Am vergangenen Freitag versammelten sich rund 70 Antifaschist*innen auf dem Alexanderplatz in Berlin, um gegen die Weigerung der Berliner Sparkasse zu protestieren, einem antifaschistischen Verein ein Konto einzurichten. Der Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (BdA) aus Treptow hatte zu dieser Kundgebung aufgerufen. Die Situation war besonders brisant, da die Sparkasse erst einen Tag zuvor, am Donnerstag, eingelenkt und die Kontoeröffnung zugesichert hatte. Diese Entscheidung kam jedoch nicht ohne öffentliche und politische Intervention, die dem Verein sehr am Herzen lag.
Die Kontoeröffnung war für den BdA Treptow essenziell, da der Verein ohne ein Konto in seiner Arbeit stark eingeschränkt war. Ellen Händler, die Vorsitzende des BdA Treptow, erklärte, dass sie aufgrund des fehlenden Kontos keine Stolpersteine verlegen und keine Spenden annehmen konnten. Der Verein, der sich in der Erinnerungs- und Bildungsarbeit zu Themen wie Verfolgung, Holocaust, Widerstand, Rassismus und Antisemitismus engagiert, hatte am 17. März einen Bescheid von der Sparkasse erhalten, der die Kontoeröffnung ohne Angabe von Gründen abgelehnt hatte. Daraufhin legte der Verein Widerspruch ein, erhielt jedoch keine Reaktion.
Politischer Druck und Unterstützung
In dieser angespannten Situation wandte sich Ellen Händler an den Bezirksbürgermeister Oliver Igel (SPD) und den Linken-Politiker Gregor Gysi, um Unterstützung zu erhalten. Beide Politiker setzten sich daraufhin für den BdA Treptow bei der Berliner Sparkasse ein. Diese Eingriffe könnten letztendlich dazu beigetragen haben, dass die Sparkasse ihre Entscheidung revidierte und die Kontoeröffnung für den BdA Treptow ermöglichte. Die Sparkasse stellte klar, dass alle rechtlichen Vorgaben erfüllt seien und der Vereinszweck mit ihrer werteorientierten Ausrichtung vereinbar sei.
Die Praxis des sogenannten Debanking, bei der politisch motivierte Ausschlüsse von Bankkonten stattfinden, nimmt in Deutschland zu. Der BdA Treptow war zuvor bereits von der Postbank, einer Tochtergesellschaft der Deutschen Bank, betroffen, die dem Verein am 19. Januar ohne Angabe von Gründen das Geschäftskonto kündigte. Diese Entwicklungen haben viele Mitglieder des BdA Treptow, insbesondere die betagten, entsetzt und besorgt zurückgelassen.
Ein besorgniserregender Trend
Die Kontroversen rund um die Kontoeröffnung des BdA Treptow sind Teil eines größeren Trends, der in den letzten Monaten auch andere antifaschistische Organisationen in Berlin betroffen hat. In einer Pressemitteilung der Berliner Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten e.V. (Berliner VVN-BdA e.V.) vom 20. April 2026 wird auf die Problematik der Kontokündigungen eingegangen. Die Ablehnung der Kontoeröffnung könnte die Vereinsarbeit erheblich behindern, und der BdA Treptow plant, juristische Schritte zu prüfen, sollten sich die Verhältnisse nicht verbessern.
Lisa Schubert, Sprecherin für Geld- und Finanzmarktpolitik der Fraktion Die Linke im Bundestag, hat die Kontokündigungen kritisiert und darauf hingewiesen, dass Banken wie die Deutsche Bank weniger verpflichtet seien, gemeinnützigen Kunden zu helfen, als den Sanktionslisten der US-Administration zu folgen. Sie fordert eine Verschärfung der EU-Blocking-Verordnung, um zu verhindern, dass deutsche Banken als verlängerter Arm ausländischer Autokraten fungieren. Ihr Appell zielt darauf ab, ein inklusives Bankensystem zu schaffen, das dem Gemeinwohl verpflichtet ist.
Die Entwicklungen rund um den BdA Treptow werfen ein Schlaglicht auf die Herausforderungen, mit denen antifaschistische Organisationen konfrontiert sind. Die Debatte über „Debanking“ und die Unterstützung von zivilgesellschaftlichem Engagement bleibt somit aktueller denn je. Der BdA Treptow fordert die Berliner Sparkasse auf, ihre Entscheidung zu überdenken und sich nicht gegen antifaschistisches Engagement zu stellen, um eine weitere Erschwernis ihrer wichtigen Arbeit zu vermeiden.