten zwar eine kurzfristige Erleichterung, doch die langfristige Prognose bleibt düster.

Alarmierende Zustände in den Wäldern

Die Situation ist nicht nur in Würzburg kritisch. Ein Blick auf das weitere Deutschland offenbart ein alarmierendes Bild: Im Sauerland und Harz sind riesige Flächen mit abgestorbenen Fichten zu sehen. Laut Berichten sind vier von fünf Bäumen in Deutschland krank. Besonders die Fichtenbestände im Harz, Erzgebirge und Thüringer Wald sind hart betroffen. Aber auch andere Baumarten wie Buche und Kiefer können sich den extremen Bedingungen nicht entziehen.

Ursache sind der Klimawandel, höhere Temperaturen sowie häufigere Dürreperioden und Extremwetterereignisse. Diese Faktoren schwächen die Bäume und machen sie anfälliger für Schädlinge wie den gefürchteten Borkenkäfer. Seit 2018 sind über 700.000 Hektar Schadflächen entstanden, was wirtschaftliche Schäden von mehr als 25 Milliarden Euro verursacht hat. Die Monokulturen aus Fichte und Kiefer, die historisch nach den Weltkriegen großflächig angepflanzt wurden, erweisen sich als besonders anfällig.

Ein Wandel ist nötig

Die Lösung könnte in der Umwandlung hin zu artenreichen Mischwäldern liegen. Ziel ist, widerstandsfähige Bestände gegen Trockenheit, Hitze und Sturmschäden zu schaffen. Empfohlene heimische Baumarten wie Eichen, Buchen und Ahorn sind gefragt, und es wird sogar an klimaresilienten Arten aus dem Mittelmeer- oder südosteuropäischen Raum geforscht. Ein wichtiger Begriff in diesem Zusammenhang ist „Standortdrift“, der die schnelle Veränderung der natürlichen Bedingungen durch den Klimawandel beschreibt.

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Doch der Umbau der Wälder ist ein langfristiges Projekt und könnte bis zu 48 Milliarden Euro kosten. Private Waldbesitzer fordern daher staatliche Unterstützung und eine Modernisierung des Waldgesetzes. Abgestorbene Bäume und schädlingsfreies Totholz sollten auf brachliegenden Flächen verbleiben, während aktive Maßnahmen wie Pflanzung, Aussaat und Pflege notwendig sind, um mit den Herausforderungen des Klimawandels Schritt zu halten.

Wasserhaushalt als Schlüssel

Besonders der Wasserhaushalt spielt eine Schlüsselrolle bei der Anpassung der Wälder. Die Verbesserung des Waldinnenklimas – also hohe Luftfeuchtigkeit und geringere Lichtintensität – ist essenziell. Bewässerung als technische Maßnahme ist jedoch oft wenig praktikabel und ökonomisch nicht rentabel. Stattdessen könnte die Wiedervernässung in bestimmten Wäldern, wie zum Beispiel Auenwäldern, helfen, den Wasserhaushalt zu stabilisieren.

Der Umbau hin zu artenreichen Mischwäldern wird finanziell von der EU, dem Bund und den Ländern unterstützt. Durchschnittlich wurden bis 2017 jährlich etwa 22.000 Hektar umgebaut. Naturverjüngung ist die günstigste Form der Walderneuerung, bringt aber oft keinen Wechsel der Baumarten mit sich. Die Herausforderungen, die sich aus dem Klimawandel ergeben, werden uns noch lange beschäftigen – aber vielleicht gibt es doch Hoffnung, wenn wir jetzt die richtigen Schritte unternehmen.