Heute, am 24. April 2026, findet in Berlin-Spandau eine Gedenkfeier statt, die an die grausamen Verbrechen der Nationalsozialisten erinnert. Der Anlass ist der 81. Jahrestag der Ermordung von drei Berliner Polizeibeamten und einem Angehörigen der Feuerwehr. Die Zeremonie beginnt um 11 Uhr in der Moritzstraße, in unmittelbarer Nähe zur Altstadt von Spandau. Hier wird eine feierliche Kranzniederlegung an der Gedenktafel stattfinden, gefolgt von einer Schweigeminute.
Die Gedenktafel erinnert an die Männer Otto Jordan, Reinhold Hofer, Willi Jenoch und Erich Bautz. Wichtig zu erwähnen ist, dass einer der vier Männer ein Angehöriger der Feuerwehr war, und nicht, wie fälschlicherweise oft angenommen, ein Polizist. Diese Männer wurden im Jahr 1945 von den Nazis inhaftiert, da sie homosexuell waren. Am 24. April 1945 wurden sie zur Polizeiübungsanlage Pionierstraße gebracht und erschossen. Ihre Überreste sind bis heute anonym im Falkenhagener Feld verscharrt. Die Berliner Polizei sucht weiterhin nach den Überresten der Männer, unterstützt vom Technischen Hilfswerk (THW).
Erinnerung an die Verfolgung
Die Verfolgung homosexueller Menschen im Nationalsozialismus ist ein Thema, das in Deutschland oft kontrovers diskutiert wird. Während der Paragraph 175, der männliche Homosexualität strafverfolgte, für Frauen nicht galt, blieb die Strafbarkeit homosexueller Handlungen in Österreich sowohl für Frauen als auch für Männer bestehen. Historikerin Anna Hájková betont, dass es für Frauen strukturell unmöglich gemacht wurde, Zeugnis über ihre Verfolgung abzulegen, da sie oft nicht explizit als solche verfolgt wurden. Historiker Alexander Zinn weist darauf hin, dass lesbische Frauen nicht als eine spezifische Verfolgungsgruppe angesehen wurden, sondern meist nach anderen Straftatbeständen wie Unzucht oder Erregung öffentlichen Ärgernisses verfolgt wurden.
Ein Beispiel ist die lesbische Masseuse Gertrud R., die keine Angst hatte, ihre Sexualität offen zu zeigen. Historiker Jens Dobler argumentiert jedoch, dass auch lesbische Frauen unter den Maßnahmen zur Unterdrückung und Einschüchterung litten. In der Lagerordnung des Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück standen lesbische Kontakte unter Strafe. Dies zeigt, dass die Verfolgung nicht nur Männer betraf, auch wenn das Augenmerk oft auf der männlichen Homosexualität lag.
Ein Blick auf die Geschichte
Die Gedenkfeier in Spandau ist ein wichtiger Schritt zur Aufarbeitung dieser dunklen Kapitel der Geschichte. In der heutigen Zeit ist es entscheidend, an die Opfer der Verfolgung zu erinnern und die Umstände zu beleuchten, unter denen sie litten. Historikerin Laurie Marhoefer spricht von einer „intersektionalen Form“ der Verfolgung lesbischer Frauen, da ihre sexuelle Orientierung in Kombination mit anderen Verdachtsmomenten zur Verhaftung führen konnte.
Die Erinnerung an die Männer, die am 24. April 1945 ihr Leben verloren, ist nicht nur ein Akt der Trauer, sondern auch ein Mahnmal gegen das Vergessen. Die Gedenktafel in Spandau steht somit nicht nur für die individuelle Erinnerung an die Opfer, sondern auch für die kollektive Verantwortung, solche Verbrechen nie wieder geschehen zu lassen. Die Berliner Polizei und das THW setzen sich weiterhin dafür ein, die Überreste der Ermordeten zu finden und ihnen die Würde zurückzugeben, die ihnen im Nationalsozialismus genommen wurde.
Für weitere Informationen über die Verfolgung von Homosexuellen im Nationalsozialismus und die gesellschaftlichen Debatten darüber, können Sie die umfassenden Analysen auf Wikipedia nachlesen.