In Berlin-Mitte, ganz in der Nähe des Alexanderplatzes, gibt es jetzt einen Neuanfang, der für viele positiv überrascht: Das Haus der Statistik, ein ehemaliger DDR-Plattenbau, der über ein ganzes Jahrzehnt leer stand, wird nun wiederbelebt. Wo zuvor nur Vögel und Fledermäuse lebten, soll ein lebendiger Ort für Kunst, Kultur und soziale Initiativen entstehen. Mit einer symbolischen Schlüsselübergabe begann kürzlich der Innenausbau der ersten sechs Etagen im Haus A. Anwesend waren dabei die Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) und Berlins Bausenator Christian Gaebler (CDU), die beide die Bedeutung dieses Projekts unterstrichen.
Interessanterweise ist die Geschichte des Hauses tief in die Vergangenheit verwurzelt. Zuvor befand sich auf dem Gelände ein jüdisches Altenheim, das in der NS-Zeit enteignet wurde. Der Bürokomplex, der zwischen 1968 und 1970 erbaut wurde, diente ursprünglich der staatlichen Statistikverwaltung der DDR und wurde nach der Wiedervereinigung zeitweise als Außenstelle des Statistischen Bundesamtes genutzt. Pläne für einen Abriss, als die Berliner CDU das Gebäude als „monumentalen Betonklotz“ bezeichnete, wurden durch den Einsatz von Kunstschaffenden gestoppt, die für den Erhalt des Hauses kämpften.
Ein Platz für viele Ideen
Das Projekt, das seit 2017 vom Land Berlin vorangetrieben wird, ist Teil eines größeren Modells zur Stadtentwicklung. Die Genossenschaft AndersMachen eG wird dort Räume für ihre Mitglieder einrichten, darunter die Berliner Stadtmission, AWO-Asylrechtsberatung und der Verein LARA. Diese Organisationen sind darauf ausgerichtet, kulturelle und soziale Angebote langfristig bezahlbar zu halten. Es wird spannend sein zu beobachten, wie diese Initiativen in den kommenden Jahren im Haus der Statistik zusammenarbeiten werden.
Die Sanierung des Bestandsgebäudes hat bereits 2022 begonnen und soll bis Ende 2025 abgeschlossen sein. Ein Finanzamt wird dort ebenfalls einziehen, das als erster Nutzer nach der Sanierung fungieren wird. Und nicht nur das: Geplant sind auch neue Wohnungen, ein Rathaus sowie Flächen für Verwaltung, Bildung und Kunst. Ingesamt umfasst das Projekt vier Gebäudeabschnitte mit beeindruckenden 65.000 m² Neubaufläche und 46.000 m² Bestand.
Nachhaltigkeit im Fokus
Besonders bemerkenswert ist die umweltfreundliche Ausrichtung des Projekts. Die neue Fassade wurde nach einem Wettbewerb entworfen, und die Dachflächen werden als Gründächer mit Photovoltaikanlagen genutzt. Die technische Ausstattung wird modernsten Standards gerecht, und das innovative Regenwassermanagement passt gut zum Konzept der Schwammstadt. All diese Maßnahmen sollen nicht nur die Lebensqualität erhöhen, sondern auch einen wesentlichen Beitrag zur Ressourcenschonung leisten.
Die Herausforderungen in der Stadtentwicklung sind groß. Wie wir wissen, müssen Städte und Gemeinden nachhaltiger werden, um mit den schwindenden Rohstoffen und den Folgen des Klimawandels umzugehen. Das Haus der Statistik könnte dabei als Vorzeigemodell für ressourcenschonende Stadtentwicklung dienen – ein Ort, der zeigt, dass Wachstum und Nachhaltigkeit Hand in Hand gehen können. Ein spannendes Kapitel beginnt für Berlin und vielleicht auch für andere Städte, die nach ähnlichen Lösungen suchen.