In Berlin-Mitte sorgt die Schließung des Kabarett-Restaurants „Gila & Nancy“ für Aufregung. Das Lokal am Gendarmenmarkt, das im Sommer 2025 nach mehreren gescheiterten Versuchen eröffnete, hat nun aufgrund von anhaltenden Belästigungen und Bedrohungen von Mitarbeitern sowie aufgrund von Anti-Israel-Protesten seine Pforten dauerhaft geschlossen. Dies gab der Journalist Elad Simchayoff auf dem Portal X bekannt. Die Schließung markiert das dritte jüdische Restaurant in Berlin, das in jüngster Zeit schließen musste, nachdem bereits das „Hana“ und das „Prism“ ihre Türen schlossen.
„Gila & Nancy“, ein Ableger des beliebten Tel Aviver Restaurants von Chef Eyal Shani, erlebte von Anfang an Schwierigkeiten. Proteste gegen Mitbetreiber Shahar Segal, der zuvor für die umstrittene Gaza Humanitarian Foundation arbeitete, führten zu anhaltenden Kontroversen. Das Team des Restaurants hatte stets betont, dass sie für Frieden, Liebe, Toleranz und die queere Community stehen. Dennoch sah sich das Restaurant einer aggressiven Online-Kampagne von pro-palästinensischen Organisationen und Aktivisten ausgesetzt, die nicht nur gegen Segal, sondern auch gegen das Restaurant als solches gerichtet war.
Proteste und Bedrohungen
Die Schließung von „Gila & Nancy“ folgt auf eine Reihe von pro-palästinensischen Protesten, die sich gegen Shani und Segal richteten. Diese Proteste waren nicht nur auf die Straße beschränkt; Shani berichtete von Drohungen auf sozialen Medien, die sein Restaurant mit Gewalt in Verbindung brachten. Die Polizei musste das Restaurant während der Eröffnung schützen, da bereits im Vorfeld mit Protesten gerechnet wurde. Das Restaurant-Management unter Daniel ist mittlerweile nicht mehr erreichbar und die Situation bleibt angespannt.
Die Hintergründe der Proteste sind komplex. Israel beschuldigt die Hamas, Hilfsgüter zu missbrauchen, während die Gaza Humanitarian Foundation immer wieder in der Kritik steht. Dr. Melody Sucharewicz bezeichnete die Vorwürfe gegen Segal als „Fake-Kampagne“, was die Situation nicht weniger angespannt macht. Scotty Mitzwah, ein jüdischer Aktivist, stellte klar, dass die Demos nicht gegen Israelis oder Juden gerichtet seien, sondern gegen Segal.
Wachsende Herausforderungen für jüdische Restaurants
Die Schließung von „Gila & Nancy“ ist Teil eines besorgniserregenden Trends. Die Auswirkungen des Gaza-Kriegs zeigen sich auch in anderen jüdisch-israelischen Restaurants in Berlin. Chaimi Fröhlich, Betreiber des koscheren Restaurants „Bleibergs“, hat nach über 20 Jahren seine Pforten geschlossen, nachdem er massive finanzielle Verluste verzeichnete. Vor dem 7. Oktober kamen 80% seiner Gäste aus Israel, nach diesem Datum brachen die Besucherzahlen dramatisch ein. Flüge aus Israel wurden gestrichen, und viele jüdische Touristen haben Angst, nach Berlin zu reisen.
Auch andere Restaurants, wie „DoDa’s Deli“ in Berlin-Friedrichshain, haben aufgrund von Anfeindungen und Vandalismus geschlossen. Julia Kopp von der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Berlin (RIAS) dokumentiert immer häufiger Sachbeschädigungen und Bedrohungen gegen Personal und Gäste. Einige Betreiber vermeiden es mittlerweile, sich als israelisch oder jüdisch zu kennzeichnen, um Antisemitismus zu entgehen.
Die Schließung von „Gila & Nancy“ und die Herausforderungen, vor denen jüdische Restaurants in Berlin stehen, werfen ein Schlaglicht auf die zunehmenden antisemitischen Angriffe weltweit. Diese Entwicklungen machen deutlich, wie sehr der Konflikt im Nahen Osten auch das alltägliche Leben in Städten wie Berlin beeinflusst. Für viele ist die Gastronomie ein Ort der Begegnung und des Wohlbefindens – eine Funktion, die in der gegenwärtigen Situation immer mehr auf die Probe gestellt wird.
Für weitere Informationen zu diesem Thema, lesen Sie den Artikel auf Morgenpost oder die Berichterstattung auf Times of Israel. Weitere Hintergründe bietet auch die Tagesschau.