Heute ist der 25.04.2026 und die Situation des Bundes der Antifaschistinnen und Antifaschisten (BdA) Treptow wirft einen Schatten auf die lokale Erinnerungsarbeit in Treptow-Köpenick. Der Verein hat kein Konto bei der Sparkasse erhalten, was seine Arbeit erheblich behindert. In einem Schreiben gab die Sparkasse keine Gründe für die Entscheidung an. Der BdA Treptow steht somit ohne eigene Kontoverbindung da, nachdem im März ein Konto bei der Postbank gekündigt wurde.
Ellen Händler, die Bezirksvorsitzende des BdA Treptow, äußerte sich besorgt über die Auswirkungen dieser Situation. Der BdA ist die zentrale Koordinierungsstelle für Stolpersteine im Bezirk und benötigt ein Konto, um Spenden von Überlebenden oder Hinterbliebenen anzunehmen. Die Miete für das Büro im Rathaus Treptow-Köpenick muss derzeit bar an den Bezirksbürgermeister Oliver Igel (SPD) übergeben werden, was zusätzliche Schwierigkeiten mit sich bringt.
Politischer Kontext und Reaktionen
Am 8. Mai plant der BdA eine Erinnerungsveranstaltung am Sowjetischen Ehrenmal Treptow, die durch die fehlende Kontoverbindung erschwert wird. Ellen Händler zeigte sich überrascht, dass die Sparkasse dem BdA Treptow kein Konto eröffnet hat, obwohl dem VVN-BdA im Berliner Westen ein Konto gewährt wurde. Moritz Warnke, Vorsitzender der Linken in Treptow-Köpenick, bezeichnete die Entscheidung als Angriff auf die Erinnerungskultur.
Gregor Gysi, Linke-Bundestagsabgeordneter, wird Kontakt mit der Sparkasse aufnehmen, um eine Einigung zu erreichen. Gysis Eltern wurden als Verfolgte des NS-Regimes von einer Vorgängerorganisation des BdA Treptow betreut. Sollte Gysi keinen Erfolg haben, prüft der BdA rechtliche Schritte gegen die Sparkasse. Händler verweist auf einen ähnlichen Fall der Roten Hilfe, die gegen eine Kontokündigung durch die Sparkasse erfolgreich vor Gericht gezogen ist. Die Sparkasse hatte in diesem Fall mit erhöhtem Prüfaufwand und der Sorge um einen Reputationsverlust argumentiert.
Politischer Hintergrund und Fördermittel
Ellen Händler vermutet, dass die Kontosperrungen in Berlin einen politischen Hintergrund haben und wünscht sich eine politische Intervention. Die Linke im Bezirk kündigte an, den BdA in der Auseinandersetzung zu unterstützen. Dies geschieht vor dem Hintergrund, dass der Bund im Haushaltsjahr 2023 rund 2,3 Millionen Euro zur Bekämpfung des Linksextremismus bereitgestellt hat, während Ausgaben für die Bekämpfung des Rechtsextremismus bei etwa 22,5 Millionen Euro und für Projekte gegen Islamismus bei etwa 15,5 Millionen Euro liegen. Die Bundesregierung weist darauf hin, dass viele Projekte im Bundesprogramm „Demokratie leben!“ phänomenübergreifend angelegt sind, was eine direkte thematische Zuordnung der Fördermittel schwierig macht. Mehr Informationen dazu finden Sie hier.
Die Situation des BdA Treptow ist ein Beispiel dafür, wie politische Entscheidungen und Bankpraktiken die lokale Erinnerungsarbeit beeinflussen können. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob es dem Verein gelingt, die notwendige Unterstützung zu mobilisieren und seine Arbeit fortzusetzen.