Heute ist der 16.05.2026, und wir blicken zurück auf die bewegende Lebensgeschichte von Marga Goren-Gothelf, die 1925 in Brandenburg an der Havel das Licht der Welt erblickte. Ihre Kindheit war geprägt von einem lebhaften Alltag, in dem das familiäre Geschäft in der Hauptstraße und Steinstraße eine zentrale Rolle spielte. Fahrradtouren, Schulbesuche und das jüdische Gemeindeleben gehörten zu ihren frühen Erinnerungen. Doch die Freude und Unbeschwertheit der Kindheit währte nicht lange. Mit der nationalsozialistischen Machtübernahme begann die dunkle Zeit der Entrechtung für Marga und ihre Familie. Sie verloren nicht nur ihre wirtschaftliche Existenz, sondern wurden auch gesellschaftlich isoliert und schließlich vertrieben.
Die Deportation im Jahr 1938 im Rahmen der „Polenaktion“ stellte einen tiefen Einschnitt in ihr Leben dar. Gemeinsam mit ihrer Mutter und Schwester wurde Marga aus ihrer Heimat gerissen. Nur ein Jahr später gelang ihr die Flucht nach England, wo sie über einen Kindertransport in Sicherheit gebracht wurde. Tragischerweise kam es anders für ihre Familie: Ihre Mutter wurde in Majdanek ermordet, und die Spur ihrer Schwester Paula verliert sich im Warschauer Ghetto. Marga Goren-Gothelf ist ein eindrucksvolles Symbol für Verfolgung und Überleben gegen jede Wahrscheinlichkeit.
Ein Leben nach dem Krieg
Nach dem Krieg setzte sich Marga unermüdlich für die Rettung jüdischer Überlebender nach Palästina ein. In Israel baute sie mit Uri Goren eine Familie auf und arbeitete als Lehrerin und Schulleiterin in Rishon LeZion. Jahrzehnte später kehrte sie, ohne Ressentiment, nach Brandenburg zurück. Sie war bereit, ihre Geschichte zu erzählen und vertraute diese besonders jungen Menschen an. Ihr Engagement für die Erinnerungskultur ist von großer Bedeutung. In Anbetracht der zunehmenden antisemitischen Vorfälle ist es eine demokratische Notwendigkeit, die Erinnerung lebendig zu halten.
Im Jahr 2022 wurde Marga Goren-Gothelf zur Ehrenbürgerin ihrer Geburtsstadt Brandenburg an der Havel ernannt. In ihrer Ehrung schrieb sie: „Ich liebte die Stadt Brandenburg (Havel) und ihre Umgebung als Kind sehr und mit dem bin ich geblieben.“ Diese Worte zeigen die tiefe Verbundenheit, die sie trotz der schrecklichen Erfahrungen nie verloren hat. Die Stadt hat seit 2022 auch wieder Stolpersteine verlegt, um an die verfolgten, ermordeten und überlebenden Jüdinnen und Juden zu erinnern. Es wird angeregt, auch für die Familie Gothelf eine Form des Gedenkens zu prüfen.
Erinnerungskultur als gesellschaftliche Aufgabe
Die Stadt Brandenburg an der Havel bietet mittlerweile Klassensätze für Schulen sowie pädagogische Begleitangebote und Projekttage zur Shoah und zum jüdischen Leben an. Diese Initiativen sind wichtig, um das Bewusstsein für die Geschichte zu schärfen und um sicherzustellen, dass solche Gräueltaten sich nie wiederholen. Marga Goren-Gothelf steht stellvertretend für die Stimmen der Überlebenden, die uns daran erinnern, dass Erinnerung nichts Passives ist, sondern aktiv gestaltet werden muss.
Diese Geschichte ist nicht nur eine Erinnerung an die Vergangenheit, sondern auch ein Aufruf an die Gegenwart. Es ist unsere Aufgabe, das Erbe derer zu bewahren, die gelitten haben, und sicherzustellen, dass ihre Geschichten weitergetragen werden. In einer Zeit, in der Antisemitismus wieder auf dem Vormarsch ist, bleibt der Einsatz für eine lebendige Erinnerungskultur von höchster Relevanz. Marga Goren-Gothelf hat uns mit ihrem Leben und ihrem Wirken eine Botschaft hinterlassen, die uns auch heute noch betrifft.
Für weitere Informationen zu Marga Goren-Gothelf und ihrer Geschichte, besuchen Sie bitte die ausführliche Quelle hier.