Heute ist der 30.04.2026, und während in Berlin die Vorbereitungen für die Feierlichkeiten zum 1. Mai in vollem Gange sind, gibt es eine bemerkenswerte Abwesenheit: Das beliebte Myfest in Kreuzberg, das seit 2003 als friedliches Straßenfest gefeiert wurde, findet auch in diesem Jahr nicht statt. Die Veranstaltung sollte ursprünglich am 1. Mai 2025 stattfinden, wurde jedoch abgesagt, und für 2026 gibt es ebenfalls keine offizielle Neuauflage.
Das Myfest, das durch Anwohnerinnen, Gewerbetreibende und lokale Initiativen ins Leben gerufen wurde, hatte sich über die Jahre zu einem wichtigen sozialen Ereignis entwickelt. Es zielte darauf ab, einen Gegenpol zu gewaltsamen Demonstrationen am 1. Mai zu schaffen. Im Jahr 2017 zog das Fest über 200.000 Besucher an, die sich an 20 Bühnen mit Live-Musik und Performance-Kunst erfreuten. Allerdings gab es in den letzten Jahren immer wieder Schwierigkeiten. Seit 2020 fiel das Myfest coronabedingt aus, und die Gründe für die Absage im Jahr 2024 sind unklar. Der Bezirk und die Veranstalter konnten sich nicht einigen, was zu einem Vorwurf des mangelnden Interesses seitens der Bezirkspolitik führte.
Alternative Feierlichkeiten und politische Dimensionen
Trotz der Absage des Myfests wird der 1. Mai in Kreuzberg weiterhin lebhaft gefeiert. Im Görlitzer Park ist eine Party unter dem Motto „Free Görli – Rave Against the Zaun“ geplant, die von 8 bis 22.30 Uhr stattfinden soll. Diese Veranstaltung wird von Anwohnerinnen und Bürgerinitiativen organisiert und zielt darauf ab, den Feiernden einen Raum zu bieten, auch wenn das offizielle Myfest nicht stattfindet. Der Park bleibt in der Walpurgisnacht sowie in der Nacht auf den 2. Mai geöffnet, was zusätzliche Möglichkeiten für informelle Feiern bietet.
Die politische Dimension des 1. Mai bleibt jedoch ungebrochen. So wird am 1. Mai 2026 die „Revolutionäre 1. Mai“-Demonstration in Kreuzberg stattfinden, die um 18 Uhr am Oranienplatz startet. Diese Veranstaltung thematisiert wichtige gesellschaftliche Fragen wie Antifa, Feminismus und Mietwucher und wird von der Polizei mit über 5.000 Beamten begleitet. Gleichzeitig gibt es mehrere Gewerkschaftsdemonstrationen, die sich ebenfalls für soziale Gerechtigkeit einsetzen.
Kritik am Myfest und Wünsche der Anwohner
Die Absage des Myfests hat nicht nur bei den Organisatoren, sondern auch bei den Anwohner*innen für Unmut gesorgt. Viele wünschen sich ein kleineres, politischeres Format, das die ursprüngliche Intention des Festes bewahrt. Kritiker befürchten, dass der 1. Mai zunehmend von seiner politischen Bedeutung entfernt wird und stattdessen zu einem kommerziellen Event verkommt. Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann von den Grünen hat das Fest abmoderiert und auf bürokratische Hürden hingewiesen, die von den Organisatoren nicht rechtzeitig überwunden werden konnten.
Obwohl Myfest in diesem Jahr nicht stattfindet, strömen Menschen nach Kreuzberg, um zu feiern und die kulturelle Vielfalt des Stadtteils zu genießen. Veranstaltungen wie der Rave im Görlitzer Park und die zahlreichen Demonstrationen zeigen, dass der 1. Mai in Berlin auch ohne das Myfest ein Tag voller Aktivitäten und politischer Auseinandersetzungen bleibt. Die Vorfreude auf die alternativen Feierlichkeiten und die anhaltende Diskussion über die Ausrichtung des Feiertags sind ungebrochen.
Für weitere Informationen und Details zu den geplanten Veranstaltungen und der aktuellen Situation in Kreuzberg können Sie die Quelle hier einsehen. Auch die Berichterstattung über die politischen Dimensionen finden Sie in der Quelle hier. Weitere Informationen zu den Demonstrationen und Feierlichkeiten am 1. Mai in Berlin können Sie in der Quelle hier nachlesen.