Zukunft gestalten: Wunsiedels Initiative für eine lebendige Stadtentwicklung
In Wunsiedel, einer charmanten Stadt im Fichtelgebirge, ruft der Landschaftsarchitekt Raimund Böhringer die Bürger zum Handeln auf. Er glaubt fest daran, dass sich der Einsatz für die Stadt lohnt. „Wunsiedel ist es wert, sich zu engagieren“, sagt er und bringt sowohl die Sorgen als auch die Hoffnungen der Innenstadt zur Sprache. Die Stadt hat in der Vergangenheit mit einem vielfältigen Angebot an Buchhandlungen geglänzt – drei an der Zahl – doch heute ist davon nichts mehr übrig. Der klassische Einzelhandel verzeichnet einen Rückgang, und die Sorgen um die Zukunft des Stadtzentrums wachsen. Böhringer, der seit Anbeginn im Bürgerforum aktiv ist, sieht allerdings auch Chancen. Er vertraut auf die Kraft der Wunsiedler, die Situation zum Besseren zu wenden. Weitere Informationen zu seiner Initiative finden sich in einem Artikel der Frankenpost.
Aber was geht da genau ab in Wunsiedel? Hier kommt die Initiative „Mach Neues aus Altem“ ins Spiel. Diese bezieht sich nicht nur auf den Erhalt des Gebäudebestands, sondern auch auf die Unterstützung von Eigentümern und neuen Nutzern. Ein Leerstandsmanagement sorgt dafür, dass leerstehende Immobilien erfolgreich vermittelt werden. Wunsiedel hat mit einer Leerstandsquote von 9,3 % die höchste in Bayern – und das ist nicht gerade eine positive Auszeichnung. Zum Vergleich: Der Bundesdurchschnitt liegt bei 4,3 %. Die Initiative, die bereits 2018 mit der Kampagne „Freiraum für Macher“ gestartet ist, will das regionale Bewusstsein und die Identität stärken. Es ist eine Art Aufruf an Einheimische, Rückkehrer und Zuzügler, sich in die Stadt zu integrieren und die Bestandsimmobilien zu nutzen.
Herausforderungen und Chancen
Die Region hat eine bewegte Geschichte, geprägt durch die Stein-, Porzellan- und Textilindustrie. Besonders der Niedergang der Porzellanindustrie in den 90er Jahren hat Spuren hinterlassen. Doch Wunsiedel schläft nicht. Der Rückkehrer Robert Babutzka beispielsweise hat seine Stadtwohnung gegen einen fränkischen Vierseit-Hof getauscht. In seiner Schreinerei verarbeitet er Holz mit Geschichte und ist Mitglied der Künstlerkolonie Fichtelgebirge. Solche Geschichten zeigen, dass es Hoffnung gibt, dass Veränderung möglich ist.
Wunsiedel wurde 2019 in das Förderprogramm „Smart Cities“ aufgenommen, was die Stadtentwicklung im digitalen Zeitalter unterstützt. Ein Kreisentwicklungskonzept namens „Freiraum Fichtelgebirge 2030 – Smart. Nachhaltig. Resilient“ wurde 2021 verabschiedet. Diese Kooperation mit den benachbarten Landkreisen Hof und Bayreuth zeigt, dass man nicht alleine ist – die Herausforderung wird gemeinsam angepackt. Die Webseite der Initiative bietet Beratungsangebote für Immobilieneigentümer und Interessierte, Gutscheine für Erstberatungen durch Fachleute und einen digitalen Sanierungs- und Baukompass, der hilfreiche Checklisten und Informationen bereitstellt.
Die Kampagne „Freiraum Fichtelgebirge“ wurde mehrfach ausgezeichnet und hat zu einer positiven Wahrnehmungsänderung der Region beigetragen. Unterstützung gibt es auch durch Förderungen wie „Smart Cities: Stadtentwicklung im digitalen Zeitalter“ und die FöRLa (Förderrichtlinie Landesentwicklung). Das klingt fast schon nach einem Wunder, nicht wahr? Die Wunsiedler sind gefordert, aktiv zu werden und die Zukunft ihrer Stadt mitzugestalten – mit all ihren Herausforderungen, aber auch mit den vielen Chancen, die sich bieten.
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